Erdgasförderung Gase im Grundwasser stammen selten vom Fracking

Gelangen bei der unkonventionellen Förderung von Erdgas Gase ins Trinkwasser? Das ist selten, zeigt eine große Analyse in den USA. In Deutschland schließen Experten das Problem ganz aus.
Fracking in Kalifornien

Fracking in Kalifornien

Foto: David McNew/ Getty Images

Beim Fracking sind in den USA unzureichend abgedichtete Bohrlöcher die Hauptursache für Belastungen des Grundwassers mit Methan.

Nach Analysen von Wasserproben im Nordosten des US-Staates Colorado schätzen Forscher, dass 0,12 bis 4,5 Prozent der Quellen in dieser Region von diesem Problem betroffen sind.

In den meisten Proben ging das gefundene Methan jedoch auf natürliche Bakterien zurück, schreibt  das Team um Owen Sherwood von der University of Colorado in Boulder in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Beim Fracking wird Erdgas bzw. Erdöl aus Gesteinsporen gewonnen, indem das Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hydraulischem Druck und unter Einsatz von Chemikalien aufgebrochen wird.

Das Team von Sherwood untersuchte ein Frackinggebiet im Denver-Julesburg-Becken im Nordosten von Colorado, das mit 60.000 Quadratkilometern etwa der Fläche von Hessen und Baden-Württemberg entspricht. In der Region wird Fracking in verschiedenen Formen schon seit den Fünfzigerjahren betrieben, es gibt dort etwa 54.000 Bohrlöcher.

Berichte über die Gase schon im 19. Jahrhundert

Gas im Grundwasser wurde den Autoren zufolge in der Region schon in den 1880er Jahren bemerkt - lange vor Beginn des Frackings. Nach 1980 häuften sich Klagen von Anwohnern über öliges, entflammbares und ungenießbares Wasser.

Ende der Achtzigerjahre begannen regelmäßige behördliche Wasseruntersuchungen, deren Resultate öffentlich zugänglich sind. Diese Daten wertete das Team um Sherwood für den Zeitraum von 1988 bis 2014 aus.

Gelöstes Methan trat demnach in 593 Wasserquellen auf, was fast zwei Dritteln (64 Prozent) der insgesamt 924 untersuchten Proben entsprach. Der Schwellenwert von einem Milligramm pro Liter wurde in 261 Proben zum Teil drastisch überschritten.

Aus dem Verhältnis zweier Arten von Kohlenstoff-Teilchen schlossen die Forscher auf den Ursprung des Methans in 211 Wasserproben. Bei 169 von ihnen deutete die chemische Signatur auf einen mikrobiellen, natürlichen Ursprung des Gases hin - vermutlich begünstigt durch nahegelegene Kohleflöze.

Wenig Funde

Bei den übrigen 42 Proben geht das Team von einer Beteiligung des Frackings aus - auch weil darin Ethan und Propan gefunden wurden, die in der Regel nicht mikrobiellen Ursprungs seien.

Den Anteil der durch Fracking belasteten Grundwasserquellen in dem Becken beziffern die Forscher auf 0,12 Prozent von allen 35.000 Quellen und 4,5 Prozent der beprobten 924 Quellen.

Seit 2001 habe es pro Jahr relativ konstant etwa zwei Fälle von Leckagen gegeben. Dies änderte sich auch nicht nach dem Jahr 2010, als das unkonventionelle Fracking in horizontal abgelenkten Bohrungen eingeführt wurde. Solche Horizontalbohrungen erschließen bei geringem Flächenbedarf an der Erdoberfläche große Bereiche im Untergrund.

Die absolute Zahl der belasteten Proben sei zwar niedrig, die Bevölkerung dort sei aber mitunter einem beträchtlichen Sicherheits- und Gesundheitsrisiko ausgesetzt, schreiben die Autoren.

Lage in Deutschland

"Dies ist eine der ersten Studien, die die Anzahl der Leckagen beim Fracking detailliert quantifiziert", sagt Marco Bohnhoff vom Geoforschungszentrum Potsdam.

Allerdings sei die Situation in den USA, wo verschiedene Formen des Frackings seit vielen Jahrzehnten betrieben wurden, nicht mit der in Deutschland vergleichbar: Hierzulande würden die Bohrschächte in wasserführenden Schichten - also in den oberen hundert Metern - mit mehreren Lagen Stahlrohren abgedichtet. "Bei uns wären solche Probleme auszuschließen."

Konventionelles Fracking in Sandstein gibt es in Deutschland schon lange. Unkonventionelles Fracking in anderen Gesteinsarten, etwa zur Förderung von Schiefergas, wie es vor allem in den USA betrieben wird, ist dagegen verboten.

Erlaubt sind aber Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken, um die Folgen für die Natur zu erkunden - sofern die betroffenen Bundesländer zustimmen.

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Von Walter Willems, dpa/boj
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