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20. Januar 2012, 16:00 Uhr

Gentechnik

Bakterien verwandeln Seetang in Biosprit

Bei der Suche nach Erdölalternativen richtet sich der Blick aufs Meer: Algen könnten Bioethanol liefern, wenn sie nur gut zu verarbeiten wären. Nun berichtet ein Biotech-Unternehmen von einem wichtigen Fortschritt. Gentechnisch veränderte Bakterien haben den Seetang geknackt.

Hamburg - Als neue Treibstoffquelle kommen nicht nur Mais, Raps, Zuckerrohr und ähnliche Pflanzen in Frage. Auch Seetang ziehen Wissenschaftler als Ausgangsstoff für Bioethanol in Betracht. Die Algen hätten gegenüber Landpflanzen einige Vorteile als Basis für Biosprit: Sie wachsen in großen Mengen in den Meeren, müssen nicht gedüngt werden, konkurrieren nicht mit Nahrungsmitteln um Ackerfläche - und enthalten große Mengen an Kohlenhydraten.

Bisher fehlte allerdings die Technik, diese Kohlenhydrate in industriellem Maßstab zu Ethanol umzusetzen. Der Lösung dieses Problems wollen Forscher des US-Biotechnik-Unternehmens Bio Architecture Lab (BAL) und der University of Washington jetzt näher gekommen sein. Im Fachmagazin "Science" präsentieren sie eine gentechnisch veränderte Form des Bakteriums Escherichia coli. Es ist in der Lage, die Kohlenhydrate der Algen in Ethanol umzuwandeln.

Bessere Ausbeute als bei Mais oder Zuckerrohr

Rund 60 Prozent der Algentrockenmasse von Seetang besteht nach Angaben von BAL aus Kohlenhydraten - und die Hälfte davon aus dem sogenannten Alginat. Die Forscher schleusten Gene aus anderen Mikroorganismen in die Bakterien ein, welche es ihnen ermöglichen, das Alginat zu verstoffwechseln. Das Erbgut stammt von Vibrio splendidus, einer Bakterienart, die sonst als Schädling in Austernfarmen bekannt ist. Mehr als 80 Prozent der Seetangkohlenhydrate konnten die modifizierten Bakterien zu Ethanol umsetzen.

Nach Angaben der Forscher könnte eine Fläche von einem Hektar so bis zu 19.000 Liter Treibstoff im Jahr hervorbringen. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass diese Ausbeute doppelt so groß ist wie bei der gleichen Fläche mit Zuckerrohr, und fünfmal so hoch wie bei Mais.

Die Arbeit wurde vom US-Energieministerium unterstützt. Rund um das Verfahren seien mehrere Patente angemeldet, erklärte das Team um die BAL-Wissenschaftler Adam Wargacki, Effendi Leonard und Maung Nyan Win. Die Firma arbeitet unter anderem mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil und mit dem US-Chemiekonzern DuPont zusammen.

wbr/dpa

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