Klimaschutz Vattenfall stoppt Milliardenprojekt zur CO2-Speicherung

Vattenfall hat den milliardenschweren Bau einer Anlage zur unterirdischen CO2-Speicherung abgesagt. Das Pilot-Kraftwerk sollte verhindern, dass das klimaschädliche Treibhausgas in die Atmosphäre geblasen wird. Doch die Hängepartie um das entsprechende Gesetz ließ das Projekt scheitern.
Braunkohle-Tagebau in Jänschwalde: Stopp für Bau eines Pilot-CCS-Kraftwerks

Braunkohle-Tagebau in Jänschwalde: Stopp für Bau eines Pilot-CCS-Kraftwerks

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Cottbus - In der Theorie ist es eine denkbar einfache Technologie: Anstatt das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) aus Abgasen von Industrieanlagen und Kohlekraftwerken in die Atmosphäre zu blasen, wird es abgetrennt - und anschließend für Jahrtausende sicher im Boden verwahrt. Die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) soll verhindern, dass sich die Atmosphäre weiter aufheizt.

In der Praxis hapert es bei den Plänen zur CO2-Speicherung aber an allen Ecken und Kanten. Jetzt hat der schwedische Energieriese Vattenfall seine Pläne für das erste deutsche Milliardenprojekt zur unterirdischen CO2-Speicherung abgesagt. Als Grund nannte Vattenfall die fortwährende Hängepartie um das deutsche CCS-Gesetz: Der Bundesrat hatte jüngst einen Gesetzvorstoß der Bundesregierung abgelehnt, wonach die Technologie zunächst in ehemaligen Gasspeichern gelagert werden sollte.

Vattenfall erprobt die Technik bereits seit September 2008 in einem Pilotprojekt am brandenburgischen Industriestandort Schwarze Pumpe. In der für 70 Millionen Euro errichteten 30-Megawatt-Anlage wird CO2 durch den sogenannten Oxyfuel-Prozess nach Vattenfall-Angaben zu rund 90 Prozent abgeschieden und verflüssigt. Seit Mai wird mit einer neuartigen Technik versucht, einen noch höheren Wirkungsgrad zu erreichen. Den Testbetrieb der Pilotanlage will Vattenfall nach Angaben vom Montag auch künftig fortsetzen.

Als weiteren Schritt wollte der Energieriese die Technik nun in Jänschwalde nach eigenen Angaben "in nennenswerter Kraftwerksgröße" testen. Geplant waren Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Die Anlage sollte bis 2016 Betrieb gehen und 300 Megawatt Strom produzieren. Dort sollten jährlich 1,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid abgetrennt und dann unterirdisch gespeichert werden. Doch dem Konzern fehlt der rechtliche Rahmen, nachdem das lange erwartete CCS-Gesetz im September im Bundesrat gestoppt wurde.

Eine Regelung zu der Technologie war schon in einem ersten Anlauf 2009 gescheitert. Derzeit berät der Vermittlungsausschuss über ein CCS-Gesetz, das der Bundestag im Herbst beschlossen hatte. Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten im Bundesrat in den CCS-Gesetzentwurf als Bedingung für ihre Zustimmung eine Vetoklausel schreiben lassen , wonach Länder die CO2-Speicherung auf ihrem Gebiet verhindern können. Brandenburg, das zu den CCS-Befürwortern gehört, lehnte das Gesetz wegen der Vetoklausel aber ab.

Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka hatte das Scheitern des Gesetzes scharf kritisiert. Es gebe derzeit in der deutschen Politik "keinen hinreichenden Willen", europäische Vorgaben zu CCS in einer Weise umzusetzen, "dass ein CCS-Demonstrationsprojekt in Deutschland möglich würde". Die EU-Förderung für das Demonstrationskraftwerk sei an zeitliche Fristen gebunden und drohe durch die erneute Verzögerung wegzufallen, sagte er.

Nach Angaben des Konzerns sollte die EU-Förderung bei 180 Millionen Euro liegen. "Es ist eine Minute vor zwölf", hatte Hatakka im September gewarnt. Nun sind die Zeiger also weitergerückt: "Heute müssen wir feststellen, dass unser Zeitplan nicht mehr einzuhalten ist", sagte am Montag Hartmuth Zeiß, Chef der Braunkohle-Sparte von Vattenfall. Der Konzern halte an CCS aber trotzdem fest, denn es sei eine der entscheidenden Technologien zum globalen Klimaschutz.

Kritiker hingegen halten die Technik für zu teuer und nicht ausreichend sicher. Vor allem im Norden Deutschlands lösten solche CO2-Lager Proteste aus. Bürger befürchten ein unkontrolliertes Entweichen des Gases.

cib/AFP/dapd
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