Projekt "Hifire" Erfolgreicher Test für Überschalltriebwerk

Wann können Reisende wieder mit Überschallgeschwindigkeit fliegen? Das dürfte noch lange dauern - aber ein internationales Konsortium meldet jetzt einen wichtigen technologischen Schritt in diese Richtung.

AFP / ADF / CPL Bill Solomou

Seit rund 13 Jahren steht sie am Boden: die britisch-französische Concorde, der vorerst letzte Überschall-Passagierjet der Welt. Sicherheitsdiskussionen und betriebswirtschaftliche Probleme führten zum Ende des Programms. Auch in der Sowjetunion hatte es mit der Tupolew Tu-144 einst ein ähnliches Flugzeug gegeben. Es flog allerdings nur wenige Jahre.

Seit dem ist das Konzept aber immer wieder ins Gespräch gebracht worden. Vom britischen Milliardär Richard Branson, von der Nasa und von Airbus. Auch das US-Unternehmen Spike Aerospace arbeitet an einem Business-Jet, der Passagiere mit Überschallgeschwindigkeit befördern kann. Sogar einen Vorstoß, die alte Concorde wieder auf die Runway zu bringen gibt es. Dass sich auch das Militär für Hyperschall-Technologie interessiert, versteht sich von selbst.

Eine zivil-militärische Kooperation ist es jetzt auch, die einen kleinen technologischen Schritt auf dem langen Weg zurück zum Überschallflug für Passagiere vermeldet. Es geht um eine Versuchsrakete, die gerade vom südaustralischen Testgelände von Woomera gestartet ist. Das Geschoss gehört zu einem Forschungsprogramm namens "Hifire". Dabei werden sogenannte Staustrahltriebwerke (Scramjets) getestet, die einst für Überschallflugzeuge eingesetzt werden könnten.

"Wegweisende Technologie"

Die Testrakete habe eine Höhe von 278 Kilometern und eine Geschwindigkeit von Mach 7,5 erreicht, teilte das australische Verteidigungsministerium mit. Es handele sich um eine "wegweisende Technologie", die die weltweite Luftfahrt "revolutionieren könnte", lässt das Militär seinen Chefwissenschaftler Alex Zelinsky jubeln.

Der Scramjetantrieb wird üblicherweise für einige Sekunden gestartet, wenn die eingesetzte Höhenforschungsrakete auf ihrer suborbitalen Bahn wieder in die Erdatmosphäre eintritt. Der Antrieb ist ein Verbrennungsmotor, der Sauerstoff aus der Atmosphäre für den Treibstoff nutzt, was ihn leichter und schneller als herkömmliche Raketen macht, wie Michael Smart von der Universität von Queensland erklärte. In der Praxis bedeute dies, dass lange Entfernungen auf der Erde "sehr, sehr schnell" zurückgelegt werden könnten, aber auch "dass er sehr nützlich als Alternative zu einer Rakete ist, um Satelliten ins Weltall zu bringen", so Smart.

Am "Hifire"-Programm sind auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der US-Luftfahrtkonzern Boeing beteiligt. Der nächste Test ist für 2017 vorgesehen. Die insgesamt zehnteilige Testreihe startete im Jahr 2009 und soll 2018 abgeschlossen sein. Bis zum Einsatz der Technologie in einem Passagierflugzeug wird dann aber noch viel Zeit vergehen.

