Darmstadt Teilchenbeschleuniger Fair wird noch einmal teurer

Teilchen fast auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen - das wollen Forscher in einer neuen Anlage, die in Darmstadt entsteht. Doch die Kosten für das Riesenprojekt Fair wachsen weiter. Es ist nicht das erste Mal.

Baustelle des Beschleunigers Fair in Darmstadt (April 2019)
Darmstädter Echo / Torsten Boor / dpa

Baustelle des Beschleunigers Fair in Darmstadt (April 2019)


Eine der weltweit größten Anlagen für physikalische Grundlagenforschung im hessischen Darmstadt wird noch einmal um mehrere Hundert Millionen Euro teurer als bislang kalkuliert. Ein internationales Expertengremium bestätigte eine neuere Kostenschätzung des Fair-Managements wonach der Teilchenbeschleuniger um 850 Millionen Euro teurer wird als vom alten Management ursprünglich geschätzt, hieß es aus dem Bundesforschungsministerium.

Der Beschleuniger wird seit Sommer 2017 gebaut, die Bauzeit ist auf sechs Jahre veranschlagt. Für das Projekt waren rund 1,4 Milliarden Euro geplant worden. Dann wurde der Bundestag aber über Zusatzkosten von weiteren 330 Millionen Euro informiert. Der SPIEGEL hatte im vergangenen Dezember über ein Papier des Bundesrechnungshofs berichtet, in dem Versäumnisse beim Bau und beim Kostenmanagement aufgelistet waren.

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Nun ist also weiteres Geld nötig. Die Kosten des Projekts übernimmt zu 70 Prozent Deutschland und zu 30 Prozent internationale Partner. Fair hat Gesellschafter aus acht weiteren Ländern. Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien. Großbritannien ist assoziierter Partner. Das internationale Beschleunigerzentrum soll rund 3000 Forschern aus 50 Ländern zur Verfügung stehen.

Teilchen fast so schnell wie das Licht

Herzstück von Fair ist ein 1,1 Kilometer langer Ringbeschleuniger unter der Erde. Er wird an den bestehenden Beschleuniger des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung angedockt. In Fair sollen elektrisch geladene Teilchen fast Lichtgeschwindigkeit erreichen. Dann prallen sie auf einen Widerstand, auf eine Folie oder biologische Zellproben. Dabei wollen Forscher beobachten, wie neue Teilchen und Materieformen entstehen und auch Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte des Universums ziehen. Auch andere Länder arbeiten an ähnlichen Anlagen.

Am häufigsten verglichen wird die Anlage in Darmstadt mit dem Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf. Dort ist der Beschleunigerring mit knapp 27 Kilometern deutlich länger als die Version in Darmstadt.

chs/dpa



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