Spiel im Team Künstliche Intelligenz schlägt Mensch bei "Quake III Arena"

Forscher haben eine künstliche Intelligenz Hunderttausende Male "Quake III Arena" spielen lassen. Am Schluss arbeiteten die Maschinen-Agenten so gut zusammen, dass menschliche Teams kaum eine Chance hatten.

Illustration von Verhaltensweisen der Agenten in "Capture the flag": Reaktion nach 258 Millisekunden
DeepMind

Illustration von Verhaltensweisen der Agenten in "Capture the flag": Reaktion nach 258 Millisekunden


Maschinen werden immer schlauer. Bereits vor Jahren haben künstliche Intelligenzen die besten menschlichen Spieler in Schach und im Strategiespiel Go geschlagen. Nun schneiden sie auch bei einem Spiel mit mehreren Teammitgliedern besser ab als der Mensch.

Die Forscher um Max Jaderberg vom Londoner Unternehmen DeepMind ließen ihre künstliche Intelligenz (KI) immer wieder das Multiplayer-Computerspiel "Quake III Arena" spielen. Im Modus "Capture the flag" ("Erobere die Flagge") müssen sich zwei Teams die Flagge des jeweiligen Gegners schnappen und in die eigene Basis bringen. Die Spieler können ihre Gegner durch Laserschüsse für eine Zeit außer Gefecht setzen und auf diese Weise in ihre Basis zurückbefördern.

Die Räume und Gänge, in denen sich die Teams bewegen, werden nach dem Zufallsprinzip generiert und symmetrisch angelegt. Das soll für beide Teams die gleichen Grundvoraussetzungen schaffen. Die Spieler bewegen sich in Ich-Perspektive durch das virtuelle Gelände. Sie müssen mit ihren Gruppenmitgliedern zusammenarbeiten, um ihre Gegner aufzuhalten.

Extrem kurze Reaktionszeit

Die Forscher ließen die künstliche Intelligenz viele Male gegen computergenerierte Gegner und Menschen antreten. Auf diese Weise sollten sie lernen, wie das Spiel funktioniert. Die KI wurde von Spiel zu Spiel besser, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science":

  • Nach gut 45.000 Spielen schlug die KI durchschnittlich gute menschliche Spieler.
  • Nach rund 200.000 Spielen waren die KI-Agenten im Schnitt besser als die besten Menschen.
  • Nach rund 450.000 Spielen siegte die künstliche Intelligenz deutlich: Wenn zwei menschliche Spieler gegen zwei KI-Agenten antraten, eroberte die KI durchschnittlich 16 Flaggen mehr.

Das gute Ergebnis der KI ist auch auf ihre schnelle Reaktionszeit zurückzuführen, aber nicht nur. KI-Agenten reagierten auf einen Gegner im Durchschnitt nach 258 Millisekunden, Menschen nach 559 Millisekunden. Doch selbst wenn die Forscher die Reaktionszeit der KI-Agenten verlangsamten, blieben die künstlichen Agenten den menschlichen Spielern überlegen. Die KI war demnach auch taktisch überlegen.

jme/dpa



insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
Kasob 31.05.2019
1. Vergleich hinkt.
Ein Algorithmus denkt in Lichtgeschwindigkeit, ein Mensch nicht. Ein Mensch muss Informationen über das Auge aufnehmen, dass Gehirn verarbeitet es und gibt es an die Hand weiter. Ein Algorithmus muss das nicht. Ein Mensch vergisst, ein Algorithmus nicht.
Ronald Dae 31.05.2019
2. Fürchtet euch nicht (es sei denn, ihr seid Gamer :)
Man solle hier nicht glaube, diese Maschinen seien "intelligent", denn die selben Maschinen können so simple Fragen, wie "Was ist unter dir?" oder "Glaubst du an Gott?" nicht beantworten. Soviel zum Attribut "intelligent" dieser Kisten.
IanCormac 31.05.2019
3. Währenddessen der durchschnittliche KI-Gegner:
"wEr iSt TaKiK?!" Spieleentwickler schaffen es bis heute nicht einen fordernden Schwierigkeitsgrad zu liefern, ohne die KI von Grund auf zu bevorteilen. Gegner müssen immer größer, stärker oder anderweitig Betrüger sein, um die Spieler nicht zu unterfordern. Immerhin wissen wir jetzt, dass es durchaus möglich wäre, es besser zu machen.
TommFFM 31.05.2019
4. So ziemlich alles unrichtig
Zitat von KasobEin Algorithmus denkt in Lichtgeschwindigkeit, ein Mensch nicht. Ein Mensch muss Informationen über das Auge aufnehmen, dass Gehirn verarbeitet es und gibt es an die Hand weiter. Ein Algorithmus muss das nicht. Ein Mensch vergisst, ein Algorithmus nicht.
"Ein Algorithmus denkt in Lichtgeschwindigkeit, ein Mensch nicht." Ein Algorithmus denkt nicht. Die Maßeinheit für die Geschwindigkeit von Datenverarbeitung ist nicht "denkt in Lichtgeschwindigkeit" sondern Operationen pro Sekunden. Der derzeit schnellste neuronale Rechner SpiNNaker hat derzeit 1 Millionen CPU Cores, welche zwei Billionen Operationen pro Sekunde berechnen können. Der Supercomputer bildet damit 2 Millionen Neuronen ab. Das menschliche Gehirn hat etwa 100 Milliarden Neuronen, welche über 100 Billionen Synapsen verschaltet sind. Selbst der beste Supercomputer ist in punkto Rechenleistung dem Hirn unendlich weit unterlegen. "Ein Mensch muss Informationen über das Auge aufnehmen, dass Gehirn verarbeitet es und gibt es an die Hand weiter. Ein Algorithmus muss das nicht." Die angesprochene KI muss Informationen über das Bild ("Auge") aufnehmen und verarbeiten. Wie das Gehirn. Anschließend muss diese ausgewertet werden und schließlich die Reaktion ermittelt und an die API ("Hand") geleitet werden. "Ein Mensch vergisst, ein Algorithmus nicht." Das Menschliche Hirn priorisiert Daten u.A. über die Intensität und Anzahl der verschalteten Neuronen. "Vergessen" wird nur was unwichtig erscheint. Die KI muss das ebenfalls, ansonsten hätte sie mehr Daten zu verarbeiten als dies Möglich ist und ihre Reaktionszeit läge wohl eher bei Minuten oder Stunden, statt unter einer Sekunde.
RG30659 31.05.2019
5. Das Ende von Putzig
Das liest sich ja erstmal ganz putzig und ist in der Tat kein Maßstab tatsächlicher Intelligenz. Eine solche KI ist derzeit ein "one-trick-pony". Jedoch ergibt sich hier (nicht zum ersten Mal) eine beunruhigende Perspektive. Autonom agierende Dronen müssen nicht mehr können um einen enormen militärischen Mehrwert zu bieten. Einziger Pferdefuß, der bisher den Einsatz solcher Systeme gebremst hat: Taktische Unterlegenheit gegenüber der menschlichen Komponente eines ferngesteuerten/teilautonomen Systems. Das könnte hiermit passé sein. Demnach besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, das Soldaten bald gegen autonome Maschinen kämpfen. Man muss kein Apokalyptiker sein um das gruselig zu finden.
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