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02. Oktober 2013, 15:00 Uhr

Grubenunglück in Thüringen

Gewaltige Detonationswelle verbreitete tödliches Gas

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Beim Grubenunglück in Thüringen mit drei Toten ist eine enorme Menge Kohlendioxid ausgetreten. Nun rätseln Experten: Hatten die Männer nicht mehr genug Zeit, ihre Schutzmasken aufzusetzen?

Am Tag nach dem schweren Grubenunglück im thüringischen Unterbreizbach suchen Experten nach dem Grund für den Unfall. Feststeht, dass ein massiver Kohlendioxidaustritt für den Tod der drei Bergleute verantwortlich war. Aber warum ist es dazu gekommen?

Bis auf weiteres ruhe die Arbeit in der Kaligrube, sagt Michael Wudonig, Sprecher des Kali- und Steinsalzproduzenten K+S. "Die Frühschicht ist am Morgen nicht eingefahren und wurde freigestellt." Staatsanwaltschaft und Bergamt ermitteln vor Ort.

Am Dienstag gegen 13 Uhr hatte eine Routinesprengung im Kalibergwerk Unterbreizbach eine so außergewöhnlich große Menge an Kohlendioxid freigesetzt, dass eine Druckwelle kilometerweit durch die Grube rollte und mit ihrer Kraft auch die normalerweise CO2-freien Bereiche überrollte. "Eine solche Druckwelle hatten wir zuletzt in den fünfziger Jahren", sagte Wudonig.

Normalerweise werden in Unterbreizbach dreimal am Tag tonnenschwere Brocken Rohsalz in 900 Metern Tiefe aus dem Untergrund gesprengt. Immer zum Schichtwechsel, denn dann befindet sich kein Arbeiter in der Grube. Über Tage ist höchstens ein Grummeln zu vernehmen. Nach der Sprengung fährt ein Vorauskommando den Schacht hinunter. Die Männer überprüfen den Verlauf der Sprengung und testen den Kohlendioxidgehalt der Luft - genau das hatten die Männer, die sich am Dienstag in der Grube aufhielten, auch getan.

Schutzmasken zu spät eingesetzt

"Die Kontrolle ist wichtig, denn in der Region, in der das Bergwerk liegt, hat sich in Millionen von Jahren Kohlendioxid eingeschlossen", sagte Wudonig. Die Bergarbeiter halten sich in dieser Zeit in den kohlendioxidfreien Bereichen auf. Die gebe es unter Tage, weil das Kohlendioxid aufgrund seines Strömungsverhaltens nicht jede Stelle in der Grube erreicht.

Die Arbeiter tragen sogenannte Sauerstoffselbstretter bei sich. Die kleinen Geräte werden übergezogen, wenn der Sauerstoffgehalt in der Luft zu gering ist. "Wenn die Bergleute ein solches Gerät tragen, haben sie für 50 Minuten Atemluft und können entweder zum Wetterschacht laufen, wo es Frischluft gibt, oder in eine Schutzkammer", sagt Reinhard Schmidt, Honorarprofessor für Sicherheitstechnik im Bergbau an der TU Bergakademie Freiberg. Allerdings würden die Bergarbeiter die Masken nur im Ernstfall überziehen. "Einmal aktiviert muss man die Geräte auch benutzen, und eine Reaktivierung kostet viel Geld", sagte Schmidt.

Wo sich die sieben Männer aus dem Vortrupp zu dieser Zeit aufhielten, wird derzeit ermittelt. Feststehe, so K+S-Sprecher Wudonig, dass sie sich in 700 Metern Tiefe aufhielten und nach der Freisetzung des Gases eingeschlossen waren. Vier Männer konnten sich vor dem Gas in den Schutzraum retten und über Tage gelangen, für drei Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren kam jede Hilfe zu spät. Auch oberhalb des Bergwerks war der Gasausbruch zu spüren.

Bei der Gasexplosion in Unterbreizbach handelt es sich wahrscheinlich um das schwerste Grubenunglück seit 1989 in Deutschland. Die Region im Südwesten Thüringens nahe der Landesgrenze zu Hessen ist seit Jahrzehnten vom Kalibergbau geprägt.

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