Anfänge des Fliegens Lilienthal-Flugapparat besteht Test im Windkanal

1896 verunglückte Flugpionier Otto Lilienthal tödlich bei einem Testflug. Nun haben Forscher sein Fluggerät im Windkanal untersucht. An der Konstruktion kann der Absturz demnach nicht gelegen haben.

Lilienthal-Flugapparat im Windkanal

Lilienthal-Flugapparat im Windkanal


Der Nachbau des zwischen 1893 und 1894 konstruierten Fliegers von Otto Lilienthal hat seinen Test im Windkanal bestanden. Die Versuche im niederländischen Marknesse seien erfolgreich verlaufen, teilten das Anklamer Otto-Lilienthal-Museum und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen mit.

Der in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern nachgebaute Gleiter habe bei den Tests in der vergangenen Woche Windgeschwindigkeiten von bis zu zehn Meter pro Sekunde (36 km/h) erfolgreich standgehalten und aerodynamische Datensätze geliefert, die geradezu Lehrbuchcharakter hätten, sagte der Leiter des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik, Andreas Dillmann.

Mit den Windkanal-Tests des 6,70 Meter breiten Flugapparates haben die Forscher die Flugeigenschaften des motorlosen Apparates erfasst, der als erstes Serienflugzeug der Welt gilt. Zahlreiche Datensätze müssten nun ausgewertet werden, sagte der Leiter des Anklamer Lilienthal-Museums, Bernd Lukasch. "Wir freuen uns, dass der Lilienthal-Nachbau den Hightech-Anforderungen im Windkanal standgehalten und brauchbare Ergebnisse geliefert hat."

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Erster Serienflieger: Lilienthal-Flugapparat im Windkanal

In allen Flugbereichen eigenstabil

Unter anderem erhoffen sich die Experten auch Hinweise auf die Ursache des Absturzes im Jahr 1896, bei dem der Lilienthal ums Leben kam. Die einzelnen Daten wie Auftriebskurve, polare und Nickmomentkurve deuteten auf eine absolut saubere Konstruktion hin, die in allen Flugbereichen eigenstabil sei, hieß es. In Bezug auf die Flugcharakteristik entspreche der Gleiter einem typischen Schul-Segelflugzeug der Zwanziger- und Dreißigerjahre.

Ermittelt wurde auch die Gleitzahl, die mit knapp vier niedrig sei und der eines heute üblichen Gleitschirms entspreche, sagte Lukasch. Die Gleitzahl gibt das Verhältnis von Auftrieb und Luftwiderstand und das Verhältnis zwischen zurückgelegter horizontaler Strecke und Höhenverlust im Gleitflug wieder. Heutige Segelflugzeuge erreichen nach Angaben von Lukasch Gleitzahlen von bis zu 60 und in Einzelfällen auch darüber.

Der Flugpionier Lilienthal startete im Frühjahr 1891 im brandenburgischen Derwitz seinen ersten Flugversuch und arbeitete sich später mit seinem sogenannten Normalsegelapparat auf Weiten von 250 Meter vor. 1889 veröffentlichte Lilienthal sein Buch "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst". Eine theoretische Abhandlung über die Flugeigenschaften seiner Gleiter blieb er der interessierten Nachwelt jedoch schuldig.

jme/dpa



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