Nach Fukushima-Desaster Japan ordnet Stresstest für alle Atommeiler an

Es ist der Versuch, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzuerobern: Japans Regierung hat Stresstests für sämtliche AKW im Land angeordnet. Die Zeit drängt - 35 der 54 Meiler stehen still, das hat bereits zu Stromengpässen geführt. Ein konkreter Zeitplan für die Inspektionen fehlt jedoch.

Fischer vor dem AKW Monju: Atommeiler liefern 30 Prozent des Strombedarfs in Japan
REUTERS

Fischer vor dem AKW Monju: Atommeiler liefern 30 Prozent des Strombedarfs in Japan


Tokio - Mit allen Mitteln versucht die japanische Regierung derzeit, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Vier Monate nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami hat sie Stresstests angeordnet - für alle 54 Atomkraftwerke des Landes.

Wann die 35 derzeit stillgelegten Meiler wieder ans Netz gehen, hänge vom Ergebnis dieser Tests ab, teilte das japanische Handelsministerium am Montag mit. In einer ersten Phase solle geklärt werden, ob die derzeit heruntergefahrenen Reaktoren massiven Erdbeben und Tsunamis standhalten können, sagte Ministeriumssprecher Yoshifumi Ohno.

Japan: Standorte der AKW
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Wann die Stresstests beginnen sollen, sagte Ohno allerdings nicht. Nur wenn die stillgelegten Meiler die erste Stufe eines neuen Sicherheitstests bestehen, sollen sie wieder in Betrieb genommen werden. In einer zweiten Stufe sollten dann alle Atomkraftwerke des Landes umfassenden Tests unterzogen werden.

Dass die Regierung darauf drängt, die Inspektionen der heruntergefahrenen AKW so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen, dürfte kaum verwundern: Die japanischen Kernkraftwerke decken rund 30 Prozent des Elektrizitätsbedarfs des Landes. Im Sommer erhöht sich der Strombedarf in Japan wegen der vielen Klimaanlagen rapide. Schon jetzt steigt die Temperatur örtlich auf fast 40 Grad im Schatten.

Um Stromausfälle zu vermeiden, ist die Bevölkerung aufgerufen, Energie zu sparen. Kürzlich hatte die Regierung in Tokio die Energie für Unternehmen und Fabriken rationiert. In Bahnhöfen, Bürogebäuden, Restaurants und anderen Orten bleiben daher viele Glühbirnen dunkel. Auch die privaten Haushalte wurden zum Stromsparen aufgefordert.

Als Japans Regierung vergangene Woche angekündigt hatte, die 35 stillgelegten Meiler baldmöglich wieder in Betrieb nehmen zu wollen, stieß sie auf Widerstände bei den umliegenden Gemeinden. Diese forderten schärfere Sicherheitsauflagen. Ende Juni hatte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA AKW-Staaten in die Pflicht genommen: Schärfere Kontrollen und Stresstests für Meiler sollten nach dem Willen der Behörde die Sicherheit der Atomkraftwerke erhöhen. Japan hatte sich zunächst gewehrt, lenkte aber schließlich ein.

Das Kraftwerk Fukushima-Daiichi war am 11. März von einem Tsunami schwer beschädigt worden. Nach einer Kernschmelze bemühen sich Techniker bis heute, die Lage in den Reaktoren unter zu Kontrolle zu bekommen. Nach der Havarie war Kraftwerksbetreiber Tepco für sein Krisenmanagement scharf kritisiert worden.

cib/dapd

insgesamt 90 Beiträge
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Hook_ 11.07.2011
1. ....
Stresstest mit einem möglichen Ausgang wie in Tschernobyl? Atomenergie ist doch sooo sicher, da brauchen wir sicher keine Angst zu haben. Auch wenn manche Befürworter meinen, ein bisschen Strahlung mehr ist nicht schädlich, keiner weiss wieviele Millionen Menschen *nur* durch die Fukushima-Geschichte im Laufe der Jahrzehnte/Hunderte/Tausende sterben werden an den direkten Folgen. All die Tiere, die die radiaktiven Substanzen in der Nahrungskette derweil hinrafft bis es bei uns ankommt, nicht mitgezählt. Leider ist das natürlich schlecht nachzuweisen, dass genau das Plutoniummolekül, welches nun zB. meinen Magen/Lungen/Darmkrebs auslöste, nun aus Fukushima stammt.
janne2109 11.07.2011
2. das Unwort
Stresstest ist das Unwort des Jahres. Stress ist eine Ausnahmesituation, Atommeiler auf alle evtl. Vorfälle zu prüfen gehört zu einer Selbstverständlichkeit, und so ist es mit vielen anderen Dingen auch die jetzt mit Stresstest belegt werden. ich kann das Wort nicht mehr hören, noch lesen.
thana 11.07.2011
3. ...
Warum gibt es neuerdings andauernd "Sresstests"? Diese Wortschöpfung gehört als Unwort des Jahres nominiert. Man kann die Dinger auch einfach prüfen, kontrollieren oder was auch immer. Das Neusprech machte die Tatsache auch nicht besser.
dacle 11.07.2011
4. Nach Fukushima ?
Ähm...wieso eigtnlich "Nach Fukushima". Die Katastrophe dort läuft doch noch oder? Wieso reden alle Leitartikelprintmedien plötzlich von "Nach Fukushima" - hab ich irgendwas verpasst? Ist doch nicht wahr, oder? Bitte verzerrt doch nicht die Realitäten! Nichts ist da vorbei und wenn ihr das suggeriert, wie zB. die FAZ, dann werdet ihr eurer Aufgabe nicht gerecht - die es nicht ist, diese verheerende Katastrophe für beendet zu erklären.
mdhp 11.07.2011
5. Ergebnis:
Das Ergebnis lautet (ja ich kann in die Zukunft sehen): Um die Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen werden - einige alte Meiler abgeschaltet (die sollten wahrscheinlich eh bald abgeschaltet werden) - es gibt kleinere Verbesserungen und man kann dann guten Gewissens behaupten die Kraftwerke seien sicher. Analog kann man das auf alle Kraftwerke und Regierungen Weltweit übertragen.
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