Gatwick So gefährlich sind Drohnen für Flugzeuge

Ein stillgelegter Flughafen, Scharfschützen, Zehntausende gestrandete Reisende: Der Vorfall am Londoner Flughafen Gatwick zeigt, wie machtlos Behörden gegen Drohnen sind - auch in Deutschland.

Drohne mit Flugzeug (Symbolbild)
DPA

Drohne mit Flugzeug (Symbolbild)


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Wenige Drohnen reichten und am Londoner Flughafen Gatwick ging nichts mehr. Am Mittwochabend musste nahezu der gesamte Flugbetrieb eingestellt werden, weil immer wieder Drohnen über den Landebahnen auftauchten. Erst am Freitagmorgen konnten wieder Flugzeuge starten und landen, trotzdem rechnen die Flughafenbetreiber weiter mit Flugausfällen und Verspätungen.

Mit einer Spezialausrüstung will die britische Armee den Airport vor weiteren Zwischenfällen schützen. Auch Hubschrauber und Scharfschützen waren am Donnerstag im Einsatz. Ein Abschuss der Drohnen war nur als taktische Option in Erwägung gezogen worden. Die Gefahr durch fehlgeleitete Geschosse sei zu groß, sagte Verkehrsminister Grayling. "Man kann nicht einfach aufs Geratewohl Waffen in einem bebauten Gebiet um den Flughafen abfeuern."

Schon ein Vogel kann eine Cockpitscheibe durchbrechen

Auch wenn die Vorsichtsmaßnahmen auf Reisende übertrieben wirken mögen: Sie sind berechtigt. Ein Zusammenstoß zwischen einer Drohne und einem Flugzeug ist gefährlich. Schon ein Vogel kann im schlimmsten Fall eine Cockpitscheibe durchbrechen.

Immer wieder kommt es wegen Kollisionen zwischen Flugzeugen und Vögeln zu Notlandungen - und Drohnen sind deutlich schwerer und potenziell gefährlicher. "Drohnen sind - simplifiziert - Vögel aus Metall, daher werden sie auch mindestens so ernst genommen", teilte die Deutsche Flugsicherung auf Anfrage mit. Noch größer ist das Risiko für Hubschrauber, weil ihre Rotoren nahezu ungeschützt sind und sie deutlich niedriger fliegen als Linienflugzeuge. Mehr dazu lesen Sie hier.

DER SPIEGEL

Ein weiteres Problem: Drohnen sind auf dem Radar nicht zu erkennen, weil sie zu klein oder nicht mit der notwendigen Technik ausgestattet sind, etwa mit einem Transponder. Die Piloten werden von den Fluggeräten deshalb überrascht und können nur schwer ausweichen.

Ein Zwischenfall wie am Flughafen Gatwick ist bisher die Ausnahme. Auch, weil die Drohnen offenbar absichtlich immer wieder über die Landebahnen gesteuert wurden, um den Flughafen lahmzulegen. Bei mindestens zwei der gesichteten Drohnen handelt es sich laut Polizei nicht um Hobbyfluggeräte, sondern um Drohnen für den professionellen Einsatz.

Die Marke und das Modell sind unbekannt, berichtet die BBC. Die Polizei vermute jedoch, dass die Drohnen für die Störung gezielt umgebaut worden sein könnten. Jeder, der ein Foto der Drohnen geschossen hat, wird aufgefordert, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Laut ersten Ermittlungen könnten Öko-Aktivisten hinter der Aktion stecken.

Bis zu zehn Jahre Gefängnis

Auch in Deutschland treffen Flugzeuge immer häufiger auf Drohnen. Allein in diesem Jahr wurden bis Ende November 152 Zwischenfälle gemeldet. Im bisherigen Rekordjahr 2017 waren es nur 88 Fälle. Am häufigsten betroffen war der Flughafen in Frankfurt am Main, gefolgt von Berlin Tegel und München. Die meisten Zwischenfälle ereigneten sich in der Nähe von Flughäfen.

