Schwere Panne bei Navigationssystem Galileo Europa ist wieder online

Das europäische Navigationssystem Galileo ist nach tagelangem Ausfall wieder nutzbar. Inzwischen gibt es auch weitere Informationen darüber, wie es zu den Problemen kam.

Galileo-Satellit im All (künstlerische Darstellung)
Pierre Carril / Esa / dpa

Galileo-Satellit im All (künstlerische Darstellung)

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Eine Woche lang haben schwere technische Schwierigkeiten das europäische Navigationssystem Galileo lahmgelegt. Bis auf einen Spezialdienst zur Ortung von Menschen in Notlagen war der Satellitenverbund tagelang offline und die Arbeiten zur Wiederherstellung der Dienste zogen sich in die Länge. Jetzt ist Galileo, das sich seit Ende 2016 im Probetrieb befindet, aber wieder einsatzfähig.

Die EU-Agentur GSA in Prag erklärte am Donnerstag, es könne weiter bis auf Weiteres noch zu kleineren Problemen kommen. Ein Expertenteam der Behörde, der EU-Kommission und der Europäischen Weltraumorganisation Esa hatte sich in den vergangenen Tagen mit den Problemen befasst und soll den Neustart des Systems nun weiter überwachen.

Ein Blick auf die Übersicht aller Satelliten auf der Webseite der Agentur zeigt, dass 22 Satelliten wieder einsatzbereit sind. Neben dem Hinweis "Service Restored", also zur Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit, findet sich jedoch eine Warnung vor möglichen weiteren Schwierigkeiten: "Potential Instability".

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Galileo-Satelliten: Wegweiser im Weltraum

Erste Signale hatten die Satelliten bereits am Dienstagabend wieder gesendet, allerdings noch nicht wieder in der üblichen Qualität. Daher wurde an Nutzer noch ein Hinweis übermittelt, dass man keine Abschätzungen zur Genauigkeit liefern könne. Manche Empfänger nutzten daraufhin bereits die Informationen aus dem All, andere ignorierten sie dagegen noch.

Die Wiederherstellungsarbeiten liefen unterdessen weiter, so musste die Galileo-Systemzeit am Mittwochvormittag noch einmal um 50 Nanosekunden angepasst werden. Nun scheint aber einstweilen wieder alles wie gewünscht zu funktionieren.

Probleme bei der Ausfallsicherheit

Die Verantwortlichen werden aus den Ereignissen der vergangenen Tage lernen, dafür ist ein Testbetrieb ja auch gedacht. Unter anderem wird es um die Frage der Redundanz des Systems gehen müssen. Im Grundsatz hat Galileo zwei Kontrollzentren, eines im bayerischen Oberpfaffenhofen, ein anderes im italienischen Fucino. Betrieben werden sie im Auftrag der EU vom Münchner Unternehmen Spaceopal, einer Gemeinschaftsfirma der DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen und der italienischen Telespazio.

Normalerweise teilen sich die Zentren die Arbeit: Oberpfaffenhofen kümmert sich vor allem darum, den Kontakt zu den Satelliten zu halten und ihren Status zu überprüfen, Fucino ist für das Verarbeiten der Zeitsignale verantwortlich. Auf den Satelliten ist jeweils mindestens eine Atomuhr im Einsatz. Deren Signale müssen mit denen von noch präziseren Zeitmessern am Boden verglichen und zum Satelliten zurückgesendet werden.

Wenn ein Standort nicht einsatzbereit ist, zum Beispiel wegen geplanter Arbeiten wie etwa Softwareupdates, soll der andere die Last eigentlich komplett übernehmen können. Bei diesem Wechselspiel ist es nun aber offenbar zu den Problemen gekommen. Nach SPIEGEL-Informationen gab es zunächst Wartungsarbeiten an der Technik in Fucino. Oberpfaffenhofen wäre allein verantwortlich gewesen, doch dort kam es zu unerwarteten Schwierigkeiten - und das Navigationsnetzwerk musste seinen Ausfall melden.

Geräte, die Galileo-Daten nutzen, können normalerweise auch die Informationen anderer Systeme wie GPS (USA), Glonass (Russland) oder Beidou (China) verwenden. Dadurch hielten sich die Folgen des aktuellen Ausfalls in Grenzen. Fachleute weisen außerdem darauf hin, dass es auch bei diesen anderen Systemen immer wieder einmal Störungen und Ausfälle gibt.

Die Europäische Union hat sich für den Aufbau der milliardenteuren Galileo-Konstellation entschieden, um im Krisenfall unabhängig von den anderen Satellitennetzen zu werden. Im Alltagsbetrieb können Nutzer aber von einer Kombination der einzelnen Systeme profitieren - durch höhere Präzision, aber eben auch durch Ausfallsicherheit.

Komplett soll Galileo mit einem Start von vier Satelliten Ende 2020 werden. Dann wird auch der Alltagsbetrieb folgen, in dem sich die in dieser Woche aufgetretenen Probleme nicht wiederholen sollten.

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Affenhirn 18.07.2019
1. Besser unabhängig von GPS etc.
Schließlich ist es ja bekannt, dass GPS im Falle militärischer Aktionen der USA jederzeit die zivile Nutzbarkeit abschalten kann um für das Militär u.a. die Auflösung zu erhöhen.
Mehrleser 18.07.2019
2.
Danke für den Hinweis auf "Testbetrieb" - damit kann ich die Probleme einordnen. Wird aber die üblichen Verdächtigen nicht abhalten, hier wieder zu meckern.
Gluehweintrinker 18.07.2019
3. Ich wusste gar nicht, dass es überhaupt einsatzfähig war.
Irgendwas ist da wohl an mir vorbei gegangen. Mir war schon bekannt, dass die EU ein eigenes Ortungssystem namens Galileo plante und installierte, von so und so vielen Satelliten war die Rede, aber es war mir nicht bewusst, dass die Ortung mittels Galileo schon funktionierte. Auch hatte ich angenommen, dass man dafür ein neues und kompatibles Navigationsgerät brauchte. Nun kann ich also davon ausgehen, dass ich mit einem 2018 in den USA gekauften KFZ-Navi schon per Galileo gefahren bin? Weiß jemand, wann es in Betrieb ging?
Oberleerer 18.07.2019
4.
Ein Gegner muß im Krisenfall also nur diese zwei Zentren lahmlegen und die Navigation ist hinüber? Reicht dazu eine Drohne mit Störsender über den Antennen der Station?
fucus-wakame 18.07.2019
5.
Zitat von AffenhirnSchließlich ist es ja bekannt, dass GPS im Falle militärischer Aktionen der USA jederzeit die zivile Nutzbarkeit abschalten kann um für das Militär u.a. die Auflösung zu erhöhen.
Das ist nicht ganz korrekt. Das Militär benutzt ohnehin schon die höhere Auflösung. Diese Daten werden schon immer mitgesendet. Sie sind aber nicht öffentlich. Völlig unabhängig davon kann die zivile Nutzung jederzeit abgeschaltet werden. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.
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