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Militärmaschine Roboter-Gepard bricht Geschwindigkeitsrekord

Er ist ein technisches Meisterstück - und ein gespenstischer Anblick: Ein vierbeiniger Roboter kann schneller rennen als die meisten Menschen. Die Szene erinnert nicht zufällig an düstere Visionen aus Science-Fiction-Filmen, denn die Forschung hat einen militärischen Hintergrund.

Roboter, so viel gilt als ausgemacht, werden auf dem Schlachtfeld der Zukunft eine wichtige Rolle spielen - und das nicht nur als bewaffnete Killer, sondern zunächst vor allem als Helfer. Transport-Roboter sollen Soldaten dabei unterstützen, schweres Material zu schleppen, rollende Retter verwundete Menschen aus umkämpften Zonen bergen. Bisher sind Räder der Antrieb der Wahl, doch das könnte sich in Zukunft ändern: Roboter staksen immer öfter auf Beinen durch die Welt.

Eine Maschine gehen zu lassen, ist für Ingenieure eine weit größere Herausforderung, als sie rollen zu lassen. Zahlreiche große und kleine Gelenke, Gliedmaßen und Stellmotoren müssen von komplizierter Software koordiniert werden, und das dadurch entstehende Hightech-Bein ist meist weit verletzlicher als ein einfaches Rad. Auf der anderen Seite versprechen Beine gegenüber Rädern mehr Wendigkeit und ein Fortkommen auch in unwegsamem Terrain.

Jetzt hat die US-Firma Boston Dynamics ein spektakuläres Modell vorgestellt: einen Roboter, der die Bewegungen eines Gepards nachahmt. Auf einem Labor-Laufband spurtete "Cheetah" mit 18 Meilen in der Stunde, also fast 30 km/h. Nach Angaben der Entwickler hat der Laufroboter damit einen Weltrekord aufgestellt - und wäre schneller als die meisten Menschen: Wer der Maschine davonlaufen wollte, müsste die 100-Meter-Distanz in weniger als zwölf Sekunden absolvieren. Das schaffen in aller Regel nur trainierte Läufer. Der Weltrekord das jamaikanischen Sprinters Usain Bolt liegt bei 9,58 Sekunden - das entspricht einem Durchschnittstempo von 37,58 km/h.

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Metallene Helfer: Roboter für das Militär

Foto: Kevin Clifford/ AP

Ein Video mit dem rennenden Roboter wirkt gespenstisch: Erinnerungen an Science-Fiction-Filme mit wenig freundlichen Maschinen drängen sich auf, und das ist in diesem Fall nicht allzu weit hergeholt - denn das Projekt von Boston Dynamics wird von der Darpa finanziert, der Forschungsabteilung des US-Verteidigungsministeriums. Im Rahmen des "Maximum Mobility and Manipulation"-Programms lässt das Pentagon in erster Linie an Maschinen zur Entschärfung von Bomben forschen.

Zumindest was die Geschwindigkeit des neuen Roboters betrifft, hat sich der Einsatz gelohnt: Er hat einen immerhin 23 Jahre alten Rekord gebrochen. 1989 lief ein zweibeiniger Roboter des Massachusetts Institute of Technology mit 21 Kilometern in der Stunde. Auch die Konkurrenz aus dem eigenen Haus hat der Vierbeiner abgehängt: "BigDog", ebenfalls als Lastenträger für das US-Militär im Gespräch, stakst im Vergleich zum Roboter-Gepard eher unbeholfen durch die Gegend.

"Herausfinden, wo die Grenze liegt"

Vom Tempo eines echten Gepards, der weit mehr als 100 km/h erreichen kann, ist die Maschine zwar noch weit entfernt. Doch die Entwickler von Boston Dynamics haben ehrgeizige Ziele: "Unser Laufband erreicht seine Grenze bei 80 km/h", sagte Alfred Rizzi, Chef der Robotik-Abteilung des Unternehmens. Schon bald werde man den Roboter außerhalb des Labors rennen lassen. "Wir wollen herausfinden, wo die letzte Grenze für schnell bewegliche Roboter liegt."

Die Darpa und diverse Privatunternehmen forschen derzeit an zahlreichen unterschiedlichen Konzepten. Manche Roboter sind inzwischen verstörend menschenähnlich und erstaunlich geschickt: Sie bewältigen sogar knifflige Aufgaben wie den Schwertkampf oder das Braten von Frikadellen. Andere Modelle wiederum ähneln eher Krabbeltieren, wie etwa ein kürzlich vorgestelltes Modell aus weichem Kunststoff.

Der Roboter-Gepard wird in seiner Bewegungsfreiheit bisher noch von einem recht banalen Problem gebremst: Er hängt an einer Hydraulikpumpe und einem Gerät, das ihn auf dem Laufband hält. Zwar sollen die angekündigten Tests im Freien noch in diesem Jahr stattfinden. Doch bis eine solche gehende Maschine serienreif ist und Soldaten helfen kann, dürften weitere Jahre ins Land gehen.

Das US-Militär hat sich inzwischen anders beholfen und greift auf Altbewährtes zurück: Lastenesel. Die können zwar widerspenstiger sein als Roboter. Aber sie laufen.

mbe/Reuters
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