Flugzeug mit 20 Propellern Die Nasa überdreht

Die Nasa will Flugzeuge sparsamer und leiser machen. Dafür setzt die US-Raumfahrtbehörde auf einen revolutionären Antrieb - und hängt 20 Propellermotoren an einen extrem schmalen Flügel.

Joby Aviation

Auf den ersten Blick sieht die jüngste Entwicklung der US-Raumfahrtbehörde Nasa nicht besonders vertrauenerweckend aus: Oder würden Sie sich in einen Flieger setzen, dessen Flügel zwar viel winziger sind als bei üblichen Modellen, bei denen dafür aber links und rechts jeweils zehn Propeller montiert sind?

Dabei ist gerade das Flügelchen mit den 20 Elektromotoren der Clou von LEAPTech. Die Abkürzung steht für Leading Edge Asynchronous Propeller Technology Project. Und so langatmig dieses Projekt auch betitelt sein mag - seine Vorteile lassen sich rasch zusammenfassen: weniger Energieverbrauch, weniger Lärm, kürzere Start- und Landewege.

Hinter den seltsamen Maßen des Flügels (seine Fläche ist mit rund fünf Quadratmetern dreimal kleiner als bei vergleichbaren Fliegern) und der Motorenarmada von 20 Aggregaten (normalerweise haben Flugzeuge lediglich einen Antrieb oder zwei) steckt laut der Zeitschrift des Ingenieursverbands IEEE folgende Technik: Bei herkömmlichen Flugzeugen leisten die Triebwerke Schub nach vorn - quasi als Nebeneffekt kommt Auftrieb unter die Flügel, und die Maschine hebt ab. Dazu müssen die Flügel jedoch eine bestimmte Größe haben, was sich später in der Luft als Ballast negativ auswirkt.

Bei LEAPTech fächern die Propeller an den Motoren die Luft dagegen direkt unter die Flügel, und dafür ist zum Abheben und Landen nicht so viel Fläche nötig. Sie können stattdessen für die Fluggeschwindigkeit optimiert werden und sind effizienter. Kurz gesagt: Der LEAPTech-Flieger steigt leichter hoch und schleppt dann weniger Gewicht mit sich.

Laut Nasa haben in dem Flugzeug vier Passagiere Platz, es soll bis zu 3650 Meter hoch steigen und maximal 320 km/h schnell fliegen. Die Reichweite wird mit 740 Kilometern angegeben. Verglichen mit Leichtfliegern ähnlicher Größe sind das nach Ansicht von IEEE eher Durchschnittswerte - die Experten rechnen jedoch damit, dass anhand der LEAPTech-Technologie der Luftwiderstand um 60 Prozent verringert werden kann.

Aus dem Projekt könnte das nächste sogenannte X-Plane entstehen - so nennt die Nasa ihre Prototypen und Technologieträger. Bislang beschränkt sich LEAPTech allerdings auf den Flügel mit den 20 Motoren. Er soll noch in diesem Jahr zunächst auf einen Truck montiert werden und auf einem Luftwaffenstützpunkt in Kalifornien getestet werden. Ob und wann die Multipropellermaschine dann wirklich abheben kann, wird sich erst in einigen Jahren herausstellen.

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Korrektur: LEAPTech verfügt über 20 - und nicht nur über 18 Motoren, wie es in diesem Text ursprünglich hieß. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen!

cst

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insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
s342 21.03.2015
1.
Elektromotoren, soso. Und die Energie kommt wahrscheinlich aus Bleiakkumulatoren, alles klar...
stefan1976 21.03.2015
2. 18 Propeller???
Also auf dem Bild sind 20 Propeller zu erkennen? Vieleicht sollte mal überprüft werden über was man nun berichtet...
frenchie3 21.03.2015
3. Aha
Flugzeuge haben normalerweise nur 1-2 Antriebe? Erklärt das mal ner B52 oder dem A380.... Vielleicht meint der Autor ja in dieser Gewichtsklasse. Und daß die Luft unter die Flügel geblasen wird soll, wenn ich nicht ganz falsch liege, bei Propellermaschinen vereinzelt vorkommen. Aber eines stimmt: die Düsen fächeln nicht Luft unter die Tragflächen. Die pusten die weg.
StonyBrook 21.03.2015
4. Nachfolgemodell
Auf dem Bild ist schon das Nachfolgemodell mit 20 Propellern, oder was?
zyndstoff 21.03.2015
5. Merkwürdig
Entweder kann die NASA nicht zeichnen, oder der SPON-Redakteur nicht richtig zählen. Auf dem Bild sind eindeutig 20 Motoren abgebildet, nicht 18.
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