Unglück in Indonesien Ermittler machen Boeing für 737-Max-Absturz verantwortlich

Nach dem Absturz von zwei Boeing 737 Max tauchen immer wieder Details auf, die den US-Flugzeugbauer belasten. Der Abschlussbericht des Unglücks sieht die Schuld in einem Konstruktionsfehler.
Boeing-737-Max-Maschinen auf einem Flugplatz in Seattle, Washington

Boeing-737-Max-Maschinen auf einem Flugplatz in Seattle, Washington

Foto: Gary He/ REUTERS

Vor etwa einem Jahr starben in Indonesien 189 Menschen bei einem Absturz einer Boeing 737 Max. Laut einem aktuellen Bericht der Ermittler liegt die Unglücksursache in einem Konstruktionsfehler des Flugzeugtyps. Das haben die Behörde den Familien der Opfer am Mittwoch in Indonesiens Hauptstadt Jakarta noch vor der offiziellen Veröffentlichung des Abschlussberichts mitgeteilt.

Eine weitere Ursache für das Unglück sehen die Ermittler im Betrieb: Boeing habe der Mannschaft nur unzureichende Informationen über die Bedienung der Systeme gegeben, sodass die Mannschaft im Katastrophenfall nicht richtig reagieren konnte. Bei dem Absturz der Maschine des Billigfliegers Lion Air kurz nach dem Start in Jakarta am 29. Oktober 2018 kamen alle 189 Insassen ums Leben.

In der Kritik steht insbesondere das Steuerungsprogramm Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS), das von Boeing eigens für die 737 Max entwickelt wurde. Die Piloten können das System mittels zweier Schalter im Cockpit wieder abstellen, was aber offensichtlich nicht geschah. Offenbar lieferte ein außen angebrachter Sensor falsche Daten. Die Piloten hatten immer wieder versucht, die Maschine nach oben zu ziehen - ohne Erfolg.

In dem Bericht soll es dazu heißen: "Auf der Grundlage von falschen Annahmen über die Reaktion der Piloten und eine unvollständige Überprüfung der damit verbundenen Auswirkungen mehrerer Flugfehler wurde die Abhängigkeit von MCAS von einem einzigen Sensor als angemessen erachtet." Dass hier von dem sonst üblichen Prinzip der Redundanz abgewichen wurde, habe MCAS fehleranfällig gemacht, so die Ermittler.

Erst kürzlich hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA wegen angeblicher Versäumnisse bei der Zulassung der 737 Max Vorwürfe gegen Boeing erhoben. Der Flugzeughersteller habe ein Dokument, in dem sich ein technischer Leiter negativ über die Flugeigenschaften der 737 Max geäußert hatte, schon vor Monaten aufgetrieben, dem Verkehrsministerium jedoch erst am späten Donnerstag vorgelegt.

Demnach soll sich der technische Chefpilot Mark Forkner bereits vor Jahren nach Testflügen in einem Flugsimulator über die schlechten Flugeigenschaften der 737 Max beschwert haben.

Neben Boeing ist auch die FAA durch die 737-Max-Abstürze in die Kritik geraten. Bei einem weiteren Absturz desselben Flugzeugtyps von Ethiopian Airlines starben im April 157 Menschen. Bei beiden Unglücken kamen insgesamt 346 Menschen ums Leben.

joe/Reuters/dpa
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