Sperrung des Frankfurter Flughafens Drohnen gefährden zunehmend den Flugverkehr

Am Flughafen in Frankfurt stand alles still, weil eine Drohne gesichtet wurde. Die Behörden sind gegen solche Störmanöver bislang machtlos. Dabei können die Geräte erhebliche Schäden anrichten.

Im vergangenen Jahr wurden 158 Behinderungen des Luftverkehrs durch Drohnen gemeldet
Julian Stratenschulte/dpa

Im vergangenen Jahr wurden 158 Behinderungen des Luftverkehrs durch Drohnen gemeldet


Schon für wenige Hundert Euro kann jeder in Deutschland zum Drohnen-Piloten werden und Selfies aus der Luft schießen. Doch der unbedarfte Umgang mit den Fluggeräten kann gefährlich werden. Am Donnerstagmorgen musste der Flughafen in Frankfurt am Main komplett gesperrt werden, weil eine Drohne über den südlichen Bereich des Flughafens flog. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Starts und Landungen verboten. Diesmal dauerte die Störung nur 45 Minuten, und es blieb weitgehend bei Verspätungen, doch vergleichbare Zwischenfälle häufen sich.

Die Deutsche Flugsicherung 2018 hat im vergangenen Jahr 158 Behinderungen des regulären Luftverkehrs durch Drohnen registriert, etwa 80 Prozent mehr als noch 2017. Die meisten Störungen gab es am Flughafen Frankfurt/Main, gefolgt von Berlin-Tegel, München und Hamburg. 2017 waren insgesamt 88 Fälle gemeldet worden.

Im Dezember musste der Londoner Flughafen Gatwick über Tage immer wieder gesperrt werden, Zehntausende Reisende waren gestrandet. Damals wurden die Drohnen absichtlich immer wieder über den Flughafen gesteuert. Gerade solche mutwilligen Störungen zeigen, wie machtlos Behörden bisher sind.

Militärische Detektions- und Störsysteme, wie sie in Großbritannien zum Einsatz kommen, sind bislang an deutschen Verkehrsflughäfen nicht installiert. Mehrere Firmen arbeiten bereits an Abschusssystemen, Netzen oder trainieren Greifvögel, die Drohnen vom Himmel holen. Einige Hersteller verankern Flugverbotszonen in der Software ihrer Geräte, einheitliche Regeln dafür gibt es aber nicht.

Die Fluggeräte in der Nähe von Flughäfen steigen zu lassen, ist streng verboten und kann als "gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr" geahndet werden. Im schlimmsten Fall droht eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Der Mindestabstand zur Flugplatzbegrenzung liegt bei 1,5 Kilometern. Am Frankfurter Flughafen sucht die Polizei derzeit mit Hubschraubern nach dem Drohnenpiloten.

Mindestens 1,5 Kilometer Abstand halten

Auch wenn die Vorsichtsmaßnahmen auf Reisende übertrieben wirken mögen: Sie sind berechtigt. Der Zusammenstoß zwischen einer Drohne und einem Flugzeug ist gefährlich. Immer wieder kommt es schon wegen Kollisionen zwischen Flugzeugen und Vögeln zu Notlandungen - und Drohnen sind deutlich schwerer und potenziell gefährlicher. Noch größer ist das Risiko für Hubschrauber, weil ihre Rotoren nahezu ungeschützt sind und sie deutlich niedriger fliegen als Linienflugzeuge. Mehr dazu lesen Sie hier. Ein weiteres Problem: Drohnen sind auf dem Radar nicht zu erkennen, weil sie zu klein oder nicht mit der notwendigen Technik ausgestattet sind, etwa mit einem Transponder. Die Piloten werden von den Fluggeräten deshalb überrascht und können nur schwer ausweichen.

DER SPIEGEL

Wie viele Drohnen es in Deutschland gibt, ist unklar. Bislang gibt es in der EU kein zentrales Drohnen-Register oder die Pflicht, einen Transponder einzubauen, mit dem die unbemannten Objekte für die Flugsicherung sichtbar wären. Die Deutsche Flugsicherung fordert diese Schritte schon länger.

In Deutschland reicht ein Blechschild an den Drohnen, auf dem Name und Anschrift des Besitzers stehen sollen. Seit vergangenem Jahr müssen Drohnenpiloten außerdem eine Art Führerschein machen, wenn sie Drohnen fliegen lassen wollen, die mehr als zwei Kilogramm wiegen. Deutsche Luftverkehrsverbände fordern weitaus schärfere Regeln, die für die gesamte EU gelten sollen.

koe/dpa



insgesamt 42 Beiträge
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Arsonist 09.05.2019
1. nur Verspätungen?
Das stimmt so nicht. Es blieb heute Morgen keineswegs bei Verspätungen. Zahlreiche Verbindungen wurden komplett annulliert. Ich war selbst davon betroffen.
zoza97 09.05.2019
2. wer trägt die Kosten?
Ich habe heute 3 Kollegen, die ihren Flug nicht antreten konnten...….Nicht nur die Flüge sind ausgefallen, die Geschäftstermine sind auch futsch …..
rainer-rau 09.05.2019
3. Jeder Schwachsinn
muss gekauft werden, alles wird erlaubt, wenn es Geld bringt. Quads, Motorräder, Jetskis, Selfiesticks, Soundmodule an Kfz. und und und: Dummheit ist eine natürliche Begabung. (Wilh. Busch). Wenn allerdings die öffentliche Sicherheit und Ordnung bedroht sind, wird's kritisch. Was geht in einem Hirn vor, wenn ein Pilot mit einem Laserpointer geblendet wird, wenn Steine von Autobahnbrücken geworfen werden, wenn Sicherheits- und Rettungskräfte gezielt behindert werden? Kann es da ein zu hartes Vorgehen dagegen geben?
ftesarek 09.05.2019
4. Gesetze und ihre Durchführung
Vielleicht sind unsere Gesetze ungenügend, ihre Durchsetzung lasch. Und da wundert es, wenn gewisse Herrschaften über diese lachen und sie nicht ernst nehmen. Ein Gesetz und die Strafe sollte nicht als Rache mißbraucht werden, sie sollte aber abschreckend wirken. Wenn man absichtlich die Regeln mißachtet, müsste er die Folgen spüren.
gammoncrack 09.05.2019
5. Man kann ja nur hoffen,
dass man den "Piloten" findet. Und wenn wenigstens einmal bekannt wird, dass der bis an sein Lebensende deswegen von der Sozialhilfe lebt, weil er "spaßeshalber" eine Drohne am Airport hat fliegen lassen, dann hört dieses kriminelle Verhalten vielleicht endlich auf.
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