Satelliten auf Crashkurs Deutsches Radar soll vor Kollisionen im All warnen

Weltraumschrott gefährdet Satelliten - und damit unsere Navigationssysteme. Das erste in Deutschland gebaute Überwachungsradar soll Ausfälle verhindern.
Weltraummüll neben intakten Satelliten (Computersimulation): "Das Problem sind die nicht mehr steuerbaren, ausrangierten Teile"

Weltraummüll neben intakten Satelliten (Computersimulation): "Das Problem sind die nicht mehr steuerbaren, ausrangierten Teile"

Foto: - / dpa

Mehr als 900.000 teils kleine Schrottobjekte, Tausende Satelliten sowie Raumfahrzeuge ziehen nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im All ihre Bahnen. Die Kollisionsgefahr wächst . Das DLR stellt daher am Dienstag in Koblenz das "erste in Deutschland entwickelte und gebaute Weltraumüberwachungsradar" vor.

Inzwischen hängen weite Teile der modernen Technik wie Mobiltelefone, Internet und Navigationsgeräte von Satelliten ab. Umso wichtiger ist deren Schutz vor Weltraumschrott. "Die Internationale Raumstation ISS fliegt regelmäßig Ausweichmanöver", sagt DLR-Sprecherin Elisabeth Mittelbach. "Das Problem sind die nicht mehr steuerbaren, ausrangierten Teile, bei denen man keinen Knopf mehr drücken kann. Wenn davon zwei zusammenstoßen, können noch mehr Trümmer entstehen."

Das neue Radar für 44,5 Millionen Euro soll Weltraumschrott in erdnahen Orbithöhen zwischen 200 und 2000 Kilometern erkennen. Betreiber gefährdeter Satelliten können ihre teuren Objekte dann bremsen oder die Flughöhe verändern.

256 Sende- und Empfangseinheiten

Das "German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar" (Gestra) ist auf der Koblenzer Schmidtenhöhe in zwei weißen Containern mit je einer Dachkuppel untergebracht. Sende- und Empfangssystem befinden sich räumlich getrennt jeweils in einem Container. Das führt dem DLR zufolge zu "geringerer Beeinflussung und damit zu einer höheren Empfangsleistung".

Das im Auftrag des DLR-Raumfahrtmanagements in Bonn vom Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik entwickelte Radarsystem besteht aus jeweils 256 einzeln elektronisch gesteuerten Sende- und Empfangseinheiten. Nach einer Testphase soll Gestra im ersten Quartal 2021 in den Vollbetrieb gehen.

Die Technik in den beiden Containern arbeitet meist allein ohne Personal und wird aus der Ferne vom Weltraumlagezentrum im nordrhein-westfälischen Uedem am Niederrhein kontrolliert. Dieses betreiben das DLR-Raumfahrtmanagement und die Luftwaffe gemeinsam. Hier werden die Daten von Gestra verarbeitet.

Luftraum und Weltall in einer Hand

Das neue Koblenzer System verfolgt und katalogisiert die Bahnen von Weltraumkörpern. Ergänzt wird es durch das Weltraumbeobachtungsradar Tira bei Bonn. Dieses ist in der Lage, verdächtige Objekte genauer zu untersuchen.

Von der Luftverteidigungsanlage auf dem Paulsberg bei Uedem hat auch das deutsche Militär den kompletten Luftraum über der Bundesrepublik im Blick. Neben der Beobachtung des Weltraums steuert es von hier aus Alarmstarts von Kampfflugzeugen bei möglichen Bedrohungen.

Aus Sicht von Militärexperten ergibt es für Deutschland wenig Sinn, Luft- und Weltraum zu trennen - ungeachtet der physikalischen Unterschiede. Deutschland geht damit einen anderen Weg als die USA, die für den Weltraum eine eigene Teilstreitkraft aufgestellt haben.

jme/dpa