Eröffnung neuer Nuklearanlagen Iran treibt Atomprogramm voran

Trotz internationaler Warnungen forciert Iran den Ausbau seiner Nuklearanlagen: Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die Eröffnung zweier Uranminen und einer Uran-Anreicherungsanlage angeordnet. Erst kürzlich waren Atomgespräche mit den Uno-Vetomächten gescheitert.

AP/ Iranian Presidents Office

Teheran - Iran hat nach Berichten des Staatsfernsehens ein neues Zentrum zur Uranproduktion sowie zwei Uranminen eingeweiht. Die Minen befänden sich in rund hundert Kilometer Entfernung zu dem neuen Produktionszentrum, berichtete das iranische Staatsfernsehen am Dienstag.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters liegen die Minen Saghand 1 und 2 in der Provinz Jasd und sollen Uran aus einer Tiefe von 350 Metern fördern. Unter der Provinz erstreckt sich eine große Uranerz-Lagerstätte. Die Produktionsanlage Schahid Resajinedschad steht in der Stadt Ardakan. Der Komplex habe eine jährliche Produktionskapazität von 60 Tonnen konzentriertem Uranoxid, sogenanntem Yellowcake.

Mit der Eröffnung werde der Nationale Tag der Atomtechnologie gefeiert, berichtete Irans Nachrichtenagentur Inra.

Die Eröffnung erfolgte kurz nach dem Scheitern der jüngsten Atomgespräche mit der internationalen Gemeinschaft. Das Treffen der fünf Uno-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland mit Iran war am Samstag in der kasachischen Großstadt Almaty ohne Annäherung zu Ende gegangen.

"Die Iraner reden und lachen sich zu einer Bombe, während sie Uran anreichern", sagte Israels Strategieminister Juwal Steinitz angesichts der Verhandlungen im israelischen Armeerundfunk.

Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie ein Atomwaffenprogramm zu betreiben. Teheran weist das zurück und beharrt auf der Position, Uran nur für zivile Zwecke anzureichern.

Weder die Mine noch die Uran-Umwandlung sind für den Iran ein großer technischer Durchbruch, weil es auch in anderen Teilen Irans Minen und in Isfahan eine sehr große Konversionsanlage gibt. Für Aufmerksamkeit sorgt jedoch der Zeitpunkt der Verkündung so kurz nach den gescheiterten Verhandlungen von Almaty.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien wollte das iranische Vorgehen nicht kommentieren. Nach einer ersten Einschätzung seien die neuen Anlagen aber nicht meldepflichtig, weil sie nur für Vorstufen zur eigentlichen Uran-Anreicherung gedacht seien, hieß es aus diplomatischen Kreisen in Wien. Nach geltenden Verträgen müsse der Iran die Atomwächter erst alarmieren, wenn er eine neue Anlage zur Urananreicherung plane.

wbr/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 103 Beiträge
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pflegeroboter 09.04.2013
1. Und in dieser Welt muss man nun leben ...
Zitat von sysopAP/ Iranian Presidents OfficeTrotz internationaler Warnungen forciert Iran den Ausbau seiner Nuklear-Anlagen: Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die Eröffnung zweier Uran-Minen und einer Uran-Anreicherungsanlage angeordnet. Erst kürzlich waren Atomgespräche mit den Uno-Vetomächten gescheitert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/iran-oeffnet-neues-zentrum-zur-uranproduktion-a-893277.html
Und in dieser Welt muss man nun leben. Deutschland zappelt sich in einer "Energiewende" und "Endlagersuche" ab, während anderswo Kernkraft bzw. der Verzicht darauf nicht mal ansatzweise verhandelbar ist. Fazit, Kernkraft ist fester Bestandteil dieser Welt und die Deutschen brauchen dringend einen neuen Planeten, wenn sie dem entgehen wollen.
dēmosthénēs 09.04.2013
2. Wäre ja auch
scön blod auf das Atomprogramm zu verzichten. Nord korea demonstriert ja sehr gut was man sich erlauben kann wenn man die bombe besitzt.
angnaria 09.04.2013
3. wenn
der Spiegel über jeden Ausbau einer Atomanlage weltweit berichten würde, dann hätte nichts anderes mehr Platz auf dieser Seite....und zu jeder Meldung ausschließlich einen Vertreter des offiziellen Israels zu zitieren hat mit Qualitätsjournalismus so viel zu tun wie der HSV mit Qualitätsfußball.
bergischerjung007 09.04.2013
4.
Erst die Nordkoreaner, jetzt die Iraner (in der Presse) – wenn ich es besser wüsste, würde ich auf typische Panikmache tippen. Allerdings finde ich es besorgniserregend, das die Bad Guys immer noch mit den tödlichsten Waffen herumfuchteln, als wenn es ein Straus Blumen wäre...
Bedie 09.04.2013
5. Iran
Ich verstehe die Hysterie wegen der atomaren Bedrohung nicht ganz. Mittlerweile gibt es bestimmt genügend konventionelle Waffen, welche ein Land in der Größe von Deutschland oder sonstigen Ländern in kurzer Zeit in Schutt und Asche legen können. Wie der Iran hiermit bestückt ist, weiß ich nicht. Es besteht aber die Vermutung, dass in der Richtung genug getan wurde.
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