Rüstungstechnik London will Wartung von Hightech-Waffen privatisieren

Kampfflugzeuge und Panzer sollen in Großbritannien bald von einer Privatfirma gewartet werden - das plant die Regierung in London. Jetzt droht Ärger mit den USA: Die Amerikaner wollen verhindern, dass geheime Technologie in falsche Hände gerät.

Wartung britischer Eurofighter-Kampfjets in Libyen: London will Ingenieurstruppe privatisieren
REUTERS

Wartung britischer Eurofighter-Kampfjets in Libyen: London will Ingenieurstruppe privatisieren


London - Das britische Militär steht unter Kostendruck, die Regierung will die Verteidigungsausgaben um Hunderte Millionen Pfund kürzen - und dabei offenbar auch an brisanten Stellen sparen. Schon 2010 wurde im "Strategic Defence and Security Review" angekündigt, die sogenannte Defence Support Group (DSG) zu privatisieren. Die DSG ist eine 2800-köpfige Truppe aus hochqualifizierten Ingenieuren, verantwortlich für die Wartung und den Einkauf von Waffensystemen wie Kampfflugzeugen, Panzern und Truppentransportern.

Wie der britische "Observer" jetzt schreibt, wird in wenigen Tagen die offizielle Ausschreibung zur Privatisierung der DSG herausgegeben - doch dagegen regt sich immer schärferer Widerstand. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf geheime Dokumente des Londoner Verteidigungsministeriums, dass die britische Armee "verständlicherweise nervös" über den Verkauf der DSG sei. Auch die US-Regierung habe erhebliche Vorbehalte gegen den Deal. In den Dokumenten heiße es, Washington befürchte den Verlust wertvollen Know-hows und sogar militärischer Geheimnisse.

Die USA sind traditionell selbst gegenüber engsten Verbündeten äußerst restriktiv, was die Herausgabe militärischer Technik betrifft. Scharfe Exportrichtlinien haben Technologietransfers nicht selten zu einem quälend langsamen Prozess gemacht. Das änderte sich erst 2007, als Großbritanniens damaliger Premier Tony Blair mit der US-Regierung von George W. Bush einen Vertrag zur engeren Zusammenarbeit im Rüstungssektor abschloss. Dadurch konnten Technologien, die etwa im Kampf gegen Terroristen wichtig waren, deutlich schneller und ohne Exportlizenz ausgetauscht werden. Die britische Regierung musste sich im Gegenzug verpflichten, amerikanische Technologie geheim zu halten und gegen Diebstahl zu sichern.

Die Briten nutzen auch Technologie europäischer Partner

In den Dokumenten des britischen Verteidigungsministeriums ist laut dem Bericht des "Observer" nun die Rede von "bedeutenden Problemen im Hinblick auf geistiges Eigentum". Im schlimmsten Fall könnte der künftige DSG-Eigentümer den Zugang zu wichtigem Know-how verwehren, so dass die Dienstleistungen nicht mehr stattfinden und lebenswichtige Ersatzteile nicht mehr an die Armee geliefert werden könnten.

Die Dokumente enthielten auch die Warnung, dass die US-Regierung den Verkauf der DSG blockieren könnte, unter Verweis auf die Bestimmungen des internationalen Waffenhandels.

Der Verlust von Know-how könnte auch in Europa Sorgen auslösen. Denn die britischen Streitkräfte nutzen keineswegs nur britische und amerikanische Technologie, sondern auch Systeme europäischer Partner, darunter die gemeinschaftlich entwickelten Kampfflugzeuge "Tornado" und "Eurofighter".

mbe



insgesamt 29 Beiträge
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gerd.lt 15.12.2013
1. Privatisierung
Wer das Gewaltmonopol des Staates privatisiert, gibt sich als Staat auf. Was man alles von der Cameron-Insel hört erweckt den Eindruck, die Briten müssen sich grundsätzlich neu sortieren. Für alles was Geld kostet ist für Cameron die alleinige heilbringende Lösung - die Privatisierung. Die ständigen Querschüsse gegen Europa sollen von seinen inneren Problemen ablenken. Da sich die Mitgliedschaft in der EU, die ihm ja auch zu teuer ist, nicht privatisieren lässt, sollte Cameron mit seiner Insel eine Auszeit nehmen, damit Europa endlich weiter kommt. Wenn dann die Auszeit die britischen Probleme weiter verstärkt hat, können sie ja zurück in die EU, dann aber unter normalen, für alle gültigen Bedingungen.
mielforte 15.12.2013
2. Google machts vor, warum nicht auch den Krieg privatisieren?
Denn ein Krieg bedeutet riesen Gewinne für wenige und großes Leid für viele. Eigentlich ist ja der Krieg eine private Angelegenheit, denn keine Gesellschaft setzt sich freiwillig diesem Wahnsinn aus. Es geht um Einzelinteressen, um Privatinteressen. Deshalb der Vorstoß der Engländer. Eigentlich kann einem nur noch schlecht werden.
Asturaetus 15.12.2013
3. Prima Idee
Die Briten wissen halt wie es geht. Da kann man sich noch von was abgucken. Wie besser könnte man denn die Abrüstung der eigenen Streitkräfte vorantreiben als durch das Outsourcing möglichst vieler Kompetenzen in die freie Wirtschaft. Da wird dann zum Vorteil der eigenen Shareholder bis zum äußersten "kostenoptimiert". Wenn dann in logischer Konsequenz letztlich alles zusammenbricht und gar nicht mehr läuft, darf man dann von Seiten der Regierung nur nicht inkonsequent sein und muss dann auch wirklich die Finanzierung des Miskonstrukts einstellen. Und schwups ist man den Kostenpunkt eines eigenen stehenden Heers los.
politik-nein-danke 15.12.2013
4. geniale idee
und wenn dann irgendwo überm meer der flieger ins wasser fällt oder in der wüste der panzer verreckt und die besatzung stirbt...dann schreiben sich am ende 3 jahre die juristen briefe über vertragsinhalte und keiner war es gewesen...
hairforce 15.12.2013
5. Tip
Zitat von sysopREUTERSKampfflugzeuge und Panzer sollen in Großbritannien bald von einer Privatfirma gewartet werden - das plant die Regierung in London. Jetzt droht Ärger mit den USA: Die Amerikaner wollen verhindern, das geheime Technologie in falsche Hände gerät. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/militaertechnik-briten-wollen-wartungstruppe-dsg-privatisieren-a-939212.html
England sollte Kampfflugzeuge, Panzer und sonstiges militärisches Gerät allein schon aus Kostengründen in China warten lassen. Was man da Geld spart ist kaum in Worten auszudrücken. Die würden die Ware kostenlos abholen.
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