Higgs-Ehrung ohne Cern Mitglied der Nobelpreis-Akademie kritisiert Entscheidung

Die Vergabe des Physik-Nobelpreises stößt auf Kritik: Nicht nur die Forscher Higgs und Englert, sondern auch die zahlreichen Wissenschaftler am europäischen Forschungszentrum Cern hätten ausgezeichnet werden sollen, meint ein Mitglied der Jury.

Peter Higgs (rechts), Cern-Direktor Rolf Heuer (Mitte) und Physiker Francois Englert: Hätten mehr Physiker den Higgs-Preis erhalten sollen?
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Peter Higgs (rechts), Cern-Direktor Rolf Heuer (Mitte) und Physiker Francois Englert: Hätten mehr Physiker den Higgs-Preis erhalten sollen?


Die Entscheidung der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften, nur den Briten Peter Higgs und den Belgier François Englert mit dem diesjährigen Physik-Nobelpreis auszuzeichnen, wird nicht von allen Akademie-Mitgliedern gutgeheißen. "Ich denke, es ist falsch", sagte Akademiemitglied Anders Barany der Nachrichtenagentur AFP. Aus seiner Sicht hätte neben Higgs und Englert auch das europäische Forschungszentrum Cern mit dem Preis ausgezeichnet werden sollen, da es mit seiner Arbeit die Theorie von Higgs und Englert bewiesen habe.

Bei der Theorie geht es darum, wie subatomare Teilchen - also die Grundbausteine der Materie - ihre Masse erhalten. Dies wird mit einem unsichtbaren Feld erklärt, das die umherfliegenden Elementarteilchen abbremst. Die Elementarteilchen gewinnen dadurch an Masse, durch die Schwingungen in dem Feld werden wiederum sogenannte Higgs-Bosone, auch "Gottesteilchen" genannt, erzeugt. Die Theorie war vergangenes Jahr durch das Cern mit Hilfe des riesigen Teilchenbeschleunigers LHC mit hoher Wahrscheinlichkeit belegt worden.

Barany verwies auch darauf, dass die Preis-Jury das Cern im Zusammenhang mit den Preisträgern Higgs und Englert erwähnt habe und es sich dabei um einen nie da gewesenen Schritt handele. "Das ist eine schöne Anerkennung, aber ich finde nicht, dass das genug ist", bemängelte das Akademie-Mitglied.

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Physik-Nobelpreis 2013: Ehrung für Higgs und Englert

Um die Entscheidung vom Dienstag habe es im Vorfeld "eine Menge Diskussionen" gegeben. Dies sei auch der Grund gewesen, warum sich die Bekanntgabe der Preisträger um eine Stunde verzögert habe.

Was genau die Akademie so lange diskutierte, wollte Mats Larsson, Mitglied des Nobel-Komitees Physik, auch im Nachhinein nicht verraten: "Ich kann keine Details über die Entscheidung enthüllen - nur so viel: Das Prozedere ist kompliziert."

Einen einzelnen Experimentator vom Cern auszuwählen und für die Entdeckung des Higgs-Teilchens mit dem Nobelpreis zu ehren, wäre allerdings schwierig gewesen. Studien von Cern-Forschern haben meist Hunderte, oft sogar Tausende Autoren, weil sie alle an den Experimenten beteiligt sind. Allerdings: "Man hätte auch eine Organisation wie das Cern auszeichnen können", räumt Larsson ein. Dies liege im Ermessen der Akademie.

Ob nun mit oder ohne Cern-Auszeichnung: Am Dienstag war die Freude unter den Physikern groß, auch in der Schweiz: Rolf Heuer, der Direktor des Cern, gratulierte den beiden Laureaten: "Ich bin begeistert, dass der Nobelpreis an die Teilchenphysik geht", sagte er.

nik/afp

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
cassandros 09.10.2013
1. Wein nicht! Nächtes Jahr ist wieder Weihnachten
Zitat von sysopREUTERSDie Vergabe des Physik-Nobelpreises stößt auf Kritik: Nicht nur die Forscher Higgs und Englert, sondern auch die zahlreichen Wissenschaftler am europäischen Forschungszentrum Cern hätten ausgezeichnet werden sollen, meint ein Mitglied der Jury. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/physik-nobelpreis-akademie-mitglied-kritisiert-entscheidung-a-926916.html
Man könnte das bei der Preisvergabe 2014 nachholen. Oder?
Archimedes_da_Siracusa 09.10.2013
2. Akademie ist vorsichtig
Der Nachweis des Higgs-Teilchens gilt immer noch als umstritten.
yael.schlichting 09.10.2013
3. Ich glaube, das sieht man am CERN entspannter
.
franz-burbach 09.10.2013
4. Der Erfolg hat viele Väter.
Die Idee zu jeder Erfindung und Entdeckung ist doch das Wichtigste. Es muss ja nicht jeder wie beim Nachspann eines Filmes genannt und geehrt werden. Gruß Franz Burbach
wrtlbrmft 09.10.2013
5. erst mal...
Zitat von yael.schlichting.
Klar, denen ist bewusst, dass sie in der Schweiz arbeiten - und dass sie schon noch drankommen - wenn alle Amis dran waren.
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