Umstrittene Technik Erdbeben erschüttern Fracking-Region in Großbritannien

Großbritanniens einzige Fracking-Anlage muss ihren Betrieb vorerst einstellen. Hintergrund ist eine Serie immer stärker werdender Erdbeben. Im Verdacht steht die unkonventionelle Methode zur Gasförderung.

Fracking-Anlage in der Preston New Road: Heftigstes Beben seit Beginn der Arbeiten
Christopher Furlong/ Getty Image

Fracking-Anlage in der Preston New Road: Heftigstes Beben seit Beginn der Arbeiten


Aus den USA ist das Phänomen bekannt: Wo Firmen mithilfe von Fracking Gas und Öl aus der Erde holen, kann es zu Erdbeben kommen. Forscher gehen davon aus, dass eine Bebenserie im US-Bundesstaat Ohio aus dem März 2014 durch die Technik ausgelöst wurde. Nun gibt es einen ähnlichen Verdacht in Großbritannien.

In nur elf Tagen bebte in der Region um die einzige Fracking-Anlage des Landes vier Mal die Erde, zeigen Aufzeichnungen des "British Geological Survey".

Die ersten Mikrobeben unter der Preston New Road in Blackpool in der Grafschaft Lancashire ereigneten sich am vergangenen Mittwoch. Sie hatten eine Stärke von 1,6 auf der Richterskala. Am Freitag erreichten die Erschütterungen einen Maximalwert von 1,1, am Samstag von 2,1. Am Montag lag er bei 2,9 - die stärkste Erschütterung, die an der Anlage je gemessen wurde. Alle Beben ereigneten sich in zwei Kilometern Tiefe.

Fracking vorerst ausgesetzt

Auf Twitter berichteten Bewohner der Region, dass sie am Montag spürten, wie die Erde mehrere Sekunden wackelte. Das Ereignis sei heftig genug gewesen, um Menschen aus dem Schlaf zu wecken. Andere bekamen von den Beben nichts mit.

Beim Fracking wird unter großem Druck Flüssigkeit in den Boden gepumpt, um aus entstehenden Rissen im Gestein Öl und Gas zu gewinnen. Laut britischen Bestimmungen müssen die Arbeiten nach Beben der Stärke 0,5 oder stärker für 18 Stunden ausgesetzt werden. Am Montag gab die Öl- und Gasbehörde bekannt, dass sie den Betrieb untersagen wird, bis sie die Vorfälle genauer untersucht hat.

"Cuadrilla ist bekannt, dass es um 8.30 Uhr am Montag ein Erdbeben im Bereich unserer Anlage in der Preston New Road bei Blackpool gab", erklärte ein Sprecher der Betreiberfirma laut der Nachrichtenseite "The Independent". Seinen Angaben zufolge waren die Fracking-Maschinen zum Zeitpunkt der Erschütterungen abgeschaltet. "Wir untersuchen den Vorfall gemeinsam mit den zuständigen Behörden."

Zuvor hatte die Energiefirma begonnen, auf der Anlage ein neues Bohrloch zu erschließen. Dass es zu geringen Erschütterungen während der Arbeiten kommt, ist normal. Die aktuell gemessenen Beben gingen jedoch deutlich darüber hinaus.

Auch ihr erstes Fracking-Bohrloch in der Preston New Road hatte Cuadrilla nach einer Erdbebenserie aufgeben müssen. So waren 2011 Bohrungen nach Erschütterungen der Stärke 1,4 und 2,3 auf der Richterskala abgebrochen worden.

Keine gute Datenlage zu Risiken

Zwischenzeitlich hatten Aktivisten immer wieder versucht, das Fracking-Projekt zu stoppen. Seit Oktober 2018 laufen die Maschinen jedoch wieder.

"Ich denke, wir werden die Anlage vorerst ausgeschaltet lassen müssen", sagte Peter Styles von der englischen Keele University nun der BBC. Er hatte die britische Regierung vorab zum Thema beraten. Da die Technologie in Großbritannien noch nicht lange im Einsatz sei, gebe es keine gute Datengrundlage, um die Risiken weiterer Beben abzuschätzen.

Ben Edwards von der University of Liverpool weist darauf hin, dass die Beben keine größeren Schäden an der Infrastruktur angerichtet haben dürften. Dass die Erschütterungen von Mal zu Mal stärker wurden, sei allerdings Grund zur Sorge. Behörden würden nun sicherstellen wollen, dass sie nicht noch heftiger werden.

In Deutschland ist Fracking zu kommerziellen Zwecken verboten. Auch hierzulande gab es jedoch immer wieder den Vorschlag, die Technik einzusetzen.

jme

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