Neue Messmethode Abschied vom Urkilo

Das Urkilogramm in Paris verlor auf rätselhafte Weise Gewicht, deshalb suchten Forscher jahrelang nach einer Alternative. Nun gilt eine neue Definition.
Glaszylinder mit einer exakt ein Kilogramm schweren, hochreinen Siliziumkugel

Glaszylinder mit einer exakt ein Kilogramm schweren, hochreinen Siliziumkugel

Foto: Sven Hoppe/ DPA

Etwa 130 Jahre lang war der alte Metallzylinder das Maß der Dinge. Doch nun hat das Urkilogramm ausgedient. Der berühmte Klotz, der in einem Tresor bei Paris lagert, gibt nicht länger vor, wie schwer ein Kilogramm tatsächlich ist.

Ab heute wird ein Kilogramm mit Hilfe einer bestimmten Anzahl von Silizium-Atomen und zusätzlichen Faktoren festgelegt. Beschlossen wurde die Änderung bereits vergangenen November auf der Generalkonferenz für Maße und Gewichte in Versailles, in Kraft getreten ist sie erst jetzt.

Für die meisten Menschen ändert sich laut der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, die an der neuen Definition beteiligt war, aber nichts. Zum Stichtag bekam das Deutsche Museum in München symbolisch eine Siliziumkugel von PTB-Mitarbeitern geschenkt.

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Kilogramm neu definiert: Das Maß der Dinge

Foto: AFP/ BIPM

Die neue Definition wurde notwendig, weil das Urkilogramm auf rätselhafte Weise stetig an Masse verlor - vermutlich mehr als 50 Mikrogramm. Das sei etwa so viel, wie ein Salzkorn wiege. "Für Menschen, die sich hauptberuflich mit dem Messen befassen und die versuchen, weltweit gleiche Maßeinheiten zu gewährleisten, ist das eine fast genauso große Katastrophe wie das Chaos im Mittelalter, als das Längenmaß Fuß je nach Schuhgröße des jeweiligen Königs variierte", heißt es vom Museum.

Das Kilogramm ist nur eine von mehreren Messeinheiten, die mittels Naturkonstanten - wie etwa Lichtgeschwindigkeit und Ladung des Elektrons - bestimmt werden. Auch die Sekunde (Zeit), der Meter (Länge), das Ampere (Stromstärke), das Kelvin (Temperatur), das Mol (Stoffmenge) und die Candela (Lichtstärke) wurden zum 20. Mai neu definiert und damit genauer.

Ur-Kilogramm unter Glasglocken

Ur-Kilogramm unter Glasglocken

Foto: AFP

Bisher richteten alle Metrologie-Institute weltweit ihre nationalen Kilo-Prototypen an "Le Grand K" ("das Große K") aus, einem Zylinder aus 90 Prozent Platin und zehn Prozent Iridium. Er wird unter drei Glasglocken beim Internationalen Büro für Maße und Gewichte (BIPM) im Pariser Vorort Sèvres aufbewahrt.

Das Kilogramm definiert sich nun nach der vom Begründer der Quantenphysik, Max Planck, eingeführten Planck-Konstante (h). Diese entspricht dem Verhältnis von Energie und Frequenz eines Photons.

Auch wenn das Urkilo seine Bedeutung verloren hat, bleibt es laut BIPM an seinem Platz - es hat allerdings künftig nur noch als Museumsstück Gewicht.

joe/AFP/dpa