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12. Mai 2019, 18:09 Uhr

Weltkriegsbomber

US-Soldaten graben in Münster nach verschollenem Flugzeug

Vor 74 Jahren stürzte ein US-Bomber über Münster ab. Der Co-Pilot blieb verschollen, fünf Besatzungsmitglieder starben. Nun suchen Soldaten nach ihren Überresten - um sie nach Hause zu bringen.

"Niemand wird zurückgelassen": Diese Regel gilt unter US-Soldaten selbst für die Toten. Eine eigens dafür eingerichtete Behörde sorgt dafür, die Überreste verschollener Soldaten zurück in ihre Heimat zu bringen, selbst nach Jahrzehnten. Derzeit suchen US-Soldaten und Archäologen im Norden Münsters nach dem Wrack eines B24-Bombers, der 1945 abgeschossen worden war. Fünf der neun Passagiere kamen dabei ums Leben, der Co-Pilot gilt seither als verschollen.

Erkennungsmarke, Zähne oder Schlüsselbein: Alles kann Hinweise auf die Identität der Toten liefern. Nach wem genau sie suchen, wollten die Soldaten nicht sagen, um keine falschen Hoffnungen bei den Hinterbliebenen zu wecken. Eine aufwendige Aktenrecherche habe sie zu dem Absturzort geführt. Dort sucht das 25-köpfige Team seit Ostern in der Nähe einer großen Durchfahrtstraße nach dem Wrack und menschlichen Überresten.

"Wir konzentrieren uns auf Abstürze", sagt Jan Rengert Elburg von der Abteilung DPAA (Defense POW/MIA Accounting Agency) mit Sitz in Ramstein in Rheinland-Pfalz. Die großen Wrackteile seien zwar nicht mehr zu finden, aber wie Archäologen durchsieben die Soldaten die Erde am vermuteten Absturzpunkt.

Die Soldaten hoffen, persönliche Gegenstände zu finden. Ein Volltreffer wäre die sogenannte Hundemarke aus Metall, mit der Soldaten eindeutig identifiziert werden können. Auch Teile des Helms, der Flakweste, andere Bekleidung oder Zahnteile könnten wichtige Hinweise liefern.

83.000 US-Soldaten gelten derzeit als vermisst

"Der Zahnstatus der Vermissten ist bekannt", sagt Elburg. Zudem liegen von den Oberkörpern der Soldaten Röntgenbilder vor. Bei der Einziehung gehörte das zum Standardprozedere, um die Soldaten auf Tuberkulose zu testen. Besonders die Aufnahme des Schlüsselbeins könnte entscheidend sein. Der Knochen ist von Mensch zu Mensch so unterschiedlich geformt wie ein Fingerabdruck. "Damit können wir die Vermissten identifizieren", erklärt Elburg.

Zudem ist ein DNA-Abgleich mit heute lebenden Verwandten möglich. Finden die Soldaten Knochenreste, werden diese in ein Labor auf Hawaii geschickt. Fällt der Abgleich positiv aus, können die Angehörigen die Überreste ihrer Angehörigen in den USA beisetzen.

Weltweit gelten derzeit 83.000 US-Soldaten als vermisst. Aus dem Zweiten Weltkrieg sind es noch etwa 22.000. Präsident Richard Nixon hatte nach dem Vietnamkrieg versprochen, dass alle Schicksale gefallener oder verschollener Soldaten geklärt werden. Die Angehörigen der Weltkriegsopfer forderten daraufhin eine Gleichbehandlung. Im Jahr 2010 gab der US-Kongress die entsprechenden Mittel frei, im vergangenen Jahr lag das Budget bei 131 Millionen Dollar.

Im Video: Auf der Suche nach verschollenen Piloten - Der Schicksalsfahnder

koe/dpa

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