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24. Januar 2012, 13:00 Uhr

Niederlande

Bau des Atomkraftwerks in Borssele verschoben

Das umstrittene Atomkraftwerk Borssele II wird vorerst nicht gebaut. Der niederländische Stromkonzern Delta hat die Pläne auf Eis gelegt. NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft begrüßte die Entscheidung.

Keine 200 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt sollte ein neues Atomkraftwerk entstehen. Doch jetzt wurden die Pläne für den Bau eines zweiten Kernkraftwerks im niederländischen Borssele auf Eis gelegt. Der niederländische Stromversorger Delta teilte auf seiner Website mit, man habe das Projekt für zwei bis drei Jahre ausgesetzt. Für Bau des AKW war auch der deutsche RWE-Konzern als Partner im Gespräch gewesen.

Als Gründe nannte Delta die derzeit niedrigen Energiepreise, die Unsicherheit über die Zukunft des europäischen Emissionshandels und das durch die aktuelle Finanzkrise ungünstige Investitionsklima. "Zusätzlich ist die Überkapazität der Stromproduktion durch die Rezession noch gestiegen", hieß es in der Mitteilung des Unternehmens. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert eine Sprecherin mit der Aussage, dass das neue AKW zwischen fünf und sieben Milliarden Euro gekostet hätte.

Für die Regierung in Den Haag ist die Entscheidung ein Rückschlag, da sie aktiv für den Ausbau der Atomenergie eintritt. Derzeit existiert in den Niederlanden nur ein AKW. Die Anlage in Borssele, an der Delta zu 70 Prozent und RWE zu 30 Prozent beteiligt sind, soll noch bis 2033 in Betrieb sein. Das Kraftwerk Borssele II sollte nach bisherigen Plänen ab 2020 Strom liefern und eine Leistung von bis zu 2500 Megawatt besitzen.

Der geplante Bau des AKW hatte in Deutschland zu Protesten von Atomkraftgegnern geführt. NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) begrüßte die Entscheidung zur Verschiebung des Neubaus. "Wenn dort etwas passiert", sagte sie", "ist auch Nordrhein-Westfalen gefährdet."

Auch der Düsseldorfer Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) hatte zuvor von "unvertretbaren Risiken" gesprochen. Käme es zu einem schwerwiegenden Unfall, zöge eine strahlende Wolke mit dem Westwind in nur sechs Stunden über das dicht besiedelte Ruhrgebiet. Remmel hatte in einem Schreiben an die Beschwerdestelle im niederländischen Voorschoten auf die Gefahren hingewiesen und eine "intensive Prüfung von Alternativen" bei der Energiegewinnung angemahnt.

mbe/Reuters

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