Fukushima Kühlsystem in Reaktor vorübergehend außer Betrieb

Die Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima bleibt angespannt: Vorübergehend sei die Kühlpumpe des Reaktorblocks 5 ausgefallen, berichtet der Betreiberkonzern. Die Panne sei inzwischen behoben, doch durch einen nahenden Taifun sind weitere Schäden zu befürchten.

Einsatz in Fukushima: Helfer sprühen Bindemittel gegen radioaktiven Staub
DPA

Einsatz in Fukushima: Helfer sprühen Bindemittel gegen radioaktiven Staub


Tokio - In einem Reaktor des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist am Wochenende das Kühlsystem ausgefallen. Betroffen sei die Kühlwasserpumpe für den Reaktor 5 und das zugehörige Abklingbecken für benutzte Brennstäbe, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag unter Berufung auf den Betreiberkonzern Tepco. Die Probleme mit dem Motor der Pumpe seien am Samstagabend (Ortszeit) entdeckt worden. Am Sonntagmorgen (Ortszeit) sei bei einer viereinhalbstündigen Reparatur eine neue Pumpe eingesetzt worden, diese sei nun in Betrieb. Zwischenzeitlich hätten die Reparaturtrupps auf Ersatzpumpen umgeschaltet, die Reaktoren und Abklingbecken mit Meerwasser kühlen, hieß es.

Das Wasser im Reaktor hatte eine Temperatur von 68 Grad, als die Panne entdeckt wurde, wie Tepco mitteilte. Die Temperatur sei vorübergehend auf 93,7 Grad angestiegen, bis die neuen Kühlpumpe in Gang gesetzt worden sei. Im Abklingbecken sei die Temperatur auf 46 Grad gestiegen.

Die Atomanlage Fukushima Daiichi wurde beim Erdbeben und von dem dadurch ausgelösten Tsunami am 11. März schwer beschädigt. Tepco gab in dieser Woche erstmals zu, dass es nicht nur in Reaktor 1, sondern auch in den Reaktoren 2 und 3 "sehr wahrscheinlich" zu Kernschmelzen gekommen sei.

Taifun "Songda" naht

Der Ausfall des Kühlsystems trifft Tepco in einem besonders empfindlichen Moment, denn Japan wird seit Tagen von heftigen Stürmen heimgesucht. "Songda", der zweite große Taifun der Saison, droht in der Nacht zu Montag auch die Katastrophenregion im Nordosten des Landes mit heftigem Regen heimzusuchen. Die Meteorologische Behörde warnte vor Erdrutschen, da sich der Boden durch das Erdbeben und den Tsunami gelockert habe. Die Atomruine in Fukushima sei nicht ausreichend auf einen solchen Sturm vorbereitet, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag.

Tepco hat in den vergangenen Wochen Bindemittel um und auf die zerstörten Reaktoren gestreut. Damit soll verhindert werden, dass radioaktiver Staub durch Wind und Regen aufgewirbelt wird und in die Luft und ins Meer gelangt. Einige Reaktorgebäude stehen offen, nachdem sie von Wasserstoffexplosionen in Folge des Bebens und Tsunamis beschädigt worden waren. Zwar gehen Meteorologen davon aus, dass der Sturm sich auf dem Weg nach Fukushima abschwächen wird - er könnte aber starke Regenfälle verursachen.

Der AKW-Betreiber plant, die offenstehenden Gebäude abzudecken, doch das wird den Angaben zufolge noch bis Mitte Juni dauern. Ein Berater von Regierungschef Naoto Kan versprach, man werde alles tun, um ein weiteres Ausbreiten der radioaktiven Verstrahlung durch den Taifun zu verhindern.

bor/AFP/dpa

insgesamt 36 Beiträge
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sukowsky, 29.05.2011
1. Lernen wir draus
Der Turmbau zu Babel bei den AKWs in Japan wird es offensichtlich. Lernen wir draus.
gorge11, 29.05.2011
2. Klar,Die Tintanic ist von Experten erschaffen worden
Zitat von sukowskyDer Turmbau zu Babel bei den AKWs in Japan wird es offensichtlich. Lernen wir draus.
Die Tintanic ist von Experten erschaffen worden, die Arche Noah von Laien.
pano karas 29.05.2011
3. Zurück zum Glauben
Zitat von gorge11Die Tintanic ist von Experten erschaffen worden, die Arche Noah von Laien.
Hilft nur noch beten?
assumpta 29.05.2011
4. Japan...
...ist größer als man bzw. SPON denkt. Wenn ein Tafun über Okinawa hinweg zieht, heißt das noch lange nicht, dass es "in Japan seit Tagen heftig stürmt". Wir wohnen in Yokohama und es ist seit Tagen kaum windig, aber es regnet seit Freitag - diese Jahreszeit nennt sich in Japan die rainy season. Der Taifun hat sich mittlerweile stark abgeschwächt und zieht als normales Regengebiet über Japan hinweg. Schade für Spon, immer noch keine neues Katastrophenfutter aus Fukushima und - lieber Robert Hetkämper von der ARD - immer noch keine Panik in Tokio...
harald_töpfer 29.05.2011
5. Es ist noch genug altes Futter da
Zitat von assumpta...ist größer als man bzw. SPON denkt. Wenn ein Tafun über Okinawa hinweg zieht, heißt das noch lange nicht, dass es "in Japan seit Tagen heftig stürmt". Wir wohnen in Yokohama und es ist seit Tagen kaum windig, aber es regnet seit Freitag - diese Jahreszeit nennt sich in Japan die rainy season. Der Taifun hat sich mittlerweile stark abgeschwächt und zieht als normales Regengebiet über Japan hinweg. Schade für Spon, immer noch keine neues Katastrophenfutter aus Fukushima und - lieber Robert Hetkämper von der ARD - immer noch keine Panik in Tokio...
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