Mängel im Sicherheitskühlsystem Französische Atombehörde räumt mögliche Probleme bei weiterem AKW ein

Wegen technischer Probleme wird der Atommeiler im französischen Penly abgeschaltet. Aus verschiedenen Gründen sind landesweit derzeit zehn AKW vom Netz. Wenn im Winter eine Kältewelle kommt, drohen Stromausfälle.
AKW Penly in Nordfrankreich

AKW Penly in Nordfrankreich

Foto: CHARLY TRIBALLEAU/ AFP

Die französische Atomaufsichtsbehörde hat ein mögliches Sicherheitsproblem bei einem weiteren Kernkraftwerk eingeräumt. »Die Mängel, die bei den Reaktoren der letzten Generation festgestellt wurden, sind auch bei einem anderen Reaktor in Penly in Nordfrankreich festgestellt worden«, sagte die stellvertretende Leiterin des französischen Instituts für Strahlenschutz und Atomsicherheit (IRSN), Karine Herviou, am Donnerstag. Im Dezember waren Risse an einem Sicherheitskühlsystem im westfranzösischen AKW Civaux entdeckt worden.

Der Energiekonzern EDF hatte daraufhin auch zwei Reaktoren in dem AKW Chooz nahe der belgischen Grenze vorsorglich abgeschaltet, da sie nach demselben Konzept gebaut worden waren und ebenfalls von Sicherheitsmängeln betroffen sein könnten. »Wir wissen nicht, ob es anderswo Probleme gibt. Die EDF ist dabei, alle ihre Daten aus früheren Kontrollen zu überprüfen«, erklärte Herviou.

Zehn der 56 französischen Atomreaktoren sind derzeit aus verschiedenen Gründen außer Betrieb. Das Abschalten der Reaktoren führte dazu, dass die Atomkraftwerke im Januar nur noch zwischen 43 und 51 Gigawatt statt 60 Gigawatt produzierten – und das ausgerechnet im Winter, wo allein die Elektroheizungen etwa 30 Gigawatt erfordern.

Der Netzbetreiber RTE warnte bereits davor, dass im Fall einer Kältewelle Industriebetriebe heruntergefahren werden müssen oder es in Privathaushalten stundenweise zu Stromausfällen kommen könne.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Atomkraft zuletzt wiederholt als einen »Glücksfall« für Frankreich bezeichnet und auf deren gute CO2-Bilanz verwiesen. Nur mithilfe der Atomkraft, sagt Macron, werde Frankreich die EU-Vorgabe erfüllen, bis 2050 CO₂-frei zu sein. Der Präsident hat Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro in die Atomkraft und den Bau neuer Reaktoren versprochen. Bislang hat er sich nicht auf den Typ der neuen Reaktoren festgelegt. EDF hat bereits den Bau von sechs weiteren Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR) ins Auge gefasst.

Eine Mehrheit der Franzosen unterstützt die Atomkraft, Tendenz steigend. In einer Umfrage von Anfang November sehen 73 Prozent der Befragten die Kernenergie außerdem als Garant nationaler Unabhängigkeit.

Für Aufregung in Deutschland hatte ein Entwurf der EU-Kommission gesorgt, Investitionen in Gaskraftwerke oder Atommeiler als klimafreundlich einzustufen. Investitionen in neue Kernkraftwerke sollen demnach dann als grün klassifiziert werden können, wenn die Anlagen neuesten technischen Standards entsprechen und ein konkreter Plan für den Betrieb einer Entsorgungsanlage für hoch radioaktive Abfälle ab spätestens 2050 vorgelegt wird.

Die Bundesregierung, die am Atomausstieg festhält, hat den Vorschlag aus Brüssel scharf kritisiert: Eine Technik, die gefährliche Abfälle hinterlasse, »kann nicht nachhaltig sein«, sagte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne). Ausgerechnet Atomkraft als nachhaltig zu etikettieren, sei »Greenwashing«.

oka/AFP
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