Great Barrier Reef vor Australien Wie Wolkenmacher die Korallen retten wollen

Geoengineering gilt manchen als hochriskant, anderen als Technik zur Klimarettung. In Australien liegen nun erste Ergebnisse zu einem umstrittenen Versuch vor, das größte Riff der Erde zu retten.
Riffe und Atolle des Great Barrier Reef

Riffe und Atolle des Great Barrier Reef

Foto: Ingo Schulz / McPHOTO / imago images

Um das Great Barrier Reef ist es nicht gut bestellt. Eigentlich gehört das Riff seit 40 Jahren wegen seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt zum Weltnaturerbe der Unesco. Doch der Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung der Meere führen seit Jahren zu einem Ausbleichen der Korallen. Ihr Bestand ist um 50 Prozent zurückgegangen, in den Gewässern von vielen der rund 2500 einzelnen Riffe ist nicht mehr viel von der einstigen Farbenvielfalt übrig.

Forscher arbeiten deshalb an Methoden, um das Riff zu schützen. Ein Wissenschaftlerteam von der Southern Cross University in Lismore im australischen Bundesstaat New South Wales setzt auf Geoengineering.

Feldversuch vor der Küste von Australien

Feldversuch vor der Küste von Australien

Foto: Brendan Kelaher / SCU / REUTERS

Vereinfacht gesagt: Die Forscher erzeugen künstlich Wolken. Sie verringern die Sonneneinstrahlung auf die Meeresoberfläche, weil sie das Licht wieder in den Weltraum reflektieren. Und so letztlich die Geschwindigkeit verlangsamen, mit der das Wasser aufgewärmt wird und die Korallenbleiche angeheizt werden.

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Für das Cloud-Brightening-Projekt, das erste dieser Art, sprühen die Australier Tröpfchen aus Meerwasser in den Himmel. Eine Art Kanone versprüht von einer umfunktionierten Fähre aus einen feinen Nebel. Die Turbine setzt dabei mikroskopisch kleine Wasserpartikel frei. Sie steigen in der Atmosphäre auf und verdichten die vorhandenen Wolken. Das reduziert die Sonneneinstrahlung auf das größte Korallenriff-Ökosystem der Welt.

Turbine mit Wassertröpfchen

Turbine mit Wassertröpfchen

Foto: Alejandro Tagliafico / SCU / REUTERS

Die Wassertröpfchen verdampfen und hinterlassen winzige Salzkristalle, die in die Atmosphäre aufsteigen, sodass der Wasserdampf um sie herum kondensiert und Wolken bildet, so Projektleiter Daniel Harrison, Ingenieur an der Southern Cross University. »Wenn wir das über einen längeren Zeitraum von einigen Wochen bis Monaten machen, während die Korallen eine Hitzewelle im Meer erleben, können wir die Wassertemperatur im Riff tatsächlich senken«, sagt Harrison. Noch sind aber viele Fragen offen. So sei man sicher, dass man die Partikel in die Wolken einbringen könne, es sei aber noch nicht sicher, wie die Wolken reagieren.

Im März, dem Ende des Sommers auf der Südhalbkugel, unternahmen die Forscherinnen und Forscher den zweiten Versuch für das Projekt. Dann ist das Wasser um das Riff vor der Nordostküste Australiens am heißesten und die meisten Korallen sind von der Bleiche bedroht. Wissenschaftlich publiziert sind die Daten noch nicht.

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Aber in einem Artikel in der Fachzeitschrift »Nature«  zeigte sich Harrison optimistisch, dass die Technologie möglicherweise noch besser abschneide, als Computermodelle vermuten ließen. Erste Datenauswertungen ergaben laut Harrison: Durch eine Verringerung des Lichts über dem Riff um sechs Prozent im Sommer würde der Bleichstress für das unterseeische Ökosystem um 50 bis 60 Prozent verringert.

Grundsätzlich sehen viele die Technik des Geoengineerings sowohl ökologisch als auch ethisch kritisch. Bei manchen Ansätzen werden auch zu hohe Investitions- oder Energiekosten bemängelt. Umweltschützer hatten sogar gegen das australische Projekt protestiert. Auch einige Wissenschaftler aus dem Ausland äußerten Bedenken, weil die australische Gruppe wenig über ihre Arbeit veröffentlicht hat.

Zu groß scheint manchen die Gefahr möglicher Nebenwirkungen bei großen Eingriffen in die Natur zu sein, bei Sonneneinstrahlung beeinflussenden Techniken wie dem »Solar Radiation Management« (SRM), unter das auch die aktuelle Forschung fällt (mehr dazu lesen Sie hier). Zudem könnte Geoengineering die Menschen dazu verleiten, den Kampf gegen die Erderwärmung einzustellen und sich auf die Möglichkeiten der Technik zu verlassen.

Harrison betont, dass die Technik nur lokal angewendet werden könne und nicht langfristig funktioniere. Die Wirkung der Kunstwolken würde mit der Zeit abnehmen, so die Forscher. Ein Grund, Maßnahmen gegen den Klimawandel einzustellen, und den Ausstoß von Kohlendioxid nicht weiter zu verringern, sei das System nicht.

joe/Reuters
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