Kraftwerk in der Schweiz Geothermie-Projekt scheitert an Wassermangel

Bereits 36 Millionen Euro hat es gekostet - jetzt ist das Projekt gescheitert. Das schweizerische St. Gallen wird nicht mit Wärme aus der Erde versorgt. Die Verantwortlichen hoffen, dass zufällig entdeckte Gasreserven sich nutzen lassen.

Geothermie-Kraftwerk in St. Gallen: Noch im Oktober 2013 liefen Produktionstests
Sankt Galler Stadtwerke/ T. Bloch

Geothermie-Kraftwerk in St. Gallen: Noch im Oktober 2013 liefen Produktionstests

Von Jan Oliver Löfken


Tausende Haushalte sollte eine mehr als 4.000 Meter tiefe Bohrung im schweizerischen St. Gallen mit Strom und Wärme versorgen. Doch diese Hoffnung, wurde nun brüsk enttäuscht. Das Projekt ist gescheitert, und der Rat der Stadt hat sich gegen den weiteren Ausbau des bisher knapp 44 Millionen Schweizer Franken (etwa 36 Millionen Euro) teuren Geothermie-Kraftwerks entschieden. Nicht die Angst der Bürger vor Erdbeben führte zum Aus, sondern die Geologie: In den Tiefengesteinen fließt schlicht zu wenig Wasser.

"Die geringe Wasserförderrate sowie die Gasführung stellen die ursprünglich vorgesehene Erschließung des Malmkalks und das geplante Betriebskonzept in Frage", berichteten die vor Ort verantwortlichen Ingenieure nach einer Analyse der Messdaten bereits im Februar. Erst ab einer Förderrate von 50 Litern heißen Wassers pro Sekunde wäre eine technische Nutzung der Tiefenwärme sinnvoll gewesen. Tatsächlich wurden aber durchschnittlich nur sechs und ab und zu höchstens zwölf Liter gefördert. Zu wenig, um eine dauerhafte Energieversorgung mit Erdwärme zu gewährleisten.

Letzte Hoffnung Gas

Allerdings bleibt den Stadtwerken und den Bürgern von St. Gallen, die den Großteil der bisherigen Kosten tragen, ein kleiner Trost. Denn während der Tiefenbohrung stießen die Ingenieure auch auf Erdgas, das während einer Testphase im vergangenen Jahr an der Oberfläche des Geländes abgefackelt wurde. Dessen Nutzung will die Stadt nun möglicherweise weiterverfolgen. Eine Einspeisung direkt in das lokale Gasnetz gilt als machbar. So könnte sich die teure Bohrung doch noch teilweise lohnen. Denn nach aktueller Schätzung könnte genug Erdgas gewonnen werden, um die ganze Stadt während eines durchschnittlichen Herbstmonats zu versorgen. Doch unklar bleibt, wie groß das angezapfte Reservoir tatsächlich ist.

Bevor sich St. Gallen entschließt, das Gas zu nutzen, was weitere sieben Millionen Franken (etwa 5,7 Millionen Euro) Investitionen erfordern würde, stehen noch einige Tests aus. Mitte des Jahres wird mit einer Entscheidung des Stadtrats auf möglichst breiter Datenbasis gerechnet. Falls die Abgeordneten gegen eine Gasförderung votieren, bleibt nur der Abbau des gesamten Pilotprojekts. Für die Geothermie-Branche könnte sich St. Gallen als ein herber Rückschlag erweisen. So ist es wahrscheinlich, dass es in Zukunft noch schwieriger wird, Investoren für diese eigentlich sehr elegante und weitestgehend klimaneutrale Form der Energieversorgung zu gewinnen.

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syracusa 17.05.2014
1. Journalisten und Technik ...
---Zitat von Artikelzitat--- Denn nach aktueller Schätzung tritt derzeit genug Erdgas aus, um die ganze Stadt während eines durchschnittlichen Herbstmonats zu versorgen. ---Zitatende--- Was soll man denn bitte mit so einer Aussage anfangen? In welchem Zeitraum tritt denn genug Erdgas aus, um die Stadt über einen Herbsttag versorgen zu können? Pro Stunde, pro Tag, pro Monat, über's Jahr? Wenn pro Tag so viel austritt, dann kann die Stadt vielleicht 3/4 ihres gesamten Gasbedarfs damit decken. Mit so einer Aussage könnte man dann auch was anfangen.
7eggert 17.05.2014
2.
Zitat von syracusaWas soll man denn bitte mit so einer Aussage anfangen? In welchem Zeitraum tritt denn genug Erdgas aus, um die Stadt über einen Herbsttag versorgen zu können? Pro Stunde, pro Tag, pro Monat, über's Jahr? Wenn pro Tag so viel austritt, dann kann die Stadt vielleicht 3/4 ihres gesamten Gasbedarfs damit decken. Mit so einer Aussage könnte man dann auch was anfangen.
Während des angesprochenen Herbsttages tritt genügend Gas aus. Im Sommer auch, aber dann wird weniger verbraucht, und auch im Winter, aber dann wird mehr verbraucht. -------------------- In den USA wird in trockenen Bohrlöchern Wasser eingepreßt, weil man erstaunt festgestellt hat, daß wenn man das Wasser einfach nur abläßt, es dann irgendwann vollständig abgelassen ist.
urbaine 17.05.2014
3. urbaine
es geht auch anders. Im letzten Jahrhundert hat man am Oberrhein nach Öl gebohrt und Wasser gefunden
der_joerg 17.05.2014
4. und ich dachte immer
Und ich dachte immer, bei Geothermie bohrt man ein oder zwei Löcher und pumpt kaltes Wasser rein. Raus kommt dann warmes Wasser oder Dampf. Je nachdem, wo oder wie tief man bohrt. Nur heißes Wasser zu fördern ist ja nicht gerade nachhaltig.
taggert 20.05.2014
5. Geothermie
Zitat von der_joergUnd ich dachte immer, bei Geothermie bohrt man ein oder zwei Löcher und pumpt kaltes Wasser rein. Raus kommt dann warmes Wasser oder Dampf. Je nachdem, wo oder wie tief man bohrt. Nur heißes Wasser zu fördern ist ja nicht gerade nachhaltig.
Ich habe es jetzt eher so verstanden: Es macht schon einen enormen Kosten- Unterschied ob man das Wasser extra zuführen muss oder ob es sich druch Grundwasser quasi "selbst zuführen" liese.
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