Multimedia-Spezial So sank die "Titanic"

Die "Titanic" galt als Prunkstück des Schiffsbaus, an Bord lebten Reiche in Luxus neben armen Auswanderern. SPIEGEL ONLINE zeigt in einem Multimedia-Spezial, wie der Gigant von innen aussah - und wie er unterging.

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Auf den ersten Blick ist der Untergang der "Titanic" nur eine Schiffskatastrophe unter vielen. In der Rangliste der schlimmsten Dramen zur See landet sie nicht einmal unter den ersten zehn, in den Jahrzehnten danach ereigneten sich noch weit größere Unglücke. 1987 etwa kamen beim Untergang der philippinischen Fähre "Doña Paz" fast 4400 Menschen ums Leben, auf der "Wilhelm Gustloff" starben im Januar 1945 bis zu 9000 Flüchtlinge.

Doch die "Titanic" war etwas Besonderes: Sie war ein Mikrokosmos der Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts mit ihrem hochmütigen Technikglauben, ihren extremen sozialen Unterschieden und der ungenierten Zurschaustellung von Reichtum. Ihr Untergang wurde so zum Sinnbild für Hybris und tiefen Fall.

In der ersten Klasse wohnten unter anderem die vier reichsten Männer der Welt in Kabinen, die eher an Grandhotels erinnerten als an das Innere eines Schiffs. Ihnen standen ein Fitnessraum, ein beheiztes Schwimmbad und ein türkisches Bad zur Verfügung. Selbst auf einen Ausritt mussten sie nicht verzichten: Es gab an Bord ein elektrisches Pferd und ein elektrisches Kamel.

Zugleich fuhren nur ein paar Decks tiefer arme Auswanderer einer neuen Zukunft in Amerika entgegen - und die meisten von ihnen kamen nie an. Über die genauen Umstände des Untergangs streiten Fachleute und zahlreiche "Titanic"-Hobbyforscher bis heute. Sozialforscher etwa fanden in dem Unglück ein einzigartiges Beispiel für die Standfestigkeit gesellschaftlicher Normen: Selbst im Angesicht des sicheren Todes halten sich Menschen noch an Regeln.

Auch Ingenieure und Naturwissenschaftler beschäftigen sich weiterhin mit der "Titanic". Die neuste Theorie: Eine seltene astronomische Konstellation könnte zur Katastrophe beigetragen haben. Im Januar 1912 standen Sonne, Erde und Mond genau in einer Linie, zugleich waren sich Mond und Erde so nahe gekommen wie seit rund 1400 Jahren nicht mehr. Dadurch, schreiben der Astrophysiker Donald Olson von der Texas State University und seine Kollegen in der aktuellen Ausgabe des US-Magazins "Sky & Telescope", sei es zu starken Gezeitenkräften gekommen. Eisberge aus der Arktis, die normalerweise im flachen Wasser vor Neufundland und Labrador hängenbleiben, könnten dadurch ungewöhnlich weit nach Süden gelangt sein. Einer von ihnen könnte die "Titanic" versenkt haben.

Wie ging der Luxusdampfer unter, was nahm er mit auf den Grund des Nordatlantiks? Erkunden Sie die "Titanic" in zwei interaktiven Grafiken!

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W. Robert 25.03.2012
1. Mythos Titanic
Die Titanic war schon immer eine Metapher für den Zustand der Gesellschaft. Das hatte schon Goebbels bemerkt, der mit großem Eifer seinerzeit die Verfilmung des „Untergangs der Titanic“ betrieben hatte. Man konnte die „Dekadenz“ der angloamerikanischen Gesellschaft im Sinne des Nationalsozialismus propagandistisch ausnutzen. Allerdings war die Schilderung der Katastrophe wahrscheinlich zu drastisch gelungen, um sie dem deutschen Kinopublikum in der Endphase des Krieges zuzumuten, weshalb der besagte Film in den Archiven verschwand. Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass der (stark gekürzte) Propagandastreifen im kalten Krieg gelegentlich in der ARD zu sehen war. Immerhin ist es interessant, dass Camerons Neuverfilmung einige Elemente aus der alten Verfilmung direkt übernommen hat. https://en.wikipedia.org/wiki/Titanic_(1943_film)#Allegations_about_Titanic Wollte Cameron mit seiner weichgespülten Tragödie das Kinopublikum auf zu erwartende neue Katastrophen vorbereiten? Wie man sich erinnert war die Welt im Jahr 1997 im Gegensatz zu heute ein recht friedfertiger Ort. Auch der eigentliche Besitzer der Titanic, J.P. Morgan und dessen Nichtteilnahme an der Jungfernfahrt, beschwört in letzter Zeit allerlei Theorien herauf. In Krisenzeiten scheint die Titanic-Thematik jedenfalls verstärkt gefragt zu sein. Mythologisch betrachtet geht es ja darum, dass die angemaßten Halbgötter in den Tartaros („Hölle“) versinken. Über fast jeden Aspekt dieses fast schon apokalyptischen Untergangs wurden ja zahlreiche Bücher geschrieben. Die eigentliche Frage dahinter lautet wohl: Haben wir unsere Zukunft selbst in der Hand oder gibt es ein unentrinnbares Schicksal? Und werden wir beim Schicksal gelegentlich etwas geholfen? .-)
pförtner 25.03.2012
2. Wilhelm Gustloff
Für mich, der ich zusammen mit meiner Mutter, auf der Wilhelm Gustloff schon eingeplant war,ist die Versenkung der Gustloff durch ein russisches U-Boot, die weitaus schlimmere Katastrophe! Denn immerhin waren ca. 10 000 Menschen an Bord zusammengefercht. Zu einem Drittel waren es Kinder wie ich , im Alter von damals vier Jahren. Sie ertranken qualvoll kopfüber in ihren Schwimmwesten hängend in der eiskalten Ostsee. Nartürlich will ich hiermit nicht das Leid der auf der Titanic umgekommenen schmählern, sondern nur die Verhälznismässigkeit aufzeigen.
beutzemann 26.03.2012
3. >|-)
Zitat von sysopDer Untergang des Luxusschiffs "Titanic" entsetzte die Welt: Ein epochales technisches Großwerk, ein als unsinkbar gepriesener Ozeanriese geriet auf seiner Jungfernfahrt in Seenot und sank tatsächlich. Bis heute fasziniert das Unglück die Menschen, der Kinofilm über die Katastrophe wurde der erfolgreichste aller Zeiten. Was genau erregt bis heute die Welt an der Titanic? Warum wurde gerade sie zu einem Mythos?
Damit die Presse nach 100 Jahren noch etwas zu "schreiben" hat? ;-|
Dieter58 26.03.2012
4.
Verzeihung! Ich habe überhaupt nicht gerechnet! Oder ist die Schwere einer Katastrophe von der exakten Anzahl der Opfer abhängig? Nein, nicht zu vergleichen. Das eine war ein tragischer Unfall, das andere eine militärische Versenkung. Es war Krieg! Und in beiden Fällen sind die wenigsten Opfer ertrunken sondern im eisigen Wasser an Unterkühlung gestorben. Und auf der Titanic waren die wenigsten Passagiere "reich"... Aber kleine Leute geben keine Schlagzeilen her.
peddersen 26.03.2012
5.
....wahrscheinlich fehlt mir da ein Gen....aber ich kann bis auf einige normale Interessereflexe bei mir überhaupt nichts Titanic-affines feststellen. Selbst archäologiemäßig ist das ja völlig uninteressant - DAS Zeux, was da liegt, hat jeder von uns schon zigfach beim Dachboden ausmisten weggeworfen. Das ganze ist ein Medienhype von Anfang an - von der unwahren Blauen-band-Geschichte über die angeblich behauptete Unsinkbarkeit bis hin zum (Allerwelts)-unfall und den angeblich zu wenigen Rettungsbooten. Das ist nur wegen der drumrumerzeugten (meist falschen) Geschichten interessant. Nichtsdestotrotz gönne ich den Leuten ihre Unterhaltung. Aber man wird auch Leute finden, die hobbymässig alles dransetzen, irgend einen bestimmten Typ von Flugzeug nachzubauen, die rund um die Uhr hanoveranische Staatshandbücher durchforsten und sammeln oder die Geschichte der XXten Kavallerieregimenter bis zum Tagesbefehl von Weihnachten 1939 erforschen. Nicht mal DAS ist Titanic-spezifisch.
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