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Eurofighter-Nachfolge: Neues Kampfflugzeug für Europa

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Geplante deutsch-französische Produktion Was hinter dem Kampfjet-Deal steckt

Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam einen Nachfolger für den Eurofighter bauen. Das ist auch eine Ansage an die USA. Deren Flugzeugbauer bemühen sich deshalb um einen anderen Großauftrag.

Sie stehen ein wenig abseits, am Rand des Ausstellungsgeländes. Dabei sind die beiden grauen Kampfjets etwas ganz Besonderes. Schließlich ist es das erste Mal, dass eine F-35 der Firma Lockheed Martin in Deutschland zu sehen ist. Elf Stunden hatte ihr Non-Stop-Flug von der Luke Air Force Base im US-Bundesstaat Arizona zur Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin gedauert, zehn Mal auftanken in der Luft inklusive.

In ein weiteres Kampfflugzeug dürfen sich die ILA-Gäste sogar hineinsetzen - dieses ist allerdings nicht flugfähig. Die Amerikaner wollen ihren deutschen Bündnispartnern die Maschine als Nachfolger von 90 alternden Tornados schmackhaft machen. Die gehen 2025 außer Dienst - und sollen durch einem Kampfflugzeug der fünften Generation abgelöst werden. Aber durch welches? Die Entscheidung ist extrem wichtig, das Flugzeug müsste im Kriegsfall auch die in Deutschland stationierten Atombomben der Amerikaner tragen.

Diese Rolle könnte auch ein weiterentwickelter Eurofighter übernehmen. Dafür wirbt der größte europäische Hersteller Airbus. Das Unternehmen hat zusammen mit Dassault Aviation ein Grundsatzabkommen für einen Nachfolger verkündet. Das gaben Top-Manager der beiden Firmen bei der Messe bekannt.

Oder aber, und das würde Boeing und Lockheed Martin weit besser gefallen, die F-35 würde der Nachfolger. Auf den Hightech-Jet setzen neben den USA auch Großbritannien, Norwegen und Italien.

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Eurofighter-Nachfolge: Neues Kampfflugzeug für Europa

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Es sieht aber nicht danach aus, als würde auch Deutschland zum F-35-Kunden. Dabei hatte sich im vergangenen Jahr sogar der Inspekteur der Luftwaffe, Karl Müllner, für den Jet ausgesprochen - wenngleich ohne das Kampfflugzeug direkt beim Namen zu nennen. Allein der Vorstoß hatte offenbar ausgereicht, damit Müllner seinen Job verliert. Denn an der Spitze des Verteidigungsministeriums favorisiert man eine Neuauflage des Eurofighters. Die F-35 gilt intern mittlerweile als chancenlos.

Neben der Tornado-Nachfolge geht es in Paris und Berlin auch um die Frage, welcher Jet den Eurofighter beziehungsweise die französische Rafale ablösen soll, irgendwann um das Jahr 2040. Und beim Bau dieses sogenannten Future Combat Air System (FCAS) wollen die Konzerne Airbus und Dassault nun zusammenarbeiten.

Hätte sich Deutschland für die F-35 als Tornado-Nachfolger entschieden, hätte das wohl auch das Ende für das FCAS bedeutet. Doch nun geht genau das voran. "Wir sagen unseren Verteidigungsministerien, unseren politisch Verantwortlichen: Wir sind bereit", so die kämpferische Ansage von Dassault-Chef Eric Trappier. Am Donnerstag wollen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre französische Amtskollegin Florence Parly bei der Messe ihre Unterstützung für das Vorhaben verkünden.

Es geht um mehr als nur um ein Flugzeug. Gekauft werden soll ein Ensemble aus Jet, Drohnen und Kommunikationstechnik. Bisher ist das aber eher ein politisches Symbol als ein konkretes Projekt.

Nach langem Hin und Her hatten sich Deutschland und Frankreich vergangenes Jahr entschieden, bei den fliegenden Systemen der Zukunft wieder gemeinsame Wege zu gehen - so sollen die Expertise der Industrie für einen modernen Kampfjet in Europa gehalten und gleichzeitig gespart werden.

Bis zum Bau des ersten Modells rechnen Insider allerdings mit Kosten von bis zu 80 Milliarden Euro. Damit wird es das größte gemeinsame Rüstungsprojekt überhaupt.

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In den Achtzigerjahren hatten Berlin und Paris noch ganz andere Entscheidungen gefällt. Frankreich zog sich aus dem Eurofighter-Programm zurück. Die Atommacht wollte einen Jet, der Nuklear-Waffen tragen und auf Flugzeugträgern landen kann. Folglich beauftragte Paris den Rüstungskonzern Dassault, die Rafale zu entwickeln.

Deutschland hingegen blieb im Eurofighter-Programm, das über die Jahre von Pannen und horrenden Kostensteigerungen begleitet wurde. Da beide Länder von da an getrennt an verschiedenen Kampfjet-Modellen arbeiteten, so die bittere Erkenntnis heute, wurde viel Geld verschwendet.

Auch wenn noch nicht mal entschieden ist, ob das neue System mit Pilot oder wie eine Drohne ohne Pilot auskommt, will man beim neuen Jet von Beginn eng zusammenarbeiten. Dassault wird wohl das Flugzeug entwickeln. Airbus wiederum wäre für die Peripherie zuständig, würde etwa Drohnenschwärme bauen.

Neuer Kampfpanzer und gemeinsame Aufklärungsdrohne

Der neue Kampfjet, so jedenfalls die Idee, soll nur eins von mehreren neuen deutsch-französischen Projekten sein, angedacht ist auch die Entwicklung eines Kampfpanzers, einer gemeinsamen Aufklärungsdrohne und von Spionagesatelliten. Geht es nach Ursula von der Leyen, soll so viel Geld gespart werden, trotzdem sollen in beiden Ländern die Industrien profitieren.

Grundsätzlich sollen auch andere EU-Länder in das Projekt einsteigen können, Paris und Berlin aber wollen die Entscheider bleiben. Dafür ist es wichtig, dass beide Nationen sich fest auf einen Jet-Typ und seine Konfiguration einigen. Ein Fiasko wie beim Militärtransporter A400M, wo am Ende jedes Land eine andere Ausführung bestellte und Aufträge nicht nach Expertise sondern nach Proporz über die ganze EU verteilt wurden, will man auf jeden Fall verhindern.

Deutschland und Frankreich werden darauf angewiesen sein, dass sich auch andere Länder für Eurofighter und FCAS interessieren - um die Kosten so gut wie möglich zu verteilen. Allerdings werden auch die Amerikaner weiter für ihre F-35 und deren Nachfolger werben.

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