Feuer-Tests Forscher entwickeln Löschsystem gegen Tunnelbrände

Feuer in Tunneln werden immer wieder zu Todesfallen - die Brände sind kaum zu löschen. Deutsche Forscher haben in einer Testanlage in Spanien ein Löschsystem entwickelt. Ihre Analysen haben auch Folgen für Deutschland: Ein Tunnel wurde auf Empfehlung der Experten bereits für Gefahrgüter gesperrt.

Flammen in Testtunnel in Spanien: 600 Meter lange Testanlage
dapd

Flammen in Testtunnel in Spanien: 600 Meter lange Testanlage


Oviedo - Deutsche Forscher haben in einem Testtunnel in Spanien ein Löschsystem gegen Tunnelbrände entwickelt. Die gefürchteten Feuer sind schlecht kontrollierbar - und kaum zu löschen: "Tunnelbrände haben eine Eigendynamik", sagt Mario Koch, der das dreiköpfige Wissenschaftlerteam aus Sachsen-Anhalt leitet. "Während bei einem Brand unter freiem Himmel Rauch und Hitze abziehen können, sammelt sich im Tunnel alles und kann nicht weg. Dabei entstehen schnell Temperaturen von 1.000 Grad. Die heißen, giftigen Gase breiten sich unter der Decke aus und springen auf Objekte in bis zu 100 Metern Entfernung über." Die Feuerwehr komme wegen der großen Hitze nicht an den Brand heran.

Nach einer Serie von folgenschweren Tunnelbränden um die Jahrtausendwende wurde unter Federführung der Kölner Firma Fogtec das Projekt SOLIT ( Safety of Life in Tunnels) gestartet. Dabei wurde ein System entwickelt, das mit Wassernebel Tunnelbrände kontrollieren soll. Die Anlage funktioniert ähnlich wie eine Sprinkleranlage. Sie stellt einen Brand fest - und löst Wassernebel aus.

Physiker vom Institut der Feuerwehr in Heyrothsberge bei Magdeburg haben das System in einem Versuchstunnel in Oviedo nun getestet. Als Feuerquelle stapelten sie Holzpaletten und umhüllten sie mit einer Plane. Der Stapel hatte die Größe eines Lkw-Aufliegers. Feuerwehrleute entzünden den Aufbau, zunächst fängt die Plane Feuer. Nach wenigen Minuten lodern die Flammen bis an die Decke. Plötzlich rieselte ein Wassernebel von der Tunneldecke herab - der Löschtest hatte begonnen.

Sauerstoffreserven für die Flucht aus dem Feuer

"Die Anlage kann den Brand nicht löschen, aber sie hält ihn unter Kontrolle", erklärt Stefan Kratzmeier von der Firma Ingenieure für Angewandte Brandschutzforschung (IFAB) aus Rostock. "Das Feuer wird örtlich eingegrenzt und kann problemlos gelöscht werden." Der Forscher führt Brandschutzexperten aus aller Welt bis zu einem Meter an den Aufbau heran - solch eine Beobachtungsmöglichkeit erlaubt nur die Testanlage.

Im Nebengebäude verfolgt sein Kollege Mario Koch den Brand an drei Laptops. Kurven und Zahlen zeigen den Brandverlauf. Unmittelbar über dem Feuer wird eine Temperatur von maximal 300 Grad gemessen. Das Rauchgas entwickelt sich mäßig, der Sauerstoffgehalt ist ausreichend für Menschen, die sich direkt in der Nähe des Brandes aufhalten. Sie könnten vermutlich über Notausgänge fliehen. "Bei einem Brand dieser Größenordnung ohne Brandbekämpfungsanlage hätten sie hingegen keine Chance", sagt Koch. Insgesamt 160 Messwerte erfasst das System, bis hin zu Strömung, Windgeschwindigkeit und Wärmestrahlung.

Die Daten verarbeiten die Ingenieure der Firma Bunge mit Hauptsitz in Heidelberg zu einem Computermodell. Mit ihrer Hilfe lassen sich verschiedene Brandszenarien in Tunneln simulieren. Damit können neu zu bauende und bestehende Tunnel sicherer gemacht werden. "Wir spielen allerdings nicht immer den schlimmsten Fall durch", sagt Ingenieur Uwe Zimmermann. Die Wahrscheinlichkeit, dass beispielsweise zwei Gefahrguttransporter in einem Tunnel frontal zusammenstoßen, sei sehr gering.

Doch die Daten zeigen: In einem solchen Fall wäre ein Brand nicht beherrschbar. Die Firma habe unter anderem eine Risikoanalyse für den Rennsteigtunnel in Thüringen erstellt. Die Folge: Gefahrguttransporter dürfen den acht Kilometer langen Tunnel nicht mehr passieren.

Von Annette Schneider-Solis, dapd

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
wohlmein 04.07.2011
1. Das war doch was...
Zitat von sysopFeuer in Tunneln werden immer wieder zu Todesfallen - die Brände sind kaum zu löschen. Deutsche Forscher haben in einer Testanlage in Spanien ein Löschsystem entwickelt. Ihre*Analysen haben auch Folgen für Deutschland: Ein Tunnel wurde auf Empfehlung der Experten bereits für Gefahrgüter gesperrt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,772195,00.html
Habe ich geträumt, daß holländische Firmen schon seit Jahren mittels FärberWAID BRANDSCHUTZPLATTEN für Tunnelwände produzieren ??
je_pense 04.07.2011
2. faszinierend!
Es ist wirklich faszinierend das deutsche Ingeneure auf so eine revolutionäre Methode wie eine Sprinkleranlage kommen! Dafür gebührt mein allergrößter Respekt!
wohlmein 04.07.2011
3. :
Zitat von wohlmeinHabe ich geträumt, daß holländische Firmen schon seit Jahren mittels FärberWAID BRANDSCHUTZPLATTEN für Tunnelwände produzieren ??
1. Könnten diese die neue, in Spanien erprobte Technologie, ...sinnvoll ergänzen? 2. Wie lang dauert es, bis die neue Technologie realiter ...angewandt wird? ---> Wie wärs mit einem PILOTPROJEKT IN BADEN-BADEN ? Da könnten Sie (Ja, Sie, liebe Firma!) sofort loslegen: . .....................BAUBEGINN: 1. August !
Meinungsmarktbeiträger 04.07.2011
4. 1a-Marketing
Zitat von je_penseEs ist wirklich faszinierend das deutsche Ingeneure auf so eine revolutionäre Methode wie eine Sprinkleranlage kommen! Dafür gebührt mein allergrößter Respekt!
Scheint wirklich nichts Neues zu sein, da wird wohl bloß ein alter Hut geschickt verpackt als Neuheit verkauft, mit einem "Institut der Feuerwehr in Heyrothsberge", das sich dafür hergibt und der Förderung aus Steuergeldern aus dem Topf des BMWi.... Übrigens, liebe SPON-Redaktion, das sind keine Forscher sondern Entwickler ...
user124816 04.07.2011
5. .
Zitat von je_penseEs ist wirklich faszinierend das deutsche Ingeneure auf so eine revolutionäre Methode wie eine Sprinkleranlage kommen! Dafür gebührt mein allergrößter Respekt!
ein sprinkler löscht, eine nebelwand trennt. aber für einfache gemüter ists wohl ein und das selbe: wasser vonne decke!
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