Geplante Norm Luft in Flugzeugen soll sauberer werden - ein bisschen

Die Kabinenluft in Flugzeugen kann manchmal durch chemische Dämpfe belastet sein, die am Triebwerk entstehen. Medienberichten zufolge soll eine neue Norm die giftigen Gase künftig eliminieren.
Eine Flugbegleiterin von Eurowings

Eine Flugbegleiterin von Eurowings

Foto: Christoph Hardt / Future Image / imago images

Wenn dieser Tage von der Sauberkeit der Kabinenluft in Flugzeugen die Rede ist, geht es normalerweise um das Sars-CoV-2-Virus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie groß das Covid-19-Ansteckungsrisiko im Flieger ist. Flugzeughersteller und Airlines verweisen darauf, dass die Luft alle paar Minuten ausgetauscht und durch leistungsfähige Filter geleitet wird, die Viren keine Chance lassen.

Ein anderes Problem mit der Kabinenluft beschäftigt Fachleute schon länger. Es geht um chemische Dämpfe, die am Triebwerk entstehen können und in manchen Fällen bei Passagieren und Crews zu Beschwerden führen. Für diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen - Betroffene berichteten unter anderem von Atemnot, Herzrhythmusstörungen und Kopfschmerzen - existiert der Sammelbegriff des "aerotoxischen Syndroms".

Sogenannte Fume Events, bei denen in Cockpit oder Kabine solcherart problematische Dämpfe wabern, treten nicht selten auf: Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat nach Auswertung von Zahlen aus der Zeit zwischen 2006 und 2013 über immerhin 663 Zwischenfälle mit kontaminierter Luft berichtet. Diese hätten jedoch "zu keinen erheblichen Einschränkungen der Flugsicherheit" geführt und vor allem aus "unangenehmen aber harmlosen Gerüchen" bestanden. Kritiker hielten diese Darstellung jedoch für verharmlosend, sie argumentieren mit einer Liste an Fällen, in denen Crews wegen der Dämpfe in ihrem Flieger sogar aus Sicherheitsgründen um vorzeitige Landung nachsuchten .

Sechs Jahre Vorarbeit

Laut einem Bericht des "Handelsblatts"  soll es nun schon bald eine europäische Norm geben, die das Problem zumindest abmildern soll. Unter Federführung des französischen Normenbüros für Luft- und Raumfahrt (BNAE) befasst sich das Europäische Komitee für Normung (CEN), eine private, nicht gewinnorientierte Organisation mit Sitz in Brüssel, gerade mit dem Thema. Im September solle nach sechsjähriger Vorarbeit der erste Vorschlag für eine Regelung auf dem Tisch liegen, so der Bericht. Dieser wäre allerdings auch nur dann verbindlich, wenn die EU-Kommission ihn übernehmen würde. Dem Bericht zufolge gibt es darauf aber aktuell keine Hinweise.

Eine Revolution wird die neue Norm der Zeitung zufolge ohnehin nicht bringen. Zu lange und in zu vielen Jets läuft seit Jahrzehnten - und damit wohl auch noch für Jahrzehnte - die bisherige Praxis: Die Luft im Innenraum eines Flugzeugs stammt normalerweise aus dem Verdichter des Triebwerks. Und dort kann sie unter ungünstigen Umständen mit Chemikalien verunreinigt werden. Das sind unter anderem verbrannte Rückstände von Motor- und Hydrauliköl. Lediglich in ausgewählten Modellen wie der Boeing-787 setzt man auf andere technische Lösungen. Dabei ist aber auch nicht die Qualität der Kabinenluft die Motivation, sondern eine bessere Treibstoffeffizienz 

Airlines und Flugzeugbauer wollen an der bestehenden technischen Lösung am besten nichts ändern - weil sie das aus ihrer Sicht für unnötig halten. Sie verweisen auf Erkenntnisse  der EU-Flugsicherheitsbehörde EASA, wonach es keine Hinweise auf Gesundheitsgefahren durch Kabinenluft gibt. Kritiker dieser Argumentation führen an, dass für die betreffende Studie nur eine kleine Zahl an Messflügen gemacht worden sei und dass die EASA sehr wohl in einer anderen Studie  über die Risiken durch verbrannte Schmierölprodukte in der Kabinenluft berichte.

Die EASA, so das "Handelsblatt", fordere, dass die neue Norm für die Kabinenluft auch "die Beschreibung von Messmethoden, die zu messenden chemischen Verbindungen sowie deren Grenzwerte" beinhalten müsse. Der vorliegende Entwurf müsse "nachgeschärft" werden.

chs
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