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13. April 2012, 15:45 Uhr

Nach Fukushima

Japans Regierung erwägt ersten AKW-Neustart

Der Strom wird knapp: In Japan läuft nur noch ein Kernkraftreaktor - und auch der wird im Mai heruntergefahren. Die Regierung hat sich jetzt für den Neustart von zwei Reaktoren im Westen des Landes ausgesprochen.

Tokio - Kansai Electric könnte als erster Konzern in Japan gut ein Jahr nach der Fukushima-Katastrophe wieder zwei Atomreaktoren hochfahren. Japans Wirtschaftsminister Yukio Edano sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz, dass die Reaktoren 3 und 4 der Anlage Ohi für sicher genug erklärt wurden. Die Anlage befindet sich in der Präfektur Fukui an der Westküste Japans.

Seit einiger Zeit ist nur noch ein japanischer Atomreaktor am Netz, die anderen 53 sind heruntergefahren. Und auch der letzte Reaktor soll im Mai für Wartungsarbeiten abgeschaltet werden. Japan könnte daher ein Sommer mit massiven Stromengpässen bevorstehen. Die Regierung forderte die Bürger wiederholt auf, Strom zu sparen.

Die beiden Ohi-Reaktoren hätten die Sicherheitsprüfung prinzipiell bestanden. In Zukunft sollen alle AKW in Japan so ausgerüstet sein, dass sie schweren Naturkatastrophen wie dem Erdbeben und dem folgenden Tsunami vom 11. März 2011 standhalten können.

Viele Verbesserungen stehen noch aus

Diverse geforderte Sicherheitsmaßnahmen wurden jedoch noch nicht umgesetzt, hieß es vergangene Woche. Schutzmauern gegen Tsunamis, ein Krisenzentrum, das von solch einer Riesenwelle nicht geflutet würde und bessere Filteranlagen fehlten. Alle geforderten Maßnahmen umzusetzen, werde drei Jahre in Anspruch nehmen. Einige Experten befürchten deshalb, dass die Ohi-Reaktoren im Falle eine Katastrophe zu anfällig sind.

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist die Zustimmung zur Kernkraft in Japan gesunken. Laut einer Umfrage der Zeitung "Tokyo Shimbun" vom März wollten 44 Prozent der Japaner die Abhängigkeit von der Atomkraft allmählich reduzieren und dann ganz darauf verzichten.

Während Japans Regierung sich dafür einsetzt, wieder Reaktoren ans Netz zu bekommen, regt sich vor Ort meist Widerstand. Es wird erwartet, dass Wirtschaftsminister Edano in Kürze nach Fukui reist, um den Entscheidungsträgern und Bürgern dort den AKW-Neustart schmackhaft zu machen.

wbr/Reuters

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