Klimafreundliche Technik Schwedische Reederei plant Segelfrachter

40 Tonnen Brennstoff pro Tag: So viel verbraucht ein einziges Autotransportschiff. Eine schwedische Firma will nun einen emissionsfreien Frachtsegler auflegen - mit 80 Meter hohen Masten.
Grafik des geplanten Frachtseglers "Oceanbird"

Grafik des geplanten Frachtseglers "Oceanbird"

Foto: Wallenius Marine

Was für Autos an Land gilt, gilt auch für die Schifffahrt: Neue Antriebe müssen her, um den enormen CO2-Fußabdruck des Transportwesens zu verkleinern. Die gesamte Schifffahrt ist für mehr als zwei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Damit bläst der Antrieb von Schiffen ungefähr so viel CO2 in die Luft wie ganz Deutschland.

Ein Autotransportschiff, von dem derzeit einige Hundert auf den Weltmeeren unterwegs sind, verbraucht etwa 40 Tonnen fossilen Brennstoff - pro Tag.

Die naheliegendste Idee klingt dabei wie ein Rückschritt in die maritime Historie: Wind. Dass Segel-Frachtschiffe die Welt zuverlässig mit Waren versorgen können, will nun eine schwedische Reederei beweisen. Das Unternehmen "Wallenius Marine" plant mit einigen Partnern den "Oceanbird" .

Das Schiff soll eine Länge von 200 Metern haben, es wird mit fünf Masten bestückt, die jeweils 80 Meter hoch sind. In einer früheren Projektphase hatten die Ingenieure mit nur vier Masten geplant. Die Flügelsegel aus Metall und einem Verbundwerkstoff werden bei starkem Wind ihre Fläche reduzieren und auf 50 Meter eingefahren. Sie sollen sich um 360 Grad drehen können.

Das Schiff soll 7000 Autos transportieren können. Bisher konzentrieren sich die Planer vor allem auf die Nordatlantikroute. Dort wäre das Schiff mit rund zehn Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit aber langsamer als konventionelle Schiffe. Es würde für die Atlantikdurchquerung etwa zwölf Tage benötigen und wäre damit vier Tage länger unterwegs als vergleichbare RoRo-Schiffe (Roll on Roll off), die üblicherweise für den Autotransport eingesetzt werden. Ganz ohne Motor wird die "Oceanbird" ohnehin nicht auskommen. Er soll für Hafenmanöver oder Phasen mit wenig Wind zur Unterstützung eingesetzt werden.

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Laut den Entwicklern, zu denen auch Experten der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm (KTH) gehören, spart der Frachter unter Segeln 90 Prozent CO2-Emissionen im Vergleich zu klassischen Motorschiffen.

Noch müssen die Entwickler einige Hürden überwinden. Zu den größten Herausforderungen des Projekts gehört die Konstruktion der Segel, heißt es in einem Bericht . Wegen der großen Höhe treten durch den Wind oben starke Kräfte auf, das müsse bei der Berechnung berücksichtigt werden. Auch das Zusammenspiel mit dem Rumpf sei schwierig. Wegen seiner Größe müsse die Neigung - Segler sprechen von Krängung - gering gehalten werden.

Tests mit Schiffsmodell

Derzeit forschen die Techniker an einem sieben Meter langen Modell, dass per Fernsteuerung kontrolliert wird. An vier Masten sollen die Segel in einem kleineren Maßstab erprobt werden.

Dennoch ist die Reederei zuversichtlich, dass das Schiff in vier Jahren vom Stapel laufen kann. Das Projekt hat bereits Fördermittel vom schwedischen Staat in Millionenhöhe eingesammelt.

An umweltfreundlichen Lösungen für Transportschiffe arbeiten auch andere Firmen. Der Autokonzern VW hatte vor einigen Jahren ebenfalls angekündigt, ein 170 Meter langes Cargo-Segelschiff zu entwickeln. Derzeit betreibt der Konzern aus Wolfsburg zwei Frachtschiffe, die mit Erdgas statt Schweröl fahren. Auf eine andere Technik setzt das SkySails-System. Dabei wird ein Zugdrachen eingesetzt, der klassische Schiffe mit Motorantrieb zieht und so Kraftstoff spart.

joe