chs/AFP



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jj2005 18.05.2016
1. Mogelpackung
Der Witz liegt in dem kryptischen Satz "Der Scramjetantrieb wird üblicherweise für einige Sekunden gestartet, wenn die eingesetzte Höhenforschungsrakete auf ihrer suborbitalen Bahn wieder in die Erdatmosphäre eintritt.". Die Rakete wird mit konventionellem Antrieb in eine suborbitale Bahn geschossen, und beim Wiedereintritt fällt sie mit sehr hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre. Dann, und nur dann, zündet der Scramjet. Was das mit Passagiertransport à la Concorde zu tun hat, steht sicher blumig formuliert im Forschungsantrag. Davon abgesehen ist der Spritverbrauch einer Concorde, egal mit welchem Antrieb, jenseits von Gut und Böse. Die Handvoll "VIPs", die das zu brauchen glauben, sollten bitteschön nicht den Steuerzahler um Zuschüsse anhauen, und ggf. mal über die Möglichkeit nachdenken, sich in New York oder Peking bei den ach so wichtigen Verhandlungen von einem lebensechten Robot vertreten zu lassen. Was mit Skype geht, lässt sich sicher noch verfeinern. Man denke an Stirnrunzelerkennungssensoren usw, weit intelligenter als Menschen mit Überschallgeschwindigkeit zu transportieren. Übrigens auch bequemer und stressärmer als Fliegen ;-)
hador2 18.05.2016
2. Kraut und Rüben
In diesem Artikel geht es doch arg durcheinander...Scramjet und die Concorde haben so erstmal nichts miteinander zu tun. Auch die Versuche wieder zivile Überschallflugzeuge zu bauen sind von der militärischen Nutzung des Scramjets unabhängig. Das man das für Forschungsanträge zusammen schmeißt ok, auch dass das dann in einer Pressemitteilung verwurstet wird ist normal , aber von SPON und deb zugehörigen Journalisten erwarte ich mehr als nur ein sinnfreies kopieren derselben...
wahrsager26 18.05.2016
3. An hador 2. Nr3
Werter Forist,Sie haben recht.Ich habe mich an das Unwissen nicht gewöhnt,aber ich erwarte nichts anderes.Wenn Sie Luftfahrt interessiert:SPON hat wohlweislich den LilienthalArtikel gar nicht freigeschaltet.....lesen Sie bitte die Begründungen warum an seinem Gleiter geforscht wird.Ich habe bereits mit Bekannten in Oberschleissheim gesprochen.....kann sich auch keinen Reim machen,warum es jetzt wichtig ist,an seinem Segelflugapparat zu forschen.Dafür können die Journalisten nichts-zeigt aber die Probleme!Bekannte arbeiten in der Restaurierungswerkstattund wissen Bescheid!Danke
gwyar 18.05.2016
4. Abgesehen von dem Unsinn
den Scramjet-Antrieb mit Überschall-Zivilluftfahrt in einen Topf zu schmeißen, halte ich es ebenso für unangebracht, diese mit dem Verweis auf die (nach heutigen Maßstäben) Ineffizienz der Concorde für Unsinn zu erklären. In den vergangenen 50 Jahren hat sich doch einiges in der Entwicklung herkömmlicher Triebwerke, als auch dem Design der Flugzeuge getan, so dass eine "Neuauflage" einer Concorde doch erheblich effizienter im Betrieb sein dürfte. Selbstverständlich lassen sich die Gesetze der Physik nicht aushebeln und der Verbrauch wäre mutmaßlich erheblich höher als bei einem Unterschall-Flugzeug, dennoch halte ich den Verweis auf den Durst eines 50 Jahre alten Fliegers für dreist.
C. Goldbeck 18.05.2016
5.
Der Hyperschallantrieb ist extrem kostspielig. Dennoch ist das Millitär sehr interessiert daran, als Trägersystem für Offensivwaffen - idealerweise für Nuklearwaffen, wo extrem hohen Kosten durch maximale Zerstörungskraft kompensiert werden. Bei konventionellen Waffen geht eher der Trend hin zu Kostenreduzierung durch Automatisierung, wie bei der Kriegsführung mit Drohnen. Hyperschallantrieb macht dort weniger Sinn. Mit Hyperschall transportierte Nuklearwaffen können Gegner quasi ohne Vorwarnung angegriffen und mit einem konzertierten Schlag vernichtet werden. Zusätzlich zu solch einem Transportsystem noch ein effizienten Raketenabwehrschild und die Chance zu einem effektiven Gegenschlag des Gegners, selbst wenn es sich um eln militärischen Koloss handelt, würden wohl drastisch reduziert. Dadurch können sich die Verhältnisse der atomaren Abschreckung signifikant verschieben und somit auch die Druckmittel auf den Gegner. Insofern hat der Hyperschallantrieb vermutlich das militärisch-politische Potential der Kanonenboote des 19. Jahrhunderts und der Flugzeugträger des 20. Jahrhunderts.
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