Marodes Atomendlager Gabriel stellt Sanierungsoptionen für Asse vor

Bis Jahresende soll entschieden werden, was mit dem maroden Atomendlager Asse bei Wolfenbüttel passieren soll. Drei Sanierungsoptionen stellte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel nun vor - und alle bergen Risiken. Zugleich sprach sich der Minister gegen Gorleben als Endlager aus.
Der Präsident des Bundesamtes fuer Strahlenschutz Wolfram König (l) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (r) in der Asse: "Wir werden mehr oder minder problematische Optionen haben"

Der Präsident des Bundesamtes fuer Strahlenschutz Wolfram König (l) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (r) in der Asse: "Wir werden mehr oder minder problematische Optionen haben"

Foto: Jochen Luebke/ AP

Remlingen - Gesucht wird ein Ausweg für die Asse: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat bei einem Besuch des maroden Atomlagers nahe Wolfenbüttel einen Zeitplan für die Sanierung vorgestellt. In der Asse lagern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Das ehemalige Salzbergwerk ist mehr oder weniger stark einsturzgefährdet, nicht zuletzt wegen ständigen unkontrollierten Wasserzuflüssen von 13.000 Litern am Tag.

Für die Sanierung gebe es laut Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) drei Optionen. Bis zum Jahresende soll eine Entscheidung für eine von ihnen gefällt werden:

  • Der Atommüll wird aus der Asse herausgeholt
  • Der Atommüll wird in tiefere Bereiche umgelagert
  • Der Atommüll bleibt in der Asse und die Kammern des Bergwerks werden mit Salzbeton verfüllt

Jeweils 18 Kriterien sollen bei der Entscheidung für eine der Sanierungsoptionen berücksichtigt werden - darunter die Langzeitsicherung der Lagerung, Machbarkeit, Zeitbedarf, die Sicherheit der Bergleute und mögliche Folgen eines Absaufens der Grube. Dennoch seien alle drei Sanierungsoptionen laut Gabriel nicht ohne Risiko. "Wir werden mehr oder minder problematische Optionen haben", sagte er. Die Sanierung der Asse wird, so viel dürfte bereits feststehen, zu einem Milliardenprojekt. Gabriel rechnet nach eigenen Angaben mit Gesamtkosten von vier bis fünf Milliarden Euro.

Gabriel sieht keine Chance mehr für Gorleben

Die Gutachter zu den verschiedenen Sanierungsoptionen hat die Asse-Begleitgruppe vorgeschlagen. In ihr sind Kommunalpolitiker und Bürgerinitiativen vertreten. Die Kriterien für die Sanierung seien vor der Fertigstellung der Gutachten festgelegt worden, betonte Gabriel.

Bei der Suche nach dem Sanierungsweg habe man "die Menschen in der Region von Anfang an einbezogen", betonte er. Nur so könne man bei den zu Recht misstrauischen Anwohnern neues Vertrauen schaffen, so Gabriel. Dieses Vorgehen sei beispielhaft auch für die künftige Suche nach einen Endlagerstandort für hochradioaktiven Müll. Und der muss noch gefunden werden. Denn in Gorleben wird - zumindest nach Ansicht des Bundesumweltministers - kein Endlager entstehen.

Die Erkundungsrechte liefen im Jahr 2015 aus, ein Endlager in Gorleben könne man nur über ein Enteignungsverfahren durchsetzen. Gabriel: "Diesen Weg wird es mit der SPD nicht geben." Daher sehe er kaum noch eine Chance für Gorleben als Endlager. "Ich will es auch gar nicht."

Die Verantwortung für das nach seiner Ansicht unvermeidbare Ende von Gorleben wies Gabriel Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu. Sie habe sich 2006 seinem Vorschlag verweigert, Gorleben weiter zu erkunden und zugleich nach anderen möglichen Standorten in Süddeutschland zu suchen: "Die Bundeskanzlerin wollte sich in dieser Frage nicht mit den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg anlegen".

lub/AFP/AP
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