Entdecken Piloten eine Drohne, melden sie diese per Funk an die Flugsicherung. Die alarmiert umgehend die Polizei. Die Polizisten versuchen dann, die Verantwortlichen zu finden. Als im September 2017 eine Ryanair-Maschine am Flughafen Köln/Bonn beinahe mit einer Drohne kollidierte, suchte die Polizei sogar per Hubschrauber nach dem Drohnenpiloten.

Die Fluggeräte in der Nähe von Flughäfen steigen zu lassen, ist streng verboten und kann als "gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr" geahndet werden. Im schlimmsten Fall droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Wie viele Drohnen es in Deutschland gibt, ist unklar. Bislang gibt es in der EU kein zentrales Drohnen-Register oder die Pflicht, einen Transponder einzubauen, mit dem die unbemannten Objekte für die Flugsicherung sichtbar wären. Die Deutsche Flugsicherung fordert diese Schritte schon länger, hat sich aber beim Erlass der nationalen Drohnenverordnung nicht durchsetzen können.

Blechschild reicht

In Deutschland reicht ein Blechschild an den Drohnen, auf dem Name und Anschrift des Besitzers stehen sollen. Seit vergangenem Jahr müssen Drohnenpiloten außerdem eine Art Führerschein machen, wenn sie Drohnen fliegen lassen wollen, die mehr als zwei Kilogramm wiegen.

Deutsche Luftverkehrsverbände fordern weitaus schärfere Regeln. "Wir weisen schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass wir eine Registrierungspflicht für Drohnen brauchen, damit Verantwortung und Haftung klar zugewiesen werden können", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow.

Das müsse auf europäischer Ebene geregelt werden. Die bislang vorgeschriebene Plakette an der Drohne reiche nicht aus. Der Flughafenverband ADV verlangt zudem, die Drohnen mit einem System auszustatten, das sie wie Flugzeuge elektronisch sichtbar macht.

Abschuss, Greifvögel, Störsender

So gibt es mehrere Strategien, wie Drohnen von Flughäfen ferngehalten werden können. Einige Hersteller verankern die Nicht-Flugzonen bereits in der Software ihrer Geräte, einheitliche Regeln dazu gibt es aber nicht.

Die Drohnen aufzuspüren, ist meist kein Problem. Systeme dafür bietet unter anderem die Firma Dedrone aus Kassel an, die bereits große Sportereignisse geschützt hat. Das Problem bleibt aber, wie man die entdeckten Drohnen vom Himmel holen kann. Netze, Greifvögel oder Abschuss: Die bislang diskutierten Möglichkeiten sind nach Expertenmeinung nicht zufriedenstellend.

Dedrone setzt auf Störsignale, mit denen die Drohnen außer Gefecht gesetzt werden können. Die Störsender, sogenannte "Jammer", zwingen die Drohne in den Landemodus. Das Problem: Die "Jammer" unterbrechen auch andere Signale, die für den Flughafenbetrieb notwendig sind.

Zusammengefasst: Bislang können sich Flughäfen kaum vor Drohnen schützen. Dabei können Kollisionen zwischen Flugzeugen und Drohen erhebliche Schäden anrichten. In Deutschland sind in diesem Jahr bis Ende November 152 Zwischenfälle gemeldet worden, obwohl das Starten von Drohnen in der Nähe von Flughäfen streng verboten ist und empfindliche Strafen drohen.

koe/dpa

insgesamt 30 Beiträge
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Datenscheich 21.12.2018
1. Tatsächliche Zwischenfälle
Die tatsächlichen Zwischenfälle mit Drohnen - sowie die bislang umgesetzten Gegenmethoden sind hier gut zusammengefaßt (die aktuellste Übersicht deckt 2017 ab): http://www.buch-der-synergie.de/c_neu_html/c_11_15_elektroflugzeuge_37_2017_abwehr.html
wahrsager26 21.12.2018
2. Als Modellflieger habe ich einen
besonderen 'Blick '! Als diese Geräte aufkamen unkte ich im Verein ,manch einer folgte meinen Befürchtungen, andere nicht.Aber es kam wie vorhergesehen: der Kundenkreis hat mir Modellbau nichts im Sinn,versteht eigentlich nichts im Zusammenhang mit Fliegen.Kann aber kaufen ,die Technik macht es möglich und lässt es fliegen,egal wo.Damit begann der Ärger auch für Modellflieger, obwohl für die eindeutige Regelungen gegeben waren und sind.Die Gleichmacherei im Ministerium begann-alles schön 'gerecht'.( man konnte erkennen, wie in der Politik gearbeitet wird). Regeln sind gut, aber der Drohnenflieger kauft und fliegt.Der Modellbauer investiert unter Umständen tausende von Stunden...mit Gehirnschmalz.Der geht kein Risiko ein! Lange Rede, kurzer Sinn:Dröhnen ganz einfach verbieten,wenn überhaupt, nur noch einzelnen Berufsgruppen genehmigen! Danke
all-about-mindset 21.12.2018
3. Prima, beschreibt
nur alles haarklein, damit auch der letzte Idiot - gleich welchen Alters sich ausprobiert. Will nicht wissen wieviele Drohnen unter dem Weihnachtsbaum liegen werden. Hauptsache die Herstellerfirmen machen ihren Gewinn. Null Verabtwortung, wo eine solche Nutzung doch abzusehen war. Wo gibt es echten Mehrwert f Otto NormalVerbraucher?
falconx 21.12.2018
4. Verbote bringen nichts
Nur Mal am Rande der Diskussion: Verbote oder schärfere Regeln bringen nichts, auch die DFS stellt sich hier unnötig stur. Es gibt bereits mehr als genug Regeln, sie müssen aber umgesetzt werden! Wenn die ersten Idioten in der JVA sitzen, dann bringt es vielleicht etwas! Alles andere eng nur die Modellbauer ein, hat sonst aber keinen Effekt. Ich bin übrigens sowohl Modelbauer als auch dronenpilot. Ich liebe beides, auch meine Drone. Die hat allerdings wenig mit fliegen zu tun, sondern liefert einfach tolle Landschaftsaufnahmen. Aber: ich folge allen Regeln, habe Versicherungen, Apps der lokalen Behörden und halte mich zusätzlich an Regeln wie nicht andere Mitmenschen mit meinem Hobby zu Ärgern. Warum soll ich nun für die anderen bestraft werden? Zudem - Dronen verbieten ist ebenso Blödsinn. Vier Motoren mit Luftschraube und ein kleiner Kontroller und die Drone ist fertig. Man braucht heute nicht viel, um sich ein e Drone aus ein wenig Elektronik an einem Nachmittag zu bauen. Daher bitte einfach die Verstöße ahnden!! Übrigens, ich war mehrere Male in der Situation wo solche Typen Mal eben eine Drone z.b. im Stadtpark zwischen den Leuten haben fliegen lassen. Alle sehr beratungsresistent, teilweise aggressiv, aber - selbs wenn anwesend und darauf angesprochen, hat die Polizei bisher nie etwas unternommen!!! Und solange das so ist, wird das Problem bestehen bleiben.
konrad.schoeller 21.12.2018
5. Wie gefährlich sind sie denn nun wirklich?
Über das Thema des Artikels ist in dem Artikel leider nichts zu lesen. Dabei hatte ich den Artikel genau deswegen ausgewählt. Ich nehme an, es gibt darüber wenig zu sagen. Es ist kein einzige Kollision bekannt. Drohnen würden wie auch jeder Vögel von einem Triebwerk geschreddert werden. So ärgerlich und teuer auch Sachschäden sind, dabei geht es nicht um Leib und Leben. Ich finde das ist reine Hysterie. Man muss sich ja nur die große kinetische Energie eines jeden Verkehrsflugzeugs vor Augen führen.
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