Ostfriesisches Forschungsprojekt Ultraschall statt Krabbenpulen mit den Händen

Neue Technik soll die Krabbenfischerei an der Nordseeküste retten: Niedersachsen fördert das Projekt einer Pulmaschine im Hafen Greetsiel. Der Transport nach Marokko zum Pulen in Handarbeit wäre dann überflüssig.
Fangpause: Die meisten Kutter bleiben in den Nordseehäfen wie dem ostfriesischen Greetsiel

Fangpause: Die meisten Kutter bleiben in den Nordseehäfen wie dem ostfriesischen Greetsiel

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Mit einem Forschungsprojekt sollen die Chancen für eine stärkere regionale Wertschöpfung der Krabbenfischerei in Norddeutschland ausgelotet werden. Dabei soll auch der Prototyp einer Krabbenpulmaschine mit Ultraschalltechnik entstehen. Entwickler und Krabbenfischer hatten auf diese Entwicklung lange gewartet, bislang fehlte dafür das nötige Geld.

Zum Start des Forschungsprojektes überreichte Niedersachsens Fischereiministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Samstag im Hafen von Greetsiel in Ostfriesland einen Förderbescheid über rund 2,3 Millionen Euro an Projektpartner und das Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven, das die Federführung übernimmt. Ziel des auf drei Jahre angelegten Projektes sei es, die Krabbenfischerei in Niedersachsen und anderen norddeutschen Küstenorten nachhaltig und zukunftsfähig aufzustellen, sagte Otte-Kinast: »Wir wollen die Krabbenfischerei widerstandsfähiger gegen Krisen machen.« Dabei gehe es um technische Lösungen, wie etwa die Krabbenpulmaschine, aber auch um wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte, sagte die Ministerin.

Auch die Krabbenschale lässt sich nutzen

Die Erfinderin Christin Klever aus dem ostfriesischen Großheide hat ein Verfahren entwickelt , bei dem Stoßwellen die Chitinpanzer der in einem Becken schwimmenden Krabben aufbrechen sollen, ganz ohne das begehrte Krabbenfleisch zu beschädigen. Nach einigen Minuten ließen sich so Schale und Fleisch trennen. Auch die Schale ließe sich verwerten, die nach dem bisherigen Verfahren meist verrottet. Chitin sei in der Medizin und Kosmetikindustrie ein gefragter Stoff, sagte Klever. Eine Firma aus dem Landkreis Aurich wollte das Modell entwickeln, doch für die Investition fehlte das Geld.

Um an das Fleisch der Nordseekrabben zu kommen, wird der Großteil des in Norddeutschland angelandeten Fangs zum Pulen in Handarbeit bislang überwiegend nach Marokko transportiert. Grund sind vor allem die Lohnkosten. Unter Umwelt- und Verbraucherschützern sorgt dieser Transport immer wieder für Kritik. Mit einer Maschine, so die Hoffnung der Krabbenfischer, könnte wieder ein größerer Teil der Wertschöpfung bei der Krabbenverarbeitung in Norddeutschland bleiben.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast spricht am Samstag in Greetsiel mit demonstrierenden Fischern

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast spricht am Samstag in Greetsiel mit demonstrierenden Fischern

Foto: Lars Klemmer / dpa

Die Branche hat drei schwierige Jahre in Folge hinter sich mit geringen Fangmengen, niedrigen Erzeugerpreisen und Engpässen beim Krabbenpulen durch die Coronapandemie.

Kutter bleiben im Hafen

Nun bleiben angesichts der hohen Spritpreise die meisten Kutter in den Häfen liegen. »Für diesen Dieselpreis kann keiner rausfahren«, sagte der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer (EzDK), Dirk Sander, Mitte März der Deutschen Presse-Agentur. Während der Preis für Schiffsdiesel, den die Betriebe weitgehend steuer- und zollfrei beziehen, im vergangenen Jahr noch zwischen 50 und 60 Cent je Liter lag, müssten Fischer nun etwa 1,50 Euro pro Liter zahlen. »Wenn noch einer fährt, dann nur solange, bis der Tank leer läuft«, sagte Sander, dessen Erzeugergemeinschaft rund hundert Betriebe zwischen Sylt in Schleswig-Holstein und Ditzum in Ostfriesland vertritt.

Das Krabbenfischen sei für die Betriebe zurzeit nicht mehr wirtschaftlich. Während die Kosten für Kraftstoff in normalen Jahren einen Anteil von bis zu zwanzig Prozent des Umsatzes eines Betriebes ausmachten, seien es nun fünfzig bis sechzig Prozent, sagte Sander.

Auch bei den Krabbenfischern der zweiten großen Erzeugergemeinschaft, Küstenfischer der Nordsee, ruht der Betrieb weitgehend. »Die Situation ist katastrophal«, sagte Geschäftsführer Günter Klever, Vater der Erfinderin. An der schleswig-holsteinischen Küste stehen demnach drei Betriebe bereits vor der Pleite.

Inwieweit es im Handel nun wegen des Stillstandes zu einem Engpass von Krabbenfleisch kommen könnte, ist noch offen. Falls sich die Lage nicht verbessere, könnten Kühlhäuser, in denen Krabben noch lagern, laut den Erzeugergemeinschaften auf Dauer leer laufen. Die Saison für die Krabbenfischer beginnt im März und April.

Seit Ende 2017 ist ein großer Teil Krabbenfischerei zwar MSC-zertifiziert, sie findet der Umweltschutzorganisation WWF zufolge aber vor allem in Schutzgebieten wie etwa dem Wattenmeer statt. Wegen der sehr kleinen Netzmaschen gebe es viel Beifang wie junge Garnelen, Jungfische wie Schollen und Seezungen und kleine Fischarten, ein Teil dieser Arten sei besonders selten oder gefährdet, so der WWF .

ak/dpa
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