Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Mumienpuzzle mit Moorsäure gelegt

Vor 500 Jahren war es das New York Kanadas: Ausgrabungen der früheren Stadt Mantle versetzen Archäologen in Indiana-Jones-Stimmung. Außerdem im Wochenrückblick: In Mexiko City wurde ein Gräberfeld von elf Kindern entdeckt - und Goldmünzen, versteckt von einem Kreuzritter.
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Mexiko City: Gräber von elf Kleinkindern entdeckt

Foto: INAH/ Héctor Montaño

Unter den Straßen von San Simon Pochtlan, einem Stadtteil von Mexiko City, haben Archäologen einen gruseligen Fund gemacht. Sie entdeckten die Gräber von elf Kleinkindern. Zwischen 1200 und 1300 n. Chr. wurden sie hier mit reichen Grabbeigaben beigesetzt.

Damals lebten im Tal von Mexiko die Tepaneken, ein Vorläufervolk der Azteken. Dort, wo sich heute der Stadtteil San Simón Pochtlan befindet, siedelte eine Elitegruppe der Tepaneken - die Händler, pochtecas genannt. Zu ihnen gehört wahrscheinlich das Gräberfeld. Ganz in der Nähe befinden sich die Ruinen eines religiösen Gebäudes.

Die Ausgräber gehen davon aus, dass die Kindergräber zu diesem zeremoniellen Gebäudekomplex gehören. Bei den Kindern lag auch das Skelett einer etwa 25 Jahre alten Frau. Sie war reich geschmückt mit Ohrringen, einem Armband aus Obsidian und weiteren Schmuckstücken. Die Grabbeigaben der Kinder waren dagegen zumeist ganz anderer Natur. In ihren Gräbern lagen Schüsseln, Pfannen und Geräte zum Räuchern von Fisch.

Die Tepaneken dominierten die Region, bis der aztekische Dreibund an die Macht kam, aus dem später das Aztekenreich hervorging. Die kulturelle Verwandtschaft ist eng, so sprachen beispielsweise sowohl die Tepaneken als auch die Azteken die Sprache Nahuatl.

+++ Indianer-Großstadt am Lake Ontario +++

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Archäologie: Indiana-Jones-Momente am Ontario Lake

Foto: Archaeological Services Ontario

Vor 500 Jahren war es das New York Kanadas: Mantle am Nordufer des Lake Ontario. Zwischen 1500 und 1530 lebten hier die Huron-Wendat - und zwar sehr viele davon. Die Ergebnisse der Ausgrabungen dieser kanadischen "Megacity" werden jetzt veröffentlicht: Die Archäologen fanden 98 Langhäuser, eine dreireihige Verteidigungspalisade und rund 200.000 Artefakte.

"Dies ist ein Indiana-Jones-Moment, dies ist groß!", jubelt Ausgräber Ron Williamson. Die Forscher gehen davon aus, dass in Mantle zwischen 1500 und 1800 Menschen lebten, deren Felder eine Fläche bedeckten, die in etwa so groß ist wie das heutige Manhattan. Allein um sich zu kleiden, benötigten die Einwohner jährlich 7000 Hirschfelle - um diese zu beschaffen, mussten sie in einem Radius von rund 40 Kilometern um die Stadt jagen gehen. Die Artefakte deuten auf rege Handelsverbindungen mit den Irokesen im Süden hin.

Das ist erstaunlich, weil die Wendat-Huron und die Irokesen bisher als bis aufs Blut verfeindet galten. Aus der Zeit vor der Blüte von Mantle gibt es in ganz Ontario, New York, Michigan und Quebec Belege für schlimme Kriege, in denen das Skalpieren und Foltern der Feinde an der Tagesordnung war. Doch die Leute von Mantle handelten offenbar nicht nur mit den ehemaligen Feinden. Auch die ersten Objekte, die von Europäern stammen - zwei Kupferperlen und eine eiserne Axt -, sind rund hundert Jahre älter als die ersten dokumentierten Europäer in der Great-Lakes-Region und kamen wahrscheinlich durch Handel in die Stadt.

