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A380: Riesenvogel wird kritisch beäugt

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Flugsicherheit Aufregung um Risse in A380-Flügeln

An mindestens fünf A380-Jets haben Techniker kleine Risse an Bauteilen im Inneren der Flügel gefunden. Airbus will das Problem im Rahmen der regelmäßigen Inspektionen beheben lassen. Australischen Flugzeugtechnikern reicht das nicht aus.

Hamburg - Der Knall auf Flug QF32 ließ eine ganze Branche erzittern. Vor etwas mehr als einem Jahr explodierte das Rolls-Royce-Triebwerk eines Airbus A380 kurz nach dem Start in Singapur. Nur mit viel Mühe konnte die Crew um Flugkapitän Richard de Crespigny die Maschine notlanden. Zwei Tanks waren durch Trümmerteile aus dem Pannenantrieb leck geschlagen, Teile der Flugzeugsteuerung ausgefallen. Erst in der Rückschau wurde klar, wie viel Glück die 459 Menschen an Bord der "Nancy Bird Walton" eigentlich hatten.

Für den Flugzeugbauer Airbus und den Triebwerkshersteller Rolls Royce begann eine lange Zeit der Erklärungen. Nun hat die gründliche Inspektion des Pannenfliegers dafür gesorgt, dass es neue drängende Fragen gibt - und die haben diesmal nichts mit dem Jetantrieb zu tun. Es geht vielmehr um Risse, die an Metallrippen aus einer Aluminiumlegierung ("7449") im Inneren der Flügel gefunden wurden. Betroffen ist also kein Hightech-Material sondern eine Metallart, die Airbus bereits für andere Modelle entwickelt hatte.

Zunächst hatten Techniker die Schäden an Bauteilen entdeckt, die nahe beim kaputten Triebwerk lagen. Deswegen lag ein Zusammenhang mit der Explosion nahe. Doch dann spürten die Experten die zuerst kaum sichtbaren Risse auch an den Rippen des anderen Flügels auf - und denen weiterer Maschinen.

Die Rippen stabilisieren den Flügel mit seinen 846 Quadratmetern Fläche. Nach Ansicht von Airbus beeinflussen die bis zu zehn Millimeter langen Risse an den Bauteilen die Flugsicherheit des A380 jedoch nicht. "Rissbildung ist im Leben eines Flugzeuges etwas vollkommen normales", sagt Airbus-Sprecher Steffan Schaffrath im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Wichtig sei es, die betroffenen Teile regelmäßig zu inspizieren und zu warten. In Abstimmung mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit solle das bei der vorgeschriebenen Vier-Jahres-Überprüfung der Maschinen ("2-C-Check") erledigt werden. Der Empfehlung seien umfangreiche Tests sowohl im Computermodell als auch im Labor vorausgegangen.

"Wir werden im nächsten Monat ein 'Service Bulletin' an die Airlines herausgeben, wo der Reparaturprozess beschrieben wird", sagt Schaffrath. Doch es gibt Flugzeugtechniker, denen das nicht genug ist. Paul Cousins, der Chef der Australian Licensed Aircraft Engineers Association, etwa findet, dass Airbus mehr tun müsse: "Man muss jetzt nachmessen und dann zwei oder drei Wochen warten. Wenn die Risse dann größer geworden sind, muss sofort repariert werden", sagt der Techniker im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

"Das wissen die aber gar nicht"

Dass eine Vereinigung von Flugzeugtechnikern dafür plädiert, die Maschinen öfter gründlich unter die Lupe zu nehmen, verwundert erst einmal nicht. Andererseits steht der A380 als größtes Passagierflugzeug der Welt ganz besonders im Blickpunkt der Öffentlichkeit - und befördert auf jedem seiner Flüge um die 520 Menschen. Und wer schon einmal die Flügel eines A380 bei Start beobachtet hat, der weiß, wie stark sich die Tragflächen dabei bewegen müssen.

Cousins sorgt sich nach eigenem Bekunden darum, dass die betroffenen Rippen dabei unterschiedlich stark gestresst werden können - und sich so an bestimmten Stellen die Schäden verstärken. "Airbus behauptet, dass die Belastungen auf die betroffenen Rippen gleich verteilt sind. Das wissen die aber gar nicht." Die erste Inspektion würde pro Flugzeug etwa drei Tage in Anspruch nehmen, glaubt Cousins. "Wir müssen den Umfang des Problems herausbekommen."

Bei Airbus will man die Kritik des Australiers nicht auf sich sitzen lassen: "Als Flugzeughersteller wissen wir sehr genau, wie sich die auftretenden Lasten innerhalb eines Flügels verteilen, bestätigt auch durch unsere zahlreichen Flugtest-Kampagnen", sagt Firmensprecher Schaffrath.

Aktuell ist nach einem Bericht der Zeitung "The Sydney Morning Herald" ein Schaden bei der Fluggesellschaft Qantas bekannt, zwei bei Singapore Airlines, einer bei Emirates und einer bei einem Airbus-Testflugzeug. Doch viele der mehr als 70 A380-Jets sind bisher noch nicht gezielt an den Rippen untersucht worden. Airbus verweist jedoch darauf, dass zumindest eine inspizierte Maschine gar keine derartigen Schäden aufgewiesen habe. Und Lufthansa-Sprecher Patrick Meschenmoser sagt: "Wir haben bei unseren Wartungsereignissen keine Risse in diesen Bereichen gefunden."

Bei Airbus heißt es, die bei den anderen Fluggesellschaften beobachteten Schäden seien unabhängig von der Belastung des Jets oder Materialermüdung entstanden. Schuld sei eine "Kombination aus Werkstoff- und Produktionsverfahren". An beidem werde nun gearbeitet. Firmensprecher Schaffrath beteuert in jedem Fall: "Für uns hat Sicherheit höchste Priorität. Da gibt es keine Kompromisse."

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