50 Jahre Mondlandung "Ziemlich felsige Gegend"

Acht Tage dauerte die bis dahin weiteste Reise der Menschheit. Im Funkverkehr der Mission Apollo 11 wurde nicht nur über Wissenschaft gesprochen. Ein Protokoll.

Apollo-11-Astronaut Edwin "Buzz" Aldrin neben der US-Flagge auf dem Mond: Der Kaffee ist "nicht brühend heiß, aber warm"
NASA/ EPA/ pa/ DPA

Apollo-11-Astronaut Edwin "Buzz" Aldrin neben der US-Flagge auf dem Mond: Der Kaffee ist "nicht brühend heiß, aber warm"


Tausende Zuschauer jubeln am 16. Juli 1969 rund ums Cape Kennedy in Florida, als sich um 9:32 Uhr Ortszeit die 110 Meter hohe Saturn-V-Rakete mit Michael Collins, Buzz Aldrin und Neil Armstrong an Bord des Raumschiffs "Columbia" dröhnend in den Himmel schiebt.

Ein Bilderbuchstart für die Mission "Apollo 11", die erstmals Menschen auf den Mond bringt. Doch bis zu Armstrongs berühmtem kleinen Schritt ist es noch ein weiter Weg. Ein Protokoll der acht bedeutenden Tage bis zur Landung zurück auf der Erde.

16. Juli: Nach knapp 12 Minuten erreicht das Raumschiff den Erdorbit. In einer letzten Beschleunigungsphase schießt die Saturn V in Richtung Mond. Die Reste der Rakete werden abgeworfen, das Raumschiff und die Landesonde "Eagle" fliegen weiter. Das Raumschiff und das Landegerät "Eagle" fliegen weiter. Damit es nicht einseitig von der Sonne erhitzt wird, dreht sich das Raumschiff mit drei Umdrehungen pro Stunde um die eigene Achse wie ein Brathähnchen - die US-Raumfahrtagentur Nasa spricht von "Barbeque technique".

17. und 18. Juli: Gut gelaunt, so klingt es jedenfalls im Funkverkehr, bereiten die drei Astronauten die Annäherung an den Mond vor. Nennenswerte Probleme gibt es nicht, die Crew kann bis zu 10 Stunden pro Nacht schlafen. Nicht alles, was das Team in Houston und die "Columbia"-Mannschaft in dieser Phase besprechen, ist hohe Wissenschaft. Es geht auch um profanere Fragen wie die Temperatur des morgendlichen Kaffees ("nicht brühend heiß, aber warm") oder - aus heutiger Sicht recht unspektakuläre - Beobachtungen zum Wetter auf der Erde. So gibt etwa Aldrin zu Protokoll, dass Großbritannien deutlich grüner sei als Spanien.

20. Juli: Die Landung rückt näher. Armstrong und Aldrin stellen sich, von Kabeln gehalten, in die Landefähre "Eagle" (deutsch: Adler), die über keine Sitze verfügt. Die Landefähre wird vom Mutterschiff abgekoppelt. Sie sei "der am komischsten aussehende Apparat, den ich je am Himmel sah", sagt Collins später. Er wird auf einer Umlaufbahn 111 Kilometer über dem Mond auf seine Kollegen warten.

Im Landeanflug gibt der Bordcomputer mehrfach Alarm - später stellt sich eine Überlastung als Ursache heraus. Houston gibt nach Beratungen Anweisung, die Fehlermeldungen zu ignorieren. Während des gut 12-minütigen Landemanövers funkt Armstrong: "ziemlich felsige Gegend". Der Autopilot fliegt die "Eagle" auf einen Platz voller Geröll zu, Armstrong korrigiert den Kurs und steuert einen ebenen Landeplatz an.

Um 15.17 Uhr Ortszeit empfängt die Nasa in Houston die ersten Worte eines Menschen von der Oberfläche eines fremden Himmelskörpers: "Maschinen aus. Houston, hier ist Tranquility Base. Der Adler ist gelandet". Jubel auf der Erde. "Ihr habt ein paar Leute fast blau anlaufen lassen, wir atmen wieder", funkt Mission Control zurück. Die Astronauten melden sich fortan als Tranquility Basis, benannt nach dem Landeplatz im Mare Tranquillitatis.

Sechseinhalb Stunden nach der Landung auf dem Mond und fast 110 Stunden nach dem Abflug von der Erde öffnet Armstrong die Luke der "Eagle". Die Oberfläche sei von einem feinen, geradezu puderhaften Material bedeckt, berichtet er von der Leiter aus.

Schließlich setzt er an, von der letzten Stufe zu hopsen. Ein kleiner Schritt sei das für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit, sagt Armstrong. Geschätzt mehr als eine halbe Milliarde Menschen schauen am Fernseher zu.

Aldrin beobachtet die Szene aus der "Eagle". Knapp 20 Minuten später steigt auch er herunter. "Schöne Aussicht", ist sein erster Eindruck. "Ist das nicht was? Herrliche Sicht hier", stimmt Armstrong ihm zu. Schließlich hat auch Aldrin seinen poetischen Moment: "Herrliche Trostlosigkeit".

Houston schaltet US-Präsident Richard Nixon auf den Mond durch. "Das muss der historischste Anruf sein, der je aus dem Weißen Haus getätigt wurde", sagt er und gratuliert den Astronauten.

21. bis 23. Juli: Gut 21,5 Stunden nach ihrer Landung zünden die beiden die Aufstiegsstufe der "Eagle" und verlassen den Mond. Zweieinhalb Stunden später dockt die Fähre wieder an der "Columbia" an. Aldrin und Armstrong kommen an Bord. Danach wird die "Eagle" abgedockt und zurückgelassen. Weitere rund sieben Stunden später zündet die "Columbia" den Antrieb für den Rückflug zur Erde.

24. Juli: Die Astronauten im kegelförmigen Kommandomodul dringen wieder in die Erdatmosphäre ein und landen im Pazifik. Wieder jubelt Houston, als Armstrong sich aus der gelandeten Kapsel meldet - mindestens so laut wie bei der Landung auf dem Mond.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, die Landefähre "Eagle" sei Nasa-intern auch "fliegendes Bettgestell" genannt worden. Tatsächlich wurde nur die Testversion der Landefähre, das Lunar Landing Training Vehicle so genannt. Wir haben den Fehler korrigiert und bedanken uns bei einem aufmerksamen Leser.

Fabian Albrecht, dpa/stu



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