Gefloppter Satellitenstart Irans Weltraumprogramm muss weiteren Rückschlag hinnehmen

Seit 2009 versuchen die Iraner, Satelliten ins All zu schießen und dem Westen Paroli zu bieten. Keine andere Raumfahrtnation der Welt hat so viel Pech. Gerüchte über Sabotage durch andere Staaten machen die Runde.
"Simorgh"-Rakete vor dem Start: Manche Experten argwöhnen, das iranische Weltraumprogramm diene auch militärischen Zwecken

"Simorgh"-Rakete vor dem Start: Manche Experten argwöhnen, das iranische Weltraumprogramm diene auch militärischen Zwecken

Foto: -/ AFP

Es sollte eine Machtdemonstration werden. Wenige Tage vor dem Jahrestag der Islamischen Revolution wollte die iranische Führung der Welt zeigen, was das Land technologisch zu leisten imstande ist. Eigentlich sollte am Sonntagnachmittag deutscher Zeit die 27 Meter hohe "Simorgh"-Rakete vom Imam Khomeini Space Center in der iranischen Provinz Semnan ins Weltall starten. An Bord: der mehr als hundert Kilogramm schwere Erdbeobachtungssatellit "Zafar-1". Er hätte, einmal im All ausgesetzt, 18 Monate lang Fotos machen und Botschaften zum Boden senden sollen.

Doch dann gab es offenbar Probleme mit der dritten Stufe der Rakete. Diese verlor an Geschwindigkeit, der Satellit stürzte zur Erde zurück und zerschellte. Es war eine Pleite für Irans Raumfahrtprogramm. Wieder einmal.

Teherans Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie, Mohammad-Javad Azari Jahromi, twitterte zwar eilig, in der Wissenschaft passierten nun mal Fehler. Dann listete er all die US-Raketen auf, mit denen es in der Vergangenheit ebenfalls Probleme gegeben hatte. Haben die Iraner also einfach Pech?

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Nach einigen erfolgreichen Satellitenstarts, der erste hieß "Omid" und flog im Februar 2009 ins All, sah die Bilanz der iranischen Weltraumaktivitäten zuletzt jedenfalls düster aus. Seit "Fajr" im Februar 2015 hat kein Satellit des Landes die Erdumlaufbahn erreicht. Die "Simorgh"-Rakete, die iranische Satelliten ins All befördern soll, hat es zumindest noch nie in den Erdorbit geschafft. Zuletzt waren im vergangenen Jahr gleich drei geplante Missionen der Iraner missglückt.

Angeblich fehlerhafte Teile eingeschleust

Besonders spektakulär war ein Fall aus dem August 2019. Damals explodierte eine Rakete noch auf der Startrampe im Khomeini Space Center. Als US-Präsident Donald Trump sich auf Twitter dazu äußerte, lieferte er Experten zufolge einen unbeabsichtigten Hinweis auf die Fähigkeiten der US-Spionagesatelliten. Das von Trump gepostete Bild zeigte die Anlage nämlich in großer Detailtiefe und belegte auf diese Weise, wie gut die Amerikaner jeden Flecken der Welt in den Blick nehmen können. Gleichzeitig beteuerte Trump, man habe mit der Explosion der Rakete nichts zu tun.

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An solchen Beteuerungen allerdings gibt es Zweifel. Ausgerechnet am Tag vor dem nun fehlgeschlagenen Satellitenstart beklagte die iranische Regierung einen großflächigen Cyberangriff  auf das Land. Ein Sprecher des betroffenen Telekommunikationsunternehmens erklärte zwar, man habe keine Anzeichen dafür, dass ein anderer Staat dahinter stecke. Doch immer wieder gibt es Hinweise auf eine mögliche US-Einmischung: Im vergangenen Februar berichtete die "New York Times" von einem langjährigen Programm  der US-Regierung, mit dem das iranische Weltraumprogramm gezielt sabotiert werden sollte.

Demnach seien bewusst fehlerhafte Teile in die Lieferketten der iranischen Luft- und Raumfahrtindustrie eingeschleust worden. Das Projekt habe unter Präsident George W. Bush begonnen, sei zeitweilig nur noch auf Sparflamme gelaufen, im Jahr 2017 aber wieder reaktiviert worden. Die Zeitung erklärte, ein halbes Dutzend ungenannter Quellen in der US-Regierung habe die Existenz des Programms bestätigt.

Verdächtig hohe Ausfallquote

Hintergrund ist der immer wieder von den USA und anderen westlichen Experten geäußerte Vorwurf, Iran nutze sein vorgeblich ziviles Raumfahrtprogramm, um Technik für ballistische Raketen zu entwickeln, die eines Tages auch Atomsprengköpfe tragen könnten. Das wäre nach den Resolutionen des Uno-Sicherheitsrates nicht zulässig. Teheran hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen.

Inwieweit die Amerikaner tatsächlich Teile ins iranische Raketenprogramm einschleusen können, ist für Außenstehende schwer einzuschätzen. Das Land verwendet bisher zwei Raketentypen: die auch am Sonntag genutzte "Simorgh" für schwerere Satelliten und die "Safir" für leichtere Nutzlasten. Beide sollen auf nordkoreanischer und russischer Technik aufbauen. Es ist unklar, inwieweit US-Geheimdienste tatsächlich über Detailwissen zur Konstruktion dieser Raketen verfügen und entsprechend fehlerhafte Teile in die Lieferketten einschleusen können.

Bislang also gibt es kaum belastbare Beweise, die eine gezielte Sabotage des iranischen Programms belegen würde. Gleichzeitig rechnete die "New York Times" im vergangenen Februar vor, dass insgesamt zwei Drittel der iranischen Weltraummissionen gefloppt seien. Die Ausfallquote bei den Missionen anderer Länder lag im internationalen Vergleich hingegen lediglich bei fünf Prozent.

Iran hat angekündigt, sich auch von dem aktuellen Fehlschlag nicht abschrecken zu lassen. Vom "Zafar"-Satelliten habe man vorsorglich gleich noch ein Exemplar gebaut, das soll nun bis zum Sommer  ins All geschossen werden. Auch vier weitere Starts von Satelliten sind für 2020 geplant.

chs

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