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Militärtechnik: Zwischen Pinocchio und Iron Man

Foto: Natick Soldier Research/ Development and Engineering Center

Militärtechnologie US-Armee lässt "Iron Man"-Kampfanzug entwickeln

Iron Man ist eine Comic- und Filmphantasie - was das US-Militär freilich nicht davon abhält, eine ähnliche Rüstung für seine Elitesoldaten entwerfen zu lassen. Der "Talos"-Anzug soll seinen Träger vor Kugeln schützen und ihm übermenschliche Kräfte verleihen.

Mitunter, so scheint es, lässt man sich bei der US-Armee zuerst eine schöne Abkürzung für ein Projekt einfallen - um sich erst danach auszudenken, wofür genau sie stehen könnte. "Talos" dürfte dafür ein Beispiel sein. In der griechischen Mythologie gibt es einen bronzenen Riesen dieses Namens, der Kreta vor Feinden beschützte. Jetzt lässt das US-Militär den "Tactical Assault Light Operator Suit" entwickeln, dessen Anfangsbuchstaben sich auf wundersame Weise ebenfalls zu "Talos" addieren. Und tatsächlich: Es handelt sich um einen Kampfanzug, der sich zur stählernen Rüstung verwandeln kann, um seinen Träger vor feindlichem Beschuss zu schützen.

Die Geschichte der Versuche, mit Hightech-Kampfanzügen Soldaten in Supermänner zu verwandeln, ist ebenso lang wie bisher erfolglos. Bisher hat das US-Militär es kaum geschafft, den Fußsoldaten wie gewünscht mit elektronischen Hilfssystemen auszustatten und mit der Kommandozentrale zu vernetzen - obwohl derartiges seit den frühen neunziger Jahren versucht wird. Ein System wie "Talos" wirkt da wie der Versuch, den dritten Schritt vor dem ersten zu tun.

Die US-Armee lässt sich davon freilich nicht beirren: Das für Spezialeinsätze zuständige Special Operations Command (Socom) hat in einer Ausschreibung  dazu aufgerufen, Ideen für das "Talos"-Projekt einzureichen. Das Ziel ist die Konstruktion eines Exoskeletts, das dem Soldaten das Tragen schwerer Ausrüstung erlaubt, ihn mit elektronischen Helfern ausstattet, Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Temperatur und Flüssigkeitsversorgung überwacht und ihn obendrein vor feindlichen Kugeln schützt.

Letzteres soll durch eine "flüssige Panzerung" erreicht werden, die ein wenig an den Actionfilm "Terminator 2" erinnert: Eine spezielle Flüssigkeit in dem Anzug soll sich binnen Millisekunden verfestigen, indem man ein Magnetfeld oder eine elektrische Spannung anlegt. Nach Angaben der US-Armee arbeiten Forscher des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) an diesem Teil des Projekts.

"Es ist eine fortschrittliche Rüstung", sagte Karl Borjes vom Research, Development and Engineering Command der US-Armee. Sie enthalte außerdem Kommunikationsgeräte und Sensoren. Und: Schon im Sommer 2014 soll ein erster Prototyp vorgestellt werden.

Allerdings scheint "Talos" nicht überall für Euphorie zu sorgen. "Das wird ein aufgerüsteter Pinocchio", lästerte Scott Neil, ehemaliger Master Seargeant der US-Spezialkräfte und Träger des Silver-Star-Ordens, gegenüber der US-Zeitung "Tampa Tribune". "Jetzt kann ein Kommandeur einen Affen in einen Anzug stecken und uns auffordern, Maschinengewehrfeuer, Sprengfallen und schlechte Geheimdienstinformationen zugleich zu überleben. Und wenn man in dem Anzug stirbt, kann man gleich auch in ihm begraben werden."