Militärpläne USA wollen Drohnenflotte stark ausbauen

Das US-Militär muss sparen, zugleich seine Präsenz im Pazifikraum verstärken und global präsent sein. Pentagonchef Panetta plant einen Truppenabbau, Stilllegung von älteren Schiffen und Flugzeugen sowie einen verlangsamten Kauf von Kampfjets. Ein wichtiger Teil seiner Strategie: noch mehr Drohnen.

REUTERS

Es ist die Quadratur des Kreises: Amerikas Streitkräfte sollen künftig mit deutlich weniger Geld auskommen, zugleich eine Antwort auf die Herausforderung durch China finden und nebenbei in der Lage sein, einen großen Krieg zu gewinnen und gleichzeitig in aufflammenden kleineren Konflikten zumindest nicht zu verlieren. Schlanker, effizienter, schneller soll das US-Militär werden, kündigte US-Präsident Barack Obama an. In den nächsten zehn Jahren sollen Amerikas Verteidigungsausgaben um insgesamt 487 Milliarden Dollar sinken. Verteidigungsminister Leon Panetta kündigte am Donnerstag erste Einzelheiten seines Sparkurses an.

So sollen die Verteidigungsausgaben im kommenden Jahr um neun Prozent zurückgefahren werden. Panetta kündigte eine Kürzung des noch bis September geltenden derzeitigen Budgets in Höhe von 671 Milliarden Dollar (gut 510 Milliarden Euro) auf 613 Milliarden Dollar in den darauf folgenden zwölf Monaten an. In einem vorab verbreiteten Statement hieß es bereits, der Ansatz sei, stärkste Militärmacht der Welt zu bleiben und die Truppen nicht auszuhöhlen.

Schon seit Wochen ist klar, dass die Kürzungen nicht gleichmäßig verteilt werden: Manche Bereiche werden stärker von den Einsparungen betroffen sein, andere dürften sogar noch mehr Geld als bisher bekommen. So soll das Heer von 570.000 auf 490.000 Soldaten im Jahr 2017 schrumpfen, wovon vor allem Europa betroffen ist: Zwei der vier US-Brigaden werden voraussichtlich abgezogen.

Die Drohnenflotte wird dagegen gestärkt. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, will Panetta den Bestand an unbemannten Flugzeugen in den nächsten Jahren um satte 30 Prozent steigern.

Derzeit betreibe die Air Force rund um die Uhr 61 Drohnen-Kampfpatrouillen mit bis zu vier Flugzeugen pro Einsatz. Panettas Plan sehe vor, genug Drohnen für bis zu 85 Dauereinsätze zu haben. 65 Patrouillen sollen jederzeit leicht zu bewältigen sein. Damit würde der Drohnen-Boom seine Fortsetzung finden: Die Ausgaben des US-Militärs für die unbemannten Flieger haben sich zwischen 2002 und 2011 von 550 Millionen auf fast fünf Milliarden Dollar nahezu verzehnfacht.

"Global Hawk"-Programm wird angeblich eingestellt

Zugleich tauchten überraschend Berichte auf, laut denen die US-Luftwaffe das "Global Hawk"-Programm vorzeitig beenden will. Die RQ-4 ist nicht nur die weltgrößte Militärdrohne, sondern gilt als leistungsfähigstes unbemanntes Aufklärungsflugzeug der USA. Unter der Bezeichnung "Euro Hawk" ist es auch bei der Bundeswehr aktiv. Eigentlich soll die Drohne bis 2015 das in die Jahre gekommene Spionageflugzeug U-2 ersetzen. Der betagte Flieger soll jetzt aber bis 2023 im Dienst bleiben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen US-Beamten.

Laut Loren Thompson vom Lexington Institute in Virginia plant die Air Force aus Kostengründen die Anschaffung einer anderen Version der RQ-4-Drohne, die der Rüstungskonzern Northrop Grumman derzeit für die Marine entwickle. Das "Broad Area Maritime Surveillance"-System habe in Tests überzeugt, die Navy wolle 68 Exemplare kaufen. Ein Vorführmodell habe in den vergangenen Wochen bereits die Straße von Hormus überwacht - jene für die Weltwirtschaft lebenswichtige Öltransportroute, die Iran zu schließen droht.

Sollte der Kongress den Etatplan der Regierung akzeptieren, der in zwei Wochen eingereicht werden soll, würde das "Global Hawk"-Programm nach der Anschaffung von 21 Flugzeugen gestoppt - und nicht, wie zuvor geplant, nach 31 Exemplaren. Die Air Force hat den Bericht nicht kommentiert. Northrop teilte mit, es seien keine Änderungen an den "Global Hawk"-Plänen bekannt.

Flugzeugträgerflotte bleibt unangetastet

Die Drohnen stehen im Zentrum der neuen Strategie Amerikas, sein Militär fit für die Zukunft zu machen. Denn trotz schrumpfender Mittel will Obama die Präsenz im Pazifikraum verstärken, nicht zuletzt, um der Konkurrenz durch China zu begegnen, das sein Militär mit atemberaubender Geschwindigkeit modernisiert. Waffensysteme, die große Gebiete abdecken können - also Flugzeugträger, Langstreckendrohnen und moderne Kampfflugzeuge - sind dafür unverzichtbar.

Eine wichtige Rolle spielt nach wie vor der Kauf von rund 2500 Exemplaren des neuen Stealth-Kampfjets F-35 "Lightning II", der für die künftigen Aufgaben des US-Militärs eine wichtige Rolle spielen wird. Das Pentagon will jedoch die Anschaffung von rund hundert F-35 über einen längeren Zeitraum strecken. Auch die Flugzeugträgerflotte soll unangetastet bleiben, wie Panetta bereits mehrfach betont hat: Es sei eine "langfristige Verpflichtung" der Regierung Obama, elf Flugzeugträger im Einsatz zu haben. Sie seien "ein wichtiger Teil unserer Fähigkeit zur Machtprojektion im Nahen Osten und im Pazifik", sagte der Verteidigungsminister.

Auch die Spezialkräfte sollen von den neuen Budgetplänen profitieren: Laut "Wall Street Journal" will Panetta die Sondertruppen bis 2015 um zehn Prozent wachsen lassen, von derzeit 63.750 auf 70.000 Mann. Zudem sollen sie auf eine größere Zahl kleinerer Stützpunkte weltweit verlegt werden, um jederzeit schnell reagieren zu können. Einsätze wie die der Navy Seals, die am Mittwoch in Somalia in einer Kommandoaktion zwei Geiseln befreit haben, würden dann wohl häufiger vorkommen.

Die Sparpläne haben Obama seitens der republikanischen Opposition zwar den Vorwurf eingebracht, die Streitkräfte kaputtzusparen. Doch gejammert wird nach wie vor auf hohem Niveau: 671 Milliarden Dollar werden die USA für ihr Militär ausgeben: Die aktuellen Kampfeinsätze kosten 118 Milliarden Dollar, der Basishaushalt des Pentagons beträgt 553 Milliarden. Zum Vergleich: 2008, im letzten Amtsjahr von Präsident George W. Bush, musste das Pentagon mit 480 Milliarden Dollar auskommen.

mbe/Reuters/AP



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eva1811 26.01.2012
1. Robocop - die Armee der Zukunft
Zitat von sysopDas US-Militär muss sparen, zugleich seine Präsenz im Pazifikraum verstärken und noch dazu global präsent sein. Jetzt will Verteidigungsminister Panetta erstmals konkret sagen, wie das funktionieren soll. Ein wichtiger Teil seiner Strategie: noch mehr Drohnen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,811526,00.html
Die Armee der Zukunft liegt wohl in der Drohnen- und Stealthtechnologie inkl. des Schwerpunkts auf die Spezialeinheiten der Armee, da auch ein Aspekt Vermeidung von Gefallenen Soldaten und Kriegsversehrten ist. Nun es zeigt das auch im Militär hier große Potentiale liegen und die Schlachtenführungen der Geschichte immer noch eine Rolle spielen, aber nur in der Strategieführung. Wer weiss, vielleicht gibt es doch bald auch noch eine Laserbewaffnung ala Goldeneye?? oder gibt es die schon?? Das Militär steht auch im Wandel und die Kriegsführung von morgen ist wohl auch ein effizienteres Zuschlagen und gezieltere Pointes (was Drohnen und Stealth evtl. sogar Laser bieten und noch andere Möglichkeiten, evtl. Verbesserungen oder Innovationen neuer Techologien Nano?? Cyber oder so??), so das man nicht in langjährige kostenzehrende und menschenopfende "Scharmützel und Kriege" verwickelt wird. Die Militärindustrie ist ein Jobfaktor und Macher und birgt vielfältige Möglichkeiten und Neuerungen (evtl. vielleicht sogar ein neuer Typus der noch top secret ist oder gar going green Army??)
Deutscher__Michel 26.01.2012
2. Drohnen gehören verboten - Weltweit
Drohnen sind so ziemlich die perverseste Art "Krieg" zu führen. Ohne Gefahr kann man fast bliebig Menschen töten und die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Militär ist nicht möglich (wie die Toten zeigen)
etiennen 26.01.2012
3.
Das Konzept des US- Militärs scheint konsequent zu sein - Drohnen sind günstiger als Flugzeuge, können länger überwachen und gefährden das Leben des Piloten nicht. Die Träger sind natürlich unverzichtbar für die maritime Machtprojektion und Spezialeinheiten gegen Terroristen und Piraten sehr viel wirkungsvoller. Weiter wäre für die USA wichtig, den Ausbildungsstand der Army anzuheben, der meiner Erfahrung nach in manchen Einheiten nicht besonders hoch ist und die veralteten Gewehre der M-16/M-4 Reihe zu ersetzten. Auf der anderen Seite sollte die EU, insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien seine Truppen aufstocken und enger zusammenarbeiten, um in der Lage zu sein, einen Teil der Verantwortung, die die USA zur Zeit trägt zu übernehmen. Wenn wir nicht wollen, dass die USA auch in Zukunft diktieren, wie Weltpolitik gemacht wird, werden wir, ob das jetzt einigen gefällt oder nicht, auch unser militärisches Potenzial ausbauen müssen - Deutschland wird es sogar stark ausbauen müssen.
puqio 26.01.2012
4. Unrecht
Zitat von Deutscher__MichelDrohnen sind so ziemlich die perverseste Art "Krieg" zu führen. Ohne Gefahr kann man fast bliebig Menschen töten und die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Militär ist nicht möglich (wie die Toten zeigen)
Nicht nur das. Unschuldige Menschen automatisiert umbringen zu lassen, ohne Anklage, ohne Gerichtsverhandlung, ohne Verteidigung, einfach beliebig zu morden widerspricht dem Christentum, dem Grundgesetz und der westlichen Moral und ist Terror pur. Wir stellen uns damit alle - die nicht dagegen protestieren - auf die Stufe von gewissenlosen Kriminellen. Und wir haben nichts mehr in der Hand um andere Terroristen zu verurteilen und uns über die Axt des Bösen zu beschweren, weil wir sie schwingen. Ich schäme mit für den Westen.
chramb 26.01.2012
5. Aber...
Zitat von eva1811Die Armee der Zukunft liegt wohl in der Drohnen- und Stealthtechnologie inkl. des Schwerpunkts auf die Spezialeinheiten der Armee, da auch ein Aspekt Vermeidung von Gefallenen Soldaten und Kriegsversehrten ist. Nun es zeigt das auch im Militär hier große Potentiale liegen und die Schlachtenführungen der Geschichte immer noch eine Rolle spielen, aber nur in der Strategieführung. Wer weiss, vielleicht gibt es doch bald auch noch eine Laserbewaffnung ala Goldeneye?? oder gibt es die schon?? Das Militär steht auch im Wandel und die Kriegsführung von morgen ist wohl auch ein effizienteres Zuschlagen und gezieltere Pointes (was Drohnen und Stealth evtl. sogar Laser bieten und noch andere Möglichkeiten, evtl. Verbesserungen oder Innovationen neuer Techologien Nano?? Cyber oder so??), so das man nicht in langjährige kostenzehrende und menschenopfende "Scharmützel und Kriege" verwickelt wird. Die Militärindustrie ist ein Jobfaktor und Macher und birgt vielfältige Möglichkeiten und Neuerungen (evtl. vielleicht sogar ein neuer Typus der noch top secret ist oder gar going green Army??)
Mann kann keine Territorien nur aus der Luft beherrschen z.B. Lagerstätten mit was auch immer. Der einzige Vorteil ist das man nun "effektiv" 24/7 Krieg betreiben kann, den die Piloten der verschiedenen Waffen, egal ob nun Drohne, Robo-Panzer etc. sitzen gemütlich im Trockenen und arbeiten im Schichtdienst, auch die Anforderungen an das Personal sind geringer. Da kann dann auch der T4 gemusterte als "Jagdflieger" genutzt werden. Der einzige "Vorteil" scheint mir das Gegner die nicht über ein solches Waffenarsenal verfügen eventuell schneller aufgeben, wer will schon immer nur gegen "Roboter" kämpfen, oder von denen getötet werden.
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