Wegen Erdbebengefahr Großbritannien stoppt Fracking

Es ist eine 180-Grad-Wende der britischen Regierung: Sie hat die umstrittene Technik zur Erdgasförderung mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Grund für das Fracking-Moratorium ist eine Serie von Erdbeben.

Fracking-Bohrung in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire: Nach einem Erdbeben im August wurde die umstrittene Technik dort ausgesetzt
Oli SCARFF/ AFP

Fracking-Bohrung in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire: Nach einem Erdbeben im August wurde die umstrittene Technik dort ausgesetzt


Die britische Regierung hat die umstrittene Öl- und Gasfördertechnik Fracking im Land gestoppt. Sie kündigte am Samstag ein Moratorium an und begründete dies mit dem Risiko von Erdbeben.

Energieministerin Andrea Leadsom erklärte am Samstag, sie habe auf Grundlage eines Berichts der für die Öl- und Gasförderung zuständigen Aufsichtsbehörde OGA ein Fracking-Moratorium für Großbritannien verfügt. Die OGA hatte die seismischen Aktivitäten in der Nähe eines Fracking-Gebiets in Blackpool in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire untersucht.

"Nach der Prüfung des OGA-Berichts (...) ist klar, dass wir weitere inakzeptable Konsequenzen für die örtliche Bevölkerung nicht ausschließen können", sagte Leadsom. Das Fracking-Moratorium gelte mit sofortiger Wirkung. Solange es "keine neuen überzeugenden Beweise" für die Unbedenklichkeit von Fracking gebe, werde die britische Regierung keine neuen Fracking-Projekte bewilligen.

Bei der Fördertechnik wird Öl oder Gas mit Hilfe von Wasser und Chemikalien aus Gesteinsschichten gepresst. Bislang hatte die Regierung von Premierminister Boris Johnson Fracking in der Hoffnung gefördert, die Abhängigkeit von Erdgas-Importen insbesondere aus Norwegen und Katar zu verringern. Laut dem "Guardian" hatte Johnson Fracking einst als "herrliche Nachricht für die Menschheit" bezeichnet.

Nach einem deutlichen Erdbeben im August wurde die einzige noch laufende Fracking-Bohrung bei der Preston New Road in Blackpool von dem verantwortlichen Unternehmen Cuadrilla ausgesetzt. Das dortige Gasvorkommen umfasst nach Schätzungen des British Geological Survey bis zu 90 Billionen Kubikmeter und könnte damit Großbritanniens Gas-Bedarf der nächsten mehr als tausend Jahre decken.

Die Fördermethode stößt nicht nur bei Umweltschützern, sondern auch bei den Bewohnern in der Umgebung von Fördergebieten auf Kritik. In einem Bericht zu den Staatsausgaben wurde jüngst bemängelt, dass Fracking-Projekte hohe Kosten für die örtlichen Behörden verursachen, weil sie eine Reihe von Protesten mitsamt Verkehrsblockaden nach sich zögen und die Bohrungsstätten von der Polizei geschützt werden müssten.

Fracking war in Großbritannien erst im vergangenen Jahr wieder aufgenommen worden. Zuvor hatte es bereits ein siebenjähriges Moratorium gegeben. Im Land hat gerade der Wahlkampf begonnen: Am 12. Dezember wählen die Briten ein neues Parlament.

In Deutschland ist Fracking zu kommerziellen Zwecken verboten. Auch hierzulande gab es jedoch immer wieder den Vorschlag, die Technik einzusetzen.

aar/AFP/Reuters



insgesamt 87 Beiträge
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cph4 02.11.2019
1.
oder wieder ein beispiel ,das. es die Nachbarländer besser daruf haben als wir. Deutsche Politiker sollten mal Nachrichten lesen oder gucken damit wissen wie es geht.sollte hier auch verboten werden die verseuchen doch trinkwasser,es reicht doch das zu viel Nitrat drin ist.hier wird sich nix ändern egal bei welchen Thema kücken schr,glyso,steuerverschwendung,rente , ach die liste lang.
Kraftsuppe 02.11.2019
2. Vor der Wahl
Vor der Wahl ist das nicht so gut, aber nachher besteht kein Hinderungsgrund, nicht weiterzumachen. Die Bevölkerung ist das gewohnt, dass die Regierung in London keinen Wert auf ihr Wohlergehen legt, sondern eher dogmatischen Attitüden anhängt.
danduin 02.11.2019
3. Fracking verursacht so viele Probleme, da
Fracking verursacht so viele Probleme, da weiß man gar nicht wo man anfangen soll. Die Nachteile auf Jahrhunderte hin sind einfach zu groß, für eine zukünftig nachhaltig lebende Gesellschaft.
spon_5112961 02.11.2019
4. Schlecht für Bojo...
gut für die Umwelt. Mal schauen was noch so nicht klappt... Fracking in Deutschland als "Vorschläge" zu titulieren ist - mit Verlaub - und in Gewissheit, wer sowas vorantreibt, ein sehr infantiles Wort.
upalatus 02.11.2019
5.
Diese Minierdbeben sind für den Menschen nicht spürbar. Viel interessanter ist, dass für die Rentabilität der englischen Frackinggasfelder etliche tausende Bohrstellen geschaffen werden müssen. D.h., das Verpressen von Unmengen Lösechemikalien wird großflächig geschehen, und wer bitte wollte mit dem Risiko leben, von dem Zeug als auch Begleiterscheinungen was im Grundwasser zu haben. Auch wäre es ein weiteres starkes Indiz dafür, dass sich der profitorientierte Mensch sich was um sein Hauptgrundnahrungsmittel was scheixxt. Dass Johnson mit dem Moratorium sein Volk vorbildlich schützt, wird in seinem Wahlkampf nicht unerwähnt bleiben.
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