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"Iter": Milliardenschweres Großprojekt

Foto: Agence ITER France

"Iter"-Projekt Bundesregierung spart für Kernfusionsreaktor

Der Forschungsreaktor "Iter" soll helfen, die Stromversorgung der Zukunft zu sichern - doch das Projekt ist ambitioniert und sehr teuer.  Nach SPIEGEL-Informationen plant die Bundesregierung Einschnitte bei anderen europäischen Wissenschaftsprojekten, damit genug Geld für den "Iter"-Bau bleibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - In Südfrankreich soll eines der ehrgeizigsten Forschungsprojekte der Welt anlaufen: der internationale Kernfusionsreaktor "Iter". Doch die Kosten für das Milliarden-Projekt sind deutlich gestiegen. Die Bundesregierung will daher zahlreiche europäische Forschungsprojekte kürzen, um 1,3 Milliarden Euro Mehrkosten für "Iter" aufbringen zu können.

Im Vorbericht des Bundesfinanzministeriums für den EU-Wirtschafts- und Finanzrat am Freitag der kommenden Woche heißt es, die höheren Kosten sollten in erster Linie durch Umschichtungen innerhalb des Haushalts für Wettbewerbsfähigkeit erreicht werden. Das bedeutet, dass Wissenschaftler anderer Forschungsgebiete mit erheblichen Kürzungen rechnen müssen.

Der europäische Anteil der Kosten für den Bau des Fusionsreaktors im südfranzösischen Cadarache hat sich auf mehr als sieben Milliarden Euro erhöht. Europa trägt rund 40 Prozent der Kosten, die übrigen Beteiligten - China, Indien, Japan, Russland, Südkorea und die USA - jeweils neun Prozent. Neben der Raumstation ISS ist "Iter" das teuerste internationale Forschungsprojekt. Die Grünen hatten im Juni gefordert, den Bau des Reaktors zu stoppen.

Die Bundesregierung will das Projekt aber nicht grundsätzlich in Frage stellen. Bis Ende November wollen sich EU-Rat, Kommission und EU-Parlament über die Finanzierung einigen.

Sonnenfeuer auf der Erde

Die Anlage könne zwar nicht vor 2050 Strom produzieren, doch der Anstieg des Energieverbrauchs mache es nötig, die Technologie zu erproben, heißt es im Forschungsministerium.

Im Gegensatz zur in Atomkraftwerken stattfindenden Kernspaltung werden bei der Kernfusion Atomkerne verschmolzen. Im Reaktor sollen die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium kontrolliert zu Helium verschmelzen - und dabei Energie liefern. Der Prozess entspricht im Prinzip dem des Sternenfeuers im Inneren den Sonne.

Gebaut wird der Forschungsreaktor in der Nähe des südfranzösischen Örtchens Saint-Paul-lès-Durance.

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