Island Weltweit größte Anlage zur CO₂-Speicherung geht in Betrieb

4000 Tonnen CO₂ pro Jahr: So viel klimaschädliches Kohlendioxid saugt eine neue Anlage in Island aus der Luft. Anschließend wird das Gas tief unter der Erde zu Stein – und soll dort für immer bleiben.
CO₂-Kescher für die Luft: Anlage von Climeworks in der Schweiz

CO₂-Kescher für die Luft: Anlage von Climeworks in der Schweiz

Foto: Walter Bieri / KEYSTONE / picture alliance / dpa

In Island ist die weltweit größte Anlage zur Speicherung von Kohlendioxid aus der Luft in Betrieb gegangen. Wie die Betreiber mitteilten, wird sie nach 15-monatiger Bauzeit nun klimaschädliches CO₂ aus der Luft filtern und in der Erde speichern. Und so dazu beitragen, den CO₂-Gehalt der Atmosphäre zu reduzieren.

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Errichtet wurde Orca, so der Name, neben einem Erdwärmekraftwerk auf der Hochebene Hellisheiði im Südwesten Islands. Dort hatten die beiden Unternehmen, die Schweizer Firma Climeworks und die isländische Carbfix zuvor bereits eine Pilotanlage betrieben. Bei Vollauslastung soll die Anlage jedes Jahr rund 4000 Tonnen Kohlendioxid aus der Luft ziehen. Das entspricht den Emissionen von etwa 870 Autos. Die Kosten für die Technik liegen zwischen zehn und 15 Millionen US-Dollar, berichtet Bloomberg .

Die technischen Geräte von Orca, das nach dem isländischen Wort für Energie benannt wurde, sehen ein wenig aus wie eine überdimensionierte Klimaanlage. Sie besteht aus vier Einheiten, die wie Schiffscontainer aussehen und mit großen Lamellen versehen sind. An der Technik haben die Wissenschaftler der Unternehmen jahrelang geforscht, auch an anderen Standorten wie der Schweiz: Ventilatoren saugen die Luft ins Innere der Boxen. Dort wird das CO₂ herausgefiltert und in einem Kollektor gesammelt. Wenn die Kollektoren von der Außenluft getrennt sind, wird das Gas durch eine Erhöhung der Temperatur wieder freigesetzt und in Wasser gelöst.

Zur Speicherung des Gases pumpen die Forscher das Wasser bis zu 1000 Meter tief in die Erde. Hier lagert poröses Gestein, das Mineralien wie Magnesium, Kalzium und Eisen enthält. Durch den Kontakt mit diesen Elementen beginnt das Kohlendioxid praktisch zu versteinern, es entstehen sogenannte Karbonate. Dieser Prozess dauert bis zu zwei Jahre. Der Vorteil des Verfahrens: Unter normalen Bedingungen bleibt das Kohlendioxid für alle Zeiten in dem Stein gespeichert.

Befürworter der Technik argumentieren, dass die Weltgemeinschaft solche Ideen brauchen wird, um im Kampf gegen den Klimawandel eine größere Chance zu haben. Denn sogenannte Direct-Air-Capture-Verfahren (DAC) leisten einen aktiven Beitrag, um das in der Atmosphäre vorhandene Kohlendioxid wieder aus der Luft zu entfernen. Dabei könnten erhebliche Mengen aus der Luft gefiltert werden. Bis 2035 seien etwa drei Gigatonnen pro Jahr realistisch, hatten Forscher in einer Studie errechnet.

Allerdings gibt es auch Kritiker, die argumentieren, dass die bisher vorhandenen Verfahren ineffizient und zu teuer sind. Vor allem der Wasser- und Energiebedarf von manchen DAC-Systemen wird als zu hoch bewertet. Das könnte vor allem dann zum Problem werden, wenn solche Maschinen global viel häufiger eingesetzt würden. Laut Ergebnissen aus dem Jahr 2016 wurden bei dem Verfahren 200 Tonnen CO₂ innerhalb von zwei Jahren in den Boden gepumpt. Dafür wurden 25 Tonnen Wasser pro Tonne CO₂ benötigt.

Die Energie, die in Island für Orca aufgewendet werden muss, stammt dagegen aus dem Geothermiekraftwerk und ist somit aus einer rein erneuerbaren Quelle.

joe
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