Herstellung von Stahl und Zement Klimafreundliche Baustoffe könnten Millionen Tonnen CO₂ sparen

Eine Klimaschutz-Quote für Stahl und Kunststoff könnte so viel CO₂ einsparen wie der gesamte innerdeutsche Flugverkehr, zeigt eine Analyse. Selbst, wenn sie nur für staatliche Bauprojekte gelten würde.
Baustelle von einem kommunalen Wohnungsbauunternehmen in Hamburg (Archivbild)

Baustelle von einem kommunalen Wohnungsbauunternehmen in Hamburg (Archivbild)

Foto: Daniel Reinhardt / DPA

Bauen und Klimaschutz vertragen sich bisher nicht sonderlich gut. Im Gegenteil: Die Baubranche ist eine der größten Treibhausgasschleudern weltweit. Laut einem Uno-Bericht liegt die Bau- und Gebäudewirtschaft beim Treibhausgasausstoß auf Rekordniveau. Der Sektor macht 38 Prozent der globalen CO₂-Emissionen aus. Das liegt beispielsweise auch an den großen Mengen Kohlendioxid, die bei der Betonherstellung entstehen – der Grundstoff Zement setzt mehr CO₂ frei  als der gesamte globale Flugverkehr.

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Beim Bauen von neuen Gebäuden besteht somit großes Potenzial zum Klimaschutz, zeigt auch eine neue Studie. Laut einer Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln  (IW) könnten jährlich 1,9 Millionen Tonnen CO₂ allein bei der öffentlichen Vergabe von Aufträgen an die Bauwirtschaft eingespart werden. Der Staat ist einer der größten Bauherren in Deutschland. Die potenziellen CO2-Einsparungen entsprechen der Menge an Treibhausgasen, die der innerdeutsche Flugverkehr jedes Jahr verursacht, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet.

Die Berechnung des IW basiert darauf, dass bei den Bauvorhaben 30 Prozent klimaneutral hergestellter Stahl und Kunststoff verwendet werden. Stahl wird in Gebäuden beispielsweise als Trägermaterial eingesetzt und kommt auch in Beton als sogenannte Bewehrung zum Einsatz. Die Stahlindustrie ist die Branche mit dem größten CO₂-Ausstoß in der Industrie. Die Erzeugung und Verarbeitung des Materials macht laut Bundeswirtschaftsministerium etwa sechs Prozent aller deutschen Treibhausgas-Emissionen aus.

Klimafreundliche Beschaffung spielt oft keine Rolle

»Viele Bundesländer haben sich zum Ziel gesetzt, die öffentlichen Verwaltungen klimaneutral zu gestalten«, sagte Thilo Schaefer, Leiter des Kompetenzfelds Umwelt, Energie und Infrastruktur beim IW. Dabei gehe es dann zum Beispiel um den Fuhrpark und die Gebäude. »Eine klimafreundliche, öffentliche Beschaffung kommt dagegen oft gar nicht in den Überlegungen vor, obwohl das mindestens ein genauso großer Hebel ist.«

Die IW-Fachleute setzen vor allem beim Stahl an: Bis 2030 müsste ihren Berechnungen zufolge 30 Prozent des Stahls, der in öffentlichen Aufträgen verbaut wird, klimaneutral hergestellt werden, um das Emissionsziel zu erreichen. Das Gleiche gilt für Kunststoff, der zum Beispiel für Rohre oder Fenster benötigt wird. Eine verbindliche Quote für grünen Stahl und grünen Kunststoff in dieser Höhe würde den Staatshaushalt laut dem Team mit insgesamt 512 Millionen Euro belasten.

Die Studie unterstreicht, dass vor allem staatliche Ausschreibungen zu Bauprojekten auf den Klimaschutz abzielen könnten. Private Investoren wollen in der Regel vor allem Kosten sparen und neue Gebäude schnell und günstig hochziehen.

Zudem steckt die Technik zur Herstellung von klimafreundlichen Baustoffen wie Stahl und Beton in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Die Stahlindustrie arbeitet derzeit an Pilotanlagen, die mit grünem Wasserstoff statt mit Kohle und Koks betrieben werden. Eine Förderung könnte deshalb ein wichtiges Signal sein, dass sich die Investition in solche neuen Techniken lohnt und sie zur Anwendung kommen.

Global gesehen wären solche Bemühungen allerdings nicht mehr als ein Anfang. Gemessen an der Zementproduktion sind es vor allem Länder wie China und Indien, die erhebliche CO₂-Emissionen durch Bautätigkeiten freisetzen.

joe/AFP
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