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12. Juni 2019, 15:15 Uhr

Prüfung der US-Flugaufsicht

Boeing 737 Max soll noch dieses Jahr wieder starten dürfen

Die US-Luftfahrtbehörde FAA untersucht, ob Boeing bei der Sicherheit der 737 Max nach zwei Abstürzen ausreichend nachgebessert hat. Nun hat sie erklärt, wann der Flugzeugtyp wieder abheben könnte.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA geht davon aus, das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max noch 2019 aufheben zu können. Der Flugzeugtyp werde definitiv vor dem Jahresende wieder fliegen, sagte der FAA-Sicherheitsexperte Ali Bahrami der Nachrichtenagentur Bloomberg. Ein genauer Zeitpunkt lasse sich aber nicht nennen, da die sicherheitsrelevanten Veränderungen noch geprüft würden.

Nach zwei Abstürzen binnen wenigen Monaten mit 346 Toten werde die 737 Max ihren Liniendienst erst dann wieder aufnehmen, "wenn wir überzeugt sind, dass sie sicher ist", sagte Bahrami. Im Mai hatte der amtierende FAA-Chef Daniel Elwell den möglichen Zeitraum für das Flugverbot noch weiter gefasst: Sollte es ein Jahr dauern, bis die Behörde alles Nötige habe, um die Flugzeuge wieder fliegen zu lassen, "dann soll es so sein". Der internationale Luftfahrtverband IATA hatte zuletzt erklärt, man rechne mit einer Wiederaufnahme des Flugbetriebs der Maschine nicht vor August.

Bahrami zufolge nehmen derzeit Spezialisten die Anpassungen an dem Flugzeug, die Software, die Konstruktion und das Abschneiden in Flugtests unter die Lupe, wie er bei einer gemeinsamen Konferenz der FAA und der europäischen Luftfahrtbehörde EASA sagte.

Besonders die Software MCAS steht im Verdacht, für die Abstürze mitverantwortlich zu sein. Der Bordcomputer soll die Nase der Boeing nach unten gedrückt haben. Die Besatzung war nicht mehr in der Lage, den Fehler zu korrigieren. Boeing hat zugegeben, seit mehr als einem Jahr von Problemen mit dem MCAS gewusst, die FAA aber nicht informiert zu haben. In der Kritik steht auch die Zulassung des Fliegers durch die FAA.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg hat inzwischen Verfehlungen seines Unternehmens im Zusammenhang mit dem MCAS-System eingestanden. "Wir haben die Implementierung dieser Software nicht korrekt durchgeführt", erklärte der Manager. Muilenburg entschuldigte sich bei den Familien der Opfer, bekräftigte aber gleichzeitig sein Vertrauen in die 737 Max. "Wir sind überzeugt von der grundsätzlichen Sicherheit des Flugzeugs."

Der Hersteller hatte zuletzt allerdings eingestehen müssen, möglicherweise fehlerhafte Teile in einem Teil seiner Flotte eingebaut zu haben. Neben der Boeing 737 Max waren dabei auch Jets des Typs Boeing 737 NG betroffen. Bei den möglicherweise fehlerhaft hergestellten Teilen handelt es sich um bewegliche, vom Piloten zu steuernde Elemente an den Tragflächen, die sogenannten Leading edge slats. Sie werden etwa bei der Landung benutzt, um Geschwindigkeit zu reduzieren.

chs/dpa

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