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Seltene Erden: Mit dem Tiefseeroboter auf Rohstoffsuche

Foto: ? David Becker / Reuters/ REUTERS

Kampfansage an China Tiefseeroboter soll Hightech-Metalle fördern

China verknappt das weltweite Angebot an Seltenen Erden, jetzt kontert Japan: Ein neuer Roboter soll am Meeresboden nach den Hightech-Metallen suchen. Allerdings hält die Volksrepublik dagegen - und droht mit einer weiteren Exportbeschränkung.

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Tokio - Vor kurzem kannten sie nur ein paar -Profis, nun spricht die halbe Welt über die . Das liegt daran, dass diese Metalle (siehe Kasten) für viele Hightech-Produkte wie Handys, Laptops und unersetzlich sind - und an der Angst, dass der Quasi-Monopolist China die Versorgung für den Rest der Welt kappen könnte. Doch womöglich kann das Problem gelöst werden, denn Japan arbeitet an einem spektakulären Vorstoß, um Rohstoffengpässe zu vermeiden. Dazu will das Land einen Tiefseeroboter entwickeln und mit ihm auf die Jagd nach den begehrten Metallen gehen.

Roboter

Rohstoffe

Mit Hilfe eines Pumpsystems sollen die vom geborgenen auf ein Transportschiff gebracht werden. Das berichtet die japanische Tageszeitung "Yomiuri Shimbun". Um die Entwicklung kümmert sich vor allem die Japan Oil, Gas and Metals National Corporation (JOGMEC), die zur japanischen Energiebehörde gehört. Und schon im kommenden Jahr sollen erste Tests beginnen. Der ferngesteuerte und mit Ketten angetriebene Roboter zum Abbau der Erze soll in einer Wassertiefe von bis zu 2000 Metern zum Einsatz kommen. Die Entwicklungskosten gibt die Zeitung mit umgerechnet 275 Millionen Euro an.

Doch selbst wenn die teure und komplizierte Technologie sich tatsächlich als brauchbar herausstellt: Bis zur Marktreife seien etwa zehn Jahre nötig, heißt es in dem Bericht. Immerhin, das Einsatzgebiet scheint bereits klar. So vermuten japanische Forscher unter dem Meeresboden nahe der südjapanischen Inselprovinz Okinawa und der nahe Tokio gelegenen Halbinsel Izu Verkommen von Hochtechnologiemetallen.

Mehr Unabhängigkeit von China

Die Mineralienförderung aus der Tiefsee wird seit Jahrzehnten immer wieder diskutiert, vor allem ging es bei den bisherigen Konzepten um das Metall Mangan. Doch im großtechnischen Maßstab rentiert sich die Förderung bis heute nicht. Nun unternimmt also Japan einen neuen Anlauf. Das Land arbeitet mit Hochdruck daran, sich unabhängiger von Seltenen Erden aus China zu machen.

Global gesehen produziert China 97 Prozent der Seltenen Erden, hat aber seine Exporte stark gedrosselt. Japan bekam zusätzliche Probleme nach einer politischen Krise im vergangenen September. Damals hatte es einen Streit zwischen China und Japan über eine Schiffskollision in einem umstrittenen Seegebiet gegeben. Peking hatte daraufhin die Metallexporte nach Japan ausgesetzt.

Auch in Europa geht derzeit die Angst vor eine Verknappung der wichtigen Metalle um. Deswegen will sich die EU mit einer neuen Rohstoffstrategie wehren. Sie sieht unter anderem ein deutlich besseres Recycling vor. Und die Sorge über die weitere Versorgung mit Seltenen Erden waren auch ein Thema beim Besuch von Chinas Vizepremier Li Keqiang in Berlin. Er wurde am Freitag von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen. Schon am Donnerstag hatte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Exportbeschränkungen kritisiert. Er forderte China auf, den Zugang zu Seltenen Erden nicht zu erschweren und die verhängten Maßnahmen zu überdenken.

Offiziell heißt es Umweltschutz, faktisch ist es eine Exportbeschränkung

Kurzfristige Entspannung auf dem Markt für Seltene Erden ist aber weder durch den japanischen noch durch die europäischen Vorstöße zu erwarten - zumal China den Export unter Umständen weiter beschneiden könnte. Hintergrund sind neue Umweltschutzauflagen für die Förderung der Rohstoffe, die am Freitag vorgestellt wurden. Das Umweltministerium in Peking veröffentlichte einen Entwurf mit schärferen Vorschriften für die Bergbauindustrie. So sollen zum Beispiel striktere Grenzwerte für Abwässer beim Abbau der Hightech-Metalle eingeführt werden. Die neuen Standards sollen von Februar an gelten und dürften die Ausfuhrpreise erhöhen, berichtete die Tageszeitung "China Daily".

Umweltschutz

Der sowie strategische und wirtschaftliche Erwägungen sind nach Angaben des Sektionschefs im Handelsministerium, Chao Ning, die Gründe, warum es sich China nicht mehr leisten könne, die Last der Versorgung für die Welt zu schultern, wie die "China Daily" zitierte. Obwohl die USA 15 Prozent der Weltreserven an Seltenen Erden besäßen, hätten sie die Förderung aus Kostengründen eingestellt und seien fast völlig von Lieferungen aus China abhängig.

China sorgt sich auch darum, dass seine Vorkommen an Seltenen Erden eines Tages erschöpft sein könnten. Es besitzt rund 30 Prozent der Weltreserven. Für dieses Jahr hat das Handelsministerium zunächst eine im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent niedrigere Quote für die erste Runde der Rohstoffexporte beschlossen. Langfristig könnte der Rückgang aber bis zu 35 Prozent ausmachen.

chs/dpa
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