Kobe Bryant Sicherheitssystem hätte Helikopter-Absturz vielleicht verhindern können

Der Hubschrauber mit Kobe Bryant an Bord stürzte in dichtem Nebel ab. Ein Warnsystem hätte das Unglück womöglich abwenden können – bislang wird es in Helikoptern nicht standardmäßig eingebaut.
Der Helikopter war in 730 Metern Höhe im Steigflug mit großer Geschwindigkeit abgestürzt

Der Helikopter war in 730 Metern Höhe im Steigflug mit großer Geschwindigkeit abgestürzt

Foto: DAVID MCNEW/ AFP

Ein Geländewarnsystem hätte den Helikopter-Absturz möglicherweise verhindern können, bei dem der ehemalige Basketballprofi Kobe Bryant und acht weitere Menschen starben.

Der Hubschrauber des Typs Sikorsky S-76 war am Sonntagmorgen um 9.06 Uhr Ortszeit von Orange County, dem Wohnort Bryants, nach Thousand Oaks gestartet. Laut der US-Transport-Sicherheitsbehörde NTSB befand sich die Maschine zunächst auf rund 730 Metern Höhe im Steigflug, wahrscheinlich um einem Wolkenfeld auszuweichen, ehe sie nach links abdrehte, rasch an Höhe verlor und mit großer Geschwindigkeit in bergigem Gelände zerschellte.

An dem Tag als der Helikopter abstürzte, herrschte dichter Nebel. Der Helikopter war technisch dafür ausgestattet, auch bei schlechter Sicht zu fliegen, und der Pilot hatte für den Start eine entsprechende Genehmigung.

Untersuchungen laufen noch

Kurz vor dem Absturz bat der Pilot die zuständigen Fluglotsen noch, das Flugzeug ständig zu überwachen. Die meldeten jedoch zurück, dass der Helikopter dafür zu tief flog. Kurz danach brach der Kontakt ab. Auf YouTube kursiert ein Video, in dem Audio-Mitschnitte aus dem Hubschrauber zu hören sind.

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Mit dem Warnsystem TAWS – die Abkürzung für Terrain Awareness and Warning System – hätte sich der Pilot besser orientieren können, heißt es von der Behörde NTSB, die auch die Untersuchungen zur Absturzursache leitet. "TAWS hätte dazu beitragen können, dem Piloten Informationen über das Gelände zu liefern, in dem er flog", sagte Jennifer Homendy von NTSB bei einer Pressekonferenz zur möglichen Absturzursache.

Allerdings ist es laut der Untersuchungsbehörde noch zu früh, um sicher einschätzen zu können, ob das System das Unglück verhindert hätte.

TAWS-Pflicht "längst überfällig"

Das System TAWS erstellt detaillierte Bilder der Umgebung des Flugzeugs und warnt den Piloten vor möglichen Hindernissen, oder wenn er zu tief fliegt. Gerade bei schlechter Sicht kann das System Abstürze vermeiden.

Flugzeuge mit starren Flügeln sind oft standardmäßig damit ausgerüstet, Helikopter dagegen nicht. In den USA ist das System beispielsweise nur bei Krankenhaus-Helikoptern vorgeschrieben, aber nicht für kommerzielle Flüge.

Laut "New York Times " forderte die US-Transportsicherheitsbehörde NTSB schon vor Jahren, Geländewarnsysteme in Helikoptern verpflichtend zu machen. "Es ist längst überfällig, diese Standard-Sicherheitsvorkehrung für Passagiere in Helikoptern bereitzustellen", heißt es demnach in einem Statement von 2006. Damals war die Untersuchungsbehörde zu dem Schluss gekommen, dass die Technik einen Helikopter-Absturz über dem Golf von Mexiko hätte verhindern können, bei dem im Jahr 2004 zehn Menschen starben.

Untersuchungsbehörde fordert Flugschreiber für Helikopter

Ein Pilot, der Bryant ebenfalls geflogen hatte, sagte der "New York Times", er glaube nicht, dass das TAWS-System den aktuellen Absturz hätte abwenden können. Laut ihm verfügte die Sikorsky S-76 zumindest über ein einfacheres System, das Kollisionen vermeiden soll und im GPS des Helikopters integriert war.

Tatsächlich kann TAWS allein einen Absturz nicht verhindern. Ein US-Notarzt-Hubschrauber war im März 2016 mit Bäumen kollidiert und abgestürzt, obwohl er mit einem entsprechenden System ausgestattet war. Auch damals war es neblig. Zudem wurde ein Pilotenfehler festgestellt.

Neben einem verpflichtenden Geländewarnsystem fordert die Untersuchungsbehörde NTSB, Helikopter mit Flugschreibern auszustatten, die dabei helfen können, die genaue Absturzursache zu ermitteln.

Diese sind für Helikopter bisher ebenfalls nicht vorgeschrieben. Auch die Sikorsky S-76, mit der Bryant unterwegs war, hatte weder einen Stimmenrekorder noch einen Flugdatenschreiber. "Solche Geräte hätten uns bei dieser und anderen Untersuchungen enorm geholfen", sagte NTSB-Sprecherin Homendy. "Wir haben mehrfach empfohlen, diese zum Standard zu machen."

Vier Todesopfer des Absturzes sind inzwischen identifiziert, darunter der 41-jährige Basketball-Champion Bryant. Außer ihm wurden bislang der Baseball-Trainer John Altobelli, 56, der Helikopterpilot Ara Zobayan, 50, und die Passagierin Sarah Chester, 45, identifiziert. Altobelli war mit seiner Ehefrau und seiner Tochter an Bord, Chester hatte ihre Tochter dabei. Die Identifizierung der fünf übrigen Todesopfer des Crashs, der sich am vergangenen Sonntag im kalifornischen Calabasas ereignet hatte, dauere laut NTSB weiter an. Auch Bryants 13-jährige Tochter Gianna war zum Unfallzeitpunkt an Bord.

Der Tod des NBA-Superstars und seiner Tochter hatte in der Sportwelt und darüber hinaus große Bestürzung ausgelöst. Bryant gilt als einer der größten Basketballer der Geschichte, mit den Los Angeles Lakers, für die er 20 Jahre zwischen 1996 und 2016 spielte, gewann er fünfmal die NBA-Playoffs.

Ein endgültiger Untersuchungsbericht zur Absturzursache wird wahrscheinlich erst in einem bis anderthalb Jahren vorliegen.

koe/dpa
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