Gutachten Umweltbundesamt fordert weitgehendes Fracking-Verbot

Das Umweltbundesamt äußert erhebliche Bedenken gegen das Fracking. In einem Gutachten fordert die Behörde, die Risiken der umstrittenen Öl- und Gasfördertechnik schnellstens abzuklären.
Fracking: Gestein wird mithilfe eines Gemisches aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem hydraulischem Druck aufgebrochen

Fracking: Gestein wird mithilfe eines Gemisches aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem hydraulischem Druck aufgebrochen

Foto: KACPER PEMPEL/ REUTERS

Welche Risiken birgt Fracking? Noch sind im Zusammenhang mit der umstrittenen Erdöl- und Erdgasfördertechnik viele Fragen offen. Am Mittwoch hat das Umweltbundesamt (UBA) in Berlin ein Gutachten  veröffentlicht. Seine Kernaussage: In Deutschland sollte auf Fracking zur Gasgewinnung zunächst verzichtet werden, bis die Risiken besser erforscht seien und es eine umfassende gesetzliche Regelung gebe. Und auch dann solle die Technik nur unter strengen Auflagen genutzt werden.

"Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie - und braucht daher enge Leitplanken zum Schutz von Umwelt und Gesundheit", erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. "Solange sich wesentliche Risiken dieser Technologie noch nicht sicher vorhersagen und damit beherrschen lassen, sollte es in Deutschland kein Fracking zur Förderung von Schiefer- und Kohleflözgas geben."

Krautzberger betonte, dass es derzeit lediglich ein Moratorium, nicht aber ein Verbot von Fracking gebe. Sie fordert "klare gesetzliche Vorgaben" - und legte gleich auch dar, wie die ihrer Meinung nach aussehen sollten: "Zentraler Bestandteil der vorgesehenen Gesetzesänderungen muss ein Verbot der Gasförderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein über eine Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes sein", so die UBA-Präsidentin. Sie forderte außerdem ein Verbot für jede Form des Fracking in Wasserschutzgebieten.

Anfang Juli hatten Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Eckpunkte zum Fracking vorgelegt und angekündigt, Fracking unter Auflagen erlauben zu wollen. Demnach soll nur das konventionelle Fracking in tiefen Gesteinsschichten möglich sein. EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) dämpfte anschließend die Erwartungen. Er sehe nur begrenzte Möglichkeiten für Fracking in Deutschland.

UBA will schnelle Gesetzesänderung

Bei der Fracking-Technologie wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe unter Einsatz eines flüssigen Gemisches aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Durch Querbohrungen im Untergrund kann Gas aus der Tiefe gefördert werden.

Das UBA rät in seinem Gutachten zu einer umfangreichen Risikobewertung sämtlicher Fracking-Vorhaben zur Gas- und zur Erdölförderung. Dies gelte auch für alle Erprobungsmaßnahmen. Die Bewertungen sollten unerlässlicher Bestandteil einer Umweltverträglichkeitsprüfung sein, so die Behörde.

Außerdem solle Fracking in Wasserschutz- und Heilquellschutzgebieten sowie anderen sensiblen Regionen wie Einzugsgebieten von Seen und Talsperren und Naturschutzgebieten untersagt werden. Ähnlich sehen es bislang auch das Wirtschafts- und Umweltministerium. Die Eckpunkte zum Fracking von Gabriel und Hendricks müssten nun schnell in einem Gesetz festgehalten werden, fordert das UBA.

Das UBA sieht drei wesentliche Punkte als kritisch:

  • Das Problem der Aufbereitung des sogenannten Rückflusswassers - also der Spülflüssigkeit, die nach dem Bohren aus dem Bohrloch austritt - sei bislang ungelöst. Die Flüssigkeit enthält nach dem Spülen neben den Chemikalien, aus denen es besteht, zum Teil giftige Stoffe wie Schwermetalle aus dem Untergrund. Am besten für die Umwelt sei es, wenn sich das Mittel nach der Aufbereitung wiederverwenden ließe. Noch gebe es hier aber erheblichen Forschungsbedarf.
  • Der Grundwasserschutz müsse gesichert werden. Dazu sollten Unternehmen, noch bevor ein Fracking-Vorhaben genehmigt wird, verpflichtet werden, den Zustand des Grundwassers vor Ort analysieren zu lassen, rät das UBA. So könnten Veränderungen in der Zusammensetzung des Grundwassers während des Verfahrens dokumentiert werden. Grundwassermessstellen seien ohnehin flächendeckend in Deutschland vorhanden.
  • Der Einsatz von Fracking könnte intransparent werden. Deshalb müsse, wie bei anderen neuen Technologien wie der Gentechnik, ein Kataster eingeführt werden, aus dem ersichtlich ist, wo Fracking-Substanzen eingesetzt wurden und ob sie Risiken für die Umwelt bergen. Der Kataster müsse für alle Bürger einsehbar sein.

Prominentestes Beispiel für die Anwendung von Fracking sind die USA. Sie konnten in den vergangenen Jahren durch die verstärkte Förderung von Schiefergas durch Fracking ihre CO2-Emissionen senken. Das UBA sieht Fracking dennoch auch aus Klimaschutzgründen kritisch. "Es wäre besser, unser Land konzentrierte sich stärker auf nachweislich umweltverträgliche Energieformen wie die erneuerbaren Energien", so Krautzberger.

Fracking

jme
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.