+++ Mumienpuzzle unter dem Fußboden +++

Die Bewohner der Siedlung Cladh Hallan auf South Uist, einer Insel der Äußeren Hebriden vor der rauen Westküste Schottlands, hatten Totenbräuche, die uns heute äußerst seltsam anmuten. Zunächst legten sie die Toten etwa sechs bis 18 Monate lang ins Moor - gerade so lang, dass die Weichteile durch die Moorsäure gegerbt, die Knochen dabei jedoch kaum demineralisiert wurden. Dann holten sie die Leichen wieder ans Tageslicht und bewahrten sie weitere 300 bis 600 Jahre an einem warmen und trockenen Ort auf.

Aus dem, was dann noch übrig war, puzzelten sie Mumien zusammen. Die wickelten sie fest in Leinentücher, damit die mittlerweile einzelnen Knochen auch gut zusammenhielten, und vergruben sie unter dem Fußboden der Wohnhäuser. Die Untersuchung einer dieser Mumien haben die Forscher um Mike Parker Pearson von der Sheffield University jetzt in der Augustausgabe des Journal of Archaeological Science vorgestellt. Die Leiche besteht hauptsächlich aus einer Frau, die etwa 40-jährig um das Jahr 1300 v. Chr. starb. Auch entdeckten die Wissenschaftler Einzelteile von sechs weiteren Individuen. In der Hand hält die Mumie zwei Schneidezähne, die nach dem Tod aus ihrem Kiefer entfernt wurden.

Offenbar wurde die Mumifizierung von Leichen um 1500 v. Chr. in Britannien populär. In jener Zeit entstanden landwirtschaftliche Systeme, die durch kommunalen Großgrundbesitz gekennzeichnet waren. "Das Landrecht basierte wahrscheinlich auf Erbschaft", vermutet Parker Pearson. Die Vorfahren "in Fleisch und Blut" zu besitzen, hatte vielleicht ebensolche Bedeutung wie heute offizielle Urkunden auf Papier.

+++ Schatz der Kreuzfahrer +++

Im Jahr 1265 belagerten die Mamluken des Sultans Baibars I. die Festung Arsuf, um blutige Rache für eine verlorene Schlacht 80 Jahre zuvor zu nehmen. Während des Dritten Kreuzzugs hatte hier am 7. September 1191 König Richard Löwenherz die Truppen des Saladin vernichtend geschlagen. Nun war die Gelegenheit für Vergeltung gekommen.

Die Mamluken belagerten 40 Tage lang die Festung. Es wird wohl in den Tagen der Belagerung gewesen sein, als einer der Kreuzritter 108 Goldmünzen in einen Tontopf füllte und diesen unter einem gefliesten Fußboden der Festung vergrub. Sollte das Kreuzfahrerheer wieder siegreich sein oder zumindest er selbst den Kampf unbeschadet überstehen, so könnte er den Schatz später wieder ausgraben. Doch es kam anders. Die Mamluken eroberten die Festung und zerstörten sie für immer.

Jetzt haben Archäologen den Goldschatz des Kreuzfahrers gefunden. Die Münzen waren zum Teil schon sehr alt, als sie vergraben wurden - einige sogar 250 bis 300 Jahre. Sie stammen von so unterschiedlichen Orten wie Alexandria oder Tripolis. Auch heute noch ist der Schatz von enormem Wert. Auf dem Markt könnten die Golddinare bis zu einer halben Million US-Dollar einbringen.

+++ Demeter-Gottesdienste mit Musik +++

Bei den Gottesdiensten der griechischen Göttin Demeter ging es fröhlich zu. Vasendarstellungen zeigen, wie ihre Anhänger zu Ehren der Göttin der Fruchtbarkeit musizieren und tanzen.

Jetzt haben Archäologen in einem neu entdeckten Demetertempel in der Stadt Selinunt auf Sizilien erstmals einen direkten Beleg für diese musikalischen Gottesdienste gefunden: eine Flöte aus Knochen. Sie stammt aus dem Jahr 570 v. Chr. Der Tempel gehört zu den ältesten Gebäuden Selinunts, das im 7. Jahrhundert v. Chr. von den Dorern gegründet wurde. Der Boden um Selinunt war besonders fruchtbar und die Stadt berühmt für ihren besonders guten Weizen. Kein Wunder also, dass Demeter als Göttin der Fruchtbarkeit der Erde, des Getreides, der Saat und der Jahreszeiten dort besonders verehrt wurde.

Außerdem entdeckte das Team um Clemente Marconi von der New York University noch einen Säulengang, der wahrscheinlich noch älter ist als der Tempel: Keramikscherben in der Umgebung stammen aus den Jahren um 650 v. Chr.

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