Energieverbrauch Flugtaxis in der Stadt sind umweltschädlicher als Autos

Viele Unternehmen entwickeln bereits jetzt Flugtaxis, die zukünftig im Stadtverkehr eingesetzt werden sollen. Forscher halten die Luftfahrzeuge nicht für nachhaltig.

Entwurf eines Flugtaxis
Dave Brenner/ /University of Michigan School for Environment and Sustainability

Entwurf eines Flugtaxis

Von Janne Kieselbach


Elektrische Flugtaxis werden den Stadtverkehr der Zukunft nicht umweltfreundlicher machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Michigan, die in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht wurde.

Das Forscherteam um Gregory Keoleian errechnete, dass die Flugobjekte auf Strecken unter 35 Kilometern sogar mehr Energie verbrauchten und damit mehr Treibhausgase verursachten als Autos mit Verbrennungsmotoren. Gerade solche Kurzstrecken innerhalb von Städten oder zwischen Gemeinden seien aber besonders nachgefragt.

Die Forscher argumentieren, dass sich neue Transportlösungen daran messen lassen müssten, das steigende Passagieraufkommen zu bewältigen und gleichzeitig den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Flugtaxis seien jedoch nur auf langen Distanzen eine weniger umweltschädliche Alternative zu Straßenfahrzeugen - und das auch nur, wenn sie mehr als einen Passagier zur selben Zeit transportierten.

Für ihre Analyse erstellten die Wissenschaftler Modelle, um den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen von elektrischen Flugtaxis zu berechnen. Dabei berücksichtigten sie, dass der Strom weltweit noch immer zu einem Großteil aus fossilen Energiequellen stammt.

Anschließend verglichen die Forscher die Werte mit denen von Elektroautos und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Dabei stellten sie fest, dass vor allem der Start und der Steigflug von Flugtaxis so viel Energie verbrauchen, dass die Luftfahrzeuge auf kurzen Distanzen schlechter abschneiden als Autos egal welcher Antriebsart.

Kleiner Vorteil für das Flugtaxi bei langer Strecke und voller Besetzung

Für längere Strecken kamen die Forscher hingegen zu anderen Ergebnissen. Auf einer Distanz von 100 Kilometern verursache das elektrische Flugtaxi 35 Prozent weniger Treibhausgase als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Gegen das Elektroauto könne das Luftfahrzeug allerdings auch auf der Langstrecke nicht punkten: Es komme auf 40 Prozent mehr Treibhausgasemissionen. Diese Werte gelten für den Fall, das sich jeweils nur ein Passagier an Bord befindet.

Geht man jedoch davon aus, dass sich vier Menschen im Flugtaxi befinden, und berücksichtigt man, dass Autofahrten im statistischen Durchschnitt nur mit 1,5 Insassen erfolgen, dann verbessert sich das Ergebnis für das Flugtaxi. In diesem Fall sind die Emissionen des Flugobjektes bei einer Distanz von 100 Kilometern 52 Prozent niedriger als jene von Autos mit Verbrennungsmotor und immerhin 6 Prozent niedriger als jene von Elektrofahrzeugen.

Dass Flugtaxis bald zum Stadtbild gehören, davon zeigen sich Experten überzeugt. Erst im Februar war eine Studie der Unternehmensberatung Horváth zu dem Ergebnis gekommen, dass die ersten Elektro-Lufttaxis bereits in sechs Jahren in den großen Metropolen zu einem gängigen Verkehrsmittel werden könnten. Bis zum Jahr 2050 soll es demnach schon drei Millionen Flugtaxis weltweit geben.

Der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing hatte bereits im Januar den Prototyp eines autonomen Flugtaxis getestet. Im März stellte Airbus den sogenannten Cityairbus mit vier Doppelrotoren und einer Reichweite von etwa 50 Kilometern vor. Außerdem mischt die Automobilbranche mit. So ist Daimler am Start-up Volocopter beteiligt, das sich einen regelmäßigen Flugnahverkehr von Stadtzentren zu außerhalb gelegenen Flughäfen vorstellt.

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Frittenbude 10.04.2019
1. Unsinn
Zukünftige Mobilitätskonzepte in Großstädten können nur auf Effizienzsteigerung des ÖPNV basieren. Der mit einer Person besetzte PKW im Stau steht vor dem Aus, "Flugtaxis" sind in gleicher Weise als tragende Säule unbrauchbar. Zudem stehen sie ja theoretisch schon zur Verfügung in Form des gute alten Helikopters.
Mehrleser 10.04.2019
2.
Wer hätte das gedacht? Vermutlich nur wenige, denn Innovationsglaube ist stärker als das Wissen um physikalische Grundlagen. Auto, Zug und Flieger müssen die Fahrzeugmasse beschleunigen und abbremsen, bei gleicher Reisegeschwindigkeit ähnliche Energiebilanz. Gleiches gilt für den Luftwiderstand. Das Auto muss die Rollreibung überwinden, der Zug ebenfalls, jedoch im geringeren Umfang. Der Flieger hat keine Rollreibung, muss aber in der Luft gehalten werden. Hier düften Auto und Zug punkten, der Zug ganz besonders. Auto und Zug sind an Straßen und Schienen gebunden und können nicht den direkten Weg zwischen A und B nehmen, da sieht es beim Flieger besser aus - daher auch der Vorteil bei der Langstrecke.
hanshanshans 10.04.2019
3. Und außerdem
stört mich sehr, daß die Medien uns das als ernsthafte Sache verkaufen wollen. Im Teaser sollte eigentlich etwas kritisches stehen wie: Unternehmen vergeuden Ingenieurskapazitäten für Spinnereien. Und nicht, daß viele dran arbeiten.
migampe 10.04.2019
4. Echt jetzt???
Es braucht mehr Energie jemanden in die Luft zu heben und zu transportieren als ihn einfach nur auf der Erde zu transportieren? Geniale Erkenntnis - darauf wäre ich ja nie gekommen! btw: Was soll der schwachsinnige Vergleich eines vollbesetzten Flugtaxis mit einem durchschnittlich mit 1,5 Personen besetzten Autos? Was Forscher und Unternehmensberater sich sio alles ausdenken. Unglaublich!
pitt68 10.04.2019
5. Ach was?
Echt jetzt? Ein Fluggerät verbraucht mehr Energie als ein Fahrzeug? Da ist jetzt hoffentlich niemand überrascht. 2 Tonnen rollen vs 2 Tonnen fliegen, was mehr Energie benötigt lernt man schon in der Grundschule